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MATRICULA:

Digitalisierung der Matrikenbücher in der Diözese St. Pölten
www.matricula.findbuch.net

Im Gefolge des Konzils von Trient (1545-1563) wurde schrittweise in der katholischen Kirche die Führung von Tauf-, Trauungs- (1563) und Sterbebüchern (1614) angeordnet. Die Umsetzung dieser Anordnung war schließlich ein Prozess, der sich über nahezu ein Jahrhundert zog, so dass erst mit der Mitte des 17. Jhdts. jede Pfarre auch ihre eigenständige Matrikenführung aufzuweisen hatte. Waren diese Aufzeichnungen ursprünglich allein für den innerkirchlichen Gebrauch zur Administrierung der Sakramente gedacht, bekamen die Bücher mit den Josephinischen Reformen eine zusätzliche Funktion: ab 1784 dienten sie auch als staatliche Personenstandsregister und wurden so zu öffentlichen Amtsbüchern, welche Funktion sie bis zur Errichtung der Standesämter im Jahre 1939 behielten. Aufgrund dessen fallen die Bücher für diesen Zeitraum unter die Bestimmungen des staatlichen Personenstandsgesetzes, das die Einsicht genau regelt und den Matrikenführer (i.e. der Pfarrer) dazu verpflichtet, Einsicht nehmen zu lassen (§ 41,4).

Ursprünglich bloß zur Administrierung der kirchlichen Sakramente gedacht, gehören die Matrikenbücher der Pfarren heute zu den bedeutendsten Geschichtsquellen des 16. bis 19. Jahrhunderts. Sie geben wie kaum eine andere Quelle nahezu lückenlos Aufschluß über demographische, sozialhistorische, aber auch medizinhistorische bzw. genetische  Entwicklungen dieser Zeit. Da sich in den Büchern zum Teil auch sehr augenscheinlich Bevölkerungsbewegungen zeigen, erhalten die darin enthaltenen Informationen eine Relevanz, die weit über Niederösterreich allein hinausgeht. Damit gehören sie zu einem wesentlichen Bestandteil des historischen kulturellen Erbes von ganz Österreich. 

Die Bereitstellung der Matrikenbücher wird in den österreichischen Diözesen durchwegs unterschiedlich gehandhabt. In den Diözesen Wien, Linz, Salzburg, Innsbruck und Feldkirch können die Originale mit wenigen Ausnahmen nur in den Pfarrämtern eingesehen werden, in den Diözesen Eisenstadt, Graz-Seckau, Gurk-Klagenfurt und St. Pölten sind die Bücher teils im Diözesanarchiv deponiert und können dort eingesehen werden, teils befinden sie sich noch in den Pfarren. Wegweisende Lösungen hinsichtlich der Einsicht und Bereitstellung der in den Büchern enthaltenen Informationen wurden in den Diözesen Salzburg, Innsbruck und Feldkirch gefunden: in allen drei Diözesen wurden sämtliche Matrikenbücher auf Mikrofilm verfilmt, und sind im Salzburger Konsistorialarchiv bzw. im Tiroler Landesarchiv bzw. im Vorarlberger Landesarchiv einsehbar. Auf diese Weise konnten zahlreiche Forscher und Forscherinnen von den Pfarrämtern in diese Institutionen „umgeleitet“  und hier zufriedenstellend betreut werden.
 

Ausgangslage in der Diözese St. Pölten 

Von den 424 Pfarren der Diözese St. Pölten haben ca. 280 ihre Matrikenbücher (mit Ausnahme jener Bücher, die die letzten 100 Jahre beinhalten) im Diözesanarchiv deponiert. In den übrigen Pfarren befinden sich die Bücher vor Ort. Aufgrund des sich in den letzten Jahrzehnten konstant steigernden Interesses einer breiten Öffentlichkeit für Genealogie, aber auch der erhöhten Nachfrage der akademischen Wissenschaft nach diesen Quellen hat sich die Anzahl der Einsichtnahmen in die Bücher erheblich gesteigert und damit eine Reihe von neuen Voraussetzungen mit sich gebracht:
 

1. Die Zahl jener, die Einsicht nehmen wollen, steigt ständig an, woraus sich folgende Probleme ergeben, die den offenen Zugang zu den Quellen gefährden:
a. Jene Pfarrämter, die ihre Matrikenbücher in der Pfarre verwahren, haben oft weder die Zeit, noch die Räumlichkeiten, Einsicht nehmen zu lassen. 
b. Die Beantwortung schriftlicher Anfragen an diese Pfarrämter übersteigt üblicherweise die zeitlichen Möglichkeiten, wodurch Beantwortungen häufig ausbleiben.
c. Die Benützung der Bücher ist oft nur unter schwierigen Umständen oder gar nicht möglich.


2. Die Sicherheit der Bücher kann nicht immer voll gewährleistet werden, so dass es immer wieder zu Verlusten kommt.

3. Konservatorischer Aspekt: Bleibt die derzeit hohe Benützungsfrequenz der Bücher aufrecht, kommt es mittel- bis langfristig zu ihrer Zerstörung. Somit geraten nicht nur wichtige historische Quellen in Verlust, sondern auch für die staatliche Personenstandsführung (1784-1939) relevante Daten. Nachforschungen nach Erben würden bspw. erheblich erschwert - unabsehbare rechtliche Konsequenzen wären die Folge. 

Lösungsansatz

Diesen Problemen kann Abhilfe geschaffen werden durch die umfassende Digitalisierung sämtlicher Matrikenbücher der Diözese St. Pölten für einen Zeitraum von den Anfängen bis 1939. Es ergeben sich daraus folgende Effekte:
 

1. Durch die Bereitstellung der Daten im Diözesanarchiv St. Pölten und auch im Nö. Landesarchiv kann der offene Zugang zu den Quellen für jedermann gewährleistet werden.

2. Die in den Büchern enthaltenen Informationen werden dauerhaft gesichert, indem die Daten sowohl auf mehreren verschiedenartigen Datenträgern (DVD, Server, Band) gespeichert, als auch Mikrofilmaufnahmen aus ihnen generiert werden können


Somit trägt das Projekt wesentlich sowohl zur Optimierung des offenen Zugangs, als auch zur Bewahrung eines wichtigen Teils des historischen kulturellen Erbes unseres Landes, als auch zur Rechtssicherung bei. 
 

Durchführung
 

1. Grundsätzliches
1. Alle Matrikenbücher der Diözese St. Pölten werden von den Anfängen bis einschließlich des Jahrgangs 1939 digitalisiert.
2. Mit Ausnahme der Scans der jeweils letzten hundert Jahre (gesperrt nach Personenstandsgesetz § 37,1)  werden sämtliche Bilder sowohl im Diözesanarchiv St. Pölten, als auch durch Anbindung an das Netz des Landes Niederösterreich im Nö. Landesarchiv zur Einsicht zur Verfügung gestellt.
3. Von den digitalen Bildern werden zwecks langfristiger Sicherung in einem späteren Schritt auch SW-Mikrofilme angefertigt.

2. Bereitstellung

Die Bilder werden in unkomprimierter Form im jpg-Format auf einem Server, der von der Diözese St. Pölten betrieben wird, archiviert. Durch Anbindung an die bereits vorhandene Bestandsdatenbank des Diözesanarchivs St. Pölten werden sie schließlich erschlossen und digital verfügbar gemacht.


Perspektiven
 

1. Es ist eine intensive Kooperation mit dem NÖ. Landesarchiv geplant, die die Vernetzung der digitalen Archive des Nö. Landesarchivs und des Diözesanarchivs St. Pölten zum Ziel hat: digital verfügbare Bestände sollen so gegenseitig nutzbar gemacht werden. 

2. Errichtung eines Diözesanen Kompetenzzentrums für Digitalisierung (DKDig). Dadurch kann auch anderen kirchlichen Institutionen Niederösterreichs bzw. Österreichs die kostengünstige Digitalisierung von Kulturgut ermöglicht werden. Auf diese Weise können innerkirchlich wesentliche Impulse in Richtung digitaler Bereitstellung des kulturellen Erbes gegeben werden. Damit ist auch für die Nachhaltigkeit des Projektes gesorgt.

3. Das Projekt ist auch als Anregung für andere Diözesen gedacht, ähnlich vorzugehen. 

4. Die Vernetzung möglichst vieler Daten würde für die Möglichkeiten der Forschung einen Quantensprung bedeuten, weil dadurch bisher nur schwer – vor allem weil dezentral in den einzelnen Pfarren gelagert – zugängliches, inhaltlich äußerst bedeutsames Quellenmaterial leicht benützbar wird. 
 
 

Liste der bereits digitalisierten Matriken


Matrikenbücher online
 
 

Nähere Informationen:

Eugen Novak
Tel.: 02742 324 326, Email: archiv.digital@kirche.at