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Hirtenwort zur Seelsorge 1

Liebe Gläubige der Diözese St. Pölten!
Schwestern und Brüder im Glauben!

Ich bin nun bereits drei Jahre hier in der Diözese St. Pölten als Euer Bischof. Unsere gemeinsame Berufung und Sendung im Glauben ist es, so miteinander und füreinander als Christen zu leben, dass es als Heils- und Frohbotschaft Gottes für alle Menschen erfahren wird.i

In vielen Begegnungen durfte ich erleben, wie Ihr euch dem Ruf und der Sendung stellt, wie ihr in der heutigen Zeit auf Gott vertraut und Gottes Gegenwart bezeugt. Viel Gutes ist zu sehen; oft geschieht es im Verborgenen, ohne großes Aufsehen, ganz einfach und doch in großer Treue, mit viel Kraft und Engagement. Ehrlichen Herzens danke ich Gott und Euch für diese Erfahrungen.

Mir sind auch die Schwierigkeiten, Sorgen und Nöte nicht unbekannt, die Euch bewegen, auf Eurem Lebensweg verunsichern und auch im kirchlichen Leben spürbar sind. Änderungen im gesellschaftlichen Leben sind mit neuen Herausforderungen im Glauben und mit Hindernissen verbunden; immer häufiger wird ein rauer Gegenwind spürbar, der das Leben – auch im Glauben - erschwert.

Einladen, aufbrechen und mitgehen

Deshalb wende ich mich heute an Euch. Neben den ganz persönlichen Problemen und Sorgen, Mühen und Leiden, gibt es Herausforderungenii, die uns als Gemeinschaft im Glauben berühren, die den Bischof genauso wie Euch fragen lassen: Warum zeigt sich kein Erfolg? Was soll ich denn tun? Wie kann es denn weiter gehen? Worauf kommt es an? Welche Wege können und sollen wir einschlagen?

Manche erwarten sich fertige Lösungen und sichere Rezepte. Ich kann sie Euch nicht geben. Vielmehr will ich einladen und bekräftigen, einen neuen Aufbruch zu wagen. Ich lade dazu ein, dass wir uns gemeinsam als Kirche Jesu Christi - als pilgerndes Volk Gottes - auf den Weg machen, um im Vertrauen auf Gottes Hilfe die richtigen Schritte zu erkennen und zu setzen. Ich lade alle ein, den Weg der geistlichen Erneuerung unseres Glaubens zu suchen, danach zu forschen und bereitwillig zu gehen. Ich lade ein, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Ich lade ein zur Erneuerung aus dem Evangelium, im Vertrauen auf Gottes Heiligen Geist.

Gott begegnen

Der innerste Kern, die unverzichtbare Mitte unserer Berufung und Sendung ist die Gottesbegegnung. Gott ist das Leben. Wir glauben, dass Gott der Urheber und das Ziel unseres Lebens ist – für jeden Menschen, für die Kirche, ja für die ganze Welt. „Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (vgl. Apg 17,28) In Jesus Christus begegnet uns Gott als „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (vgl. Joh 14,6). Als Christen haben wir den Geist empfangen, „in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (vgl. Röm 8,15; Gal 4,6). Wir haben den Geist empfangen, „der aus Gott stammt, damit wir das erkennen, was uns von Gott geschenkt worden ist“ (vgl. 1 Kor 2,12).

Wir wollen als Kirche aufbrechen, d.h. uns auf den Weg machen, eine geistliche Erneuerung anstreben und Gott suchen in unserer Zeit.iii Wir tun es mit dem Ziel, dass wir auf das „Geheimnis“ Gottesiv aufmerksam machen und Gottesbegegnung für viele Menschen in unserer Diözese ermöglichen. Wir glauben, dass diese Gottesbegegnung in Christus ihre vollendete Gestalt erfährt.v Dabei trägt uns die Zuversicht, dass Gott selbst es ist, der den Menschen sucht: „Die Sehnsucht Gottes ist der Mensch.“ (Augustinus).

Wir wollen viele Menschen darin bestärken und begleiten, damit sie das Abenteuer der Gottsuche beschreiten und aus einer lebendigen Gottes- und Christusbeziehung heraus das Leben gestalten – sowohl ihr persönliches als auch das Zusammenleben untereinander.vi

Frucht bringen

Was ist das Ziel der geistlichen Erneuerung? Worin zeigt sich der Ertrag? Woran können wir erkennen, dass wir auf dem richtigen Weg sind?

Der Apostel Paulus beschreibt dieses Ziel als Frucht des Geistes: „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.“ (vgl. Gal 5,22f). Das heißt, wir können die Frucht wahrnehmen; sie ist für uns greifbar, aber zugleich jedem machtvollen Zugriff entzogen. Wir wissen, dass diese Momente nicht einfach machbar sind; und dennoch ist unser Mittun gefordert. Es ist eine Gabe, die nicht verfügbar oder anzuordnen ist; sie ist nicht einfach in den Griff zu bekommen, sondern bleibt ein Geschenk.

Deshalb braucht es besondere Achtsamkeit, Sensibilität und Wertschätzung, um diese Frucht wahrzunehmen. Das ist nicht selbstverständlich, sondern bedarf der Einübung. Es gibt auch hier – wie bei jeder Frucht – ein Keimen, Wachsen, Reifen und Ernten.vii Wer diesen Weg nicht ernst nimmt, setzt die Frucht aufs Spiel, kommt um seinen Ertrag.

Die Frucht zeigt sich in verschiedenen Momenten und Erscheinungsweisen des Lebens und ist doch eins. Kein Aspekt ist mehr oder weniger wert. Aber was bedeutet es für unseren Glauben, wenn der Apostel Paulus schon an zweiter Stelle die Freudeviii erwähnt? Wie notwendig ist eine geistliche Erneuerung, wenn wir selbst – aus welchen Gründen auch immer - freudlos, deprimiert, enttäuscht und mutlos sind?ix Wie sollen dann die anderen Momente zum Tragen, zur Reife kommen?

Die geistliche Erneuerung, die letztlich auch zur Freude führtx, gründet nach den Worten des Johannesevangeliumsxi, – für viele Menschen paradoxerweise - im „Bleiben“, in der festen Beziehung mit Christus.

Der Apostel Paulus macht uns einerseits Mut mit dem Hinweis, dass uns die nötigen und vielfältigen Gnadengaben zum Aufbau der Gemeinde als „Leib Christi“ geschenkt werden (vgl. 1 Kor 12 und Röm 12). Andererseits lässt er keinen Zweifel daran, dass christliches Leben eine ständige Herausforderung bleibt, wenn es um das konkrete Handeln geht. Er fordert auch uns auf: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.“ (vgl. Röm 12,2). Zu dieser Erneuerung und Wandlung sind wir stets eingeladen. Wenn wir darauf unser Augenmerk legen, dann werden auch die nötigen Überlegungen ans Ziel gelangen, die unser Zusammenleben, die Strukturen, das Planen und Organisieren betreffen.

Umkehren, ermutigen, weitergehen

In den vergangenen Monaten haben sich einige Gruppen zusammengefunden, um Überlegungen für einen neuen „Pastoralplan“ anzustellen.xii Auch wenn nun kein schriftlicher „Pastoralplan“ vorliegt, so wurden doch – wenn auch mühsam, vielleicht auch schmerzlich – wichtige Erkenntnisse gewonnen, die für den weiteren Wegxiii hilfreich sind.

Zunächst kamen viele Bereiche zur Sprache, die einer Erneuerung bedürfen – auch in Strukturen und in Organisationen. Zugleich wurde deutlich, dass die Überlegungen sehr unterschiedlich waren; vielfältige Zugangsweisen, Erfahrungen und Interessen spiegeln die Situation in unserer Diözese wider. Schließlich wurde klar, dass der geistliche Bereich nur bedingt bzw. nicht zufrieden stellend berücksichtigt war. Außerdem fehlte die Einbindung möglichst vieler in den Prozess der Erneuerung, damit unser pastorales Handeln zuversichtlich, hoffnungsvoll und ermutigend fortgesetzt wird und in Zukunft Frucht bringen kann.

Geistliche Erneuerung braucht stets die Umkehrbereitschaft, manchmal auch das Loslassen von liebgewordenen (Eigen-)Interessen. Der Einzelne und die Kirchexiv bedürfen der Umkehr; Umkehr ist eine bleibende Grundhaltung, die uns mit dem Evangeliumxv mit auf den Weg gegeben ist.xvi

Ich bitte euch: Wenn ihr in manchen Situationen des persönlichen Lebens oder in der Gemeinschaft der Kirche enttäuscht seid und euer Mühen und Sorgen vergeblich scheint, dann lasst euch nicht entmutigen! „Löscht den Geist nicht aus“ (vgl. 1 Thess 5,19), sondern „lasst euch vom Geist entflammen“ (vgl. Röm 12,11) und „strebt nach den höheren Gnadengaben“ (vgl. 1 Kor 12,31a). Lernt aneinander! Stärkt einander!xvii Helft einander auf dem Weg!xviii Geht miteinander! „Ermutigt die Ängstlichen, nehmt euch der Schwachen an und seid geduldig mit allen!“ (vgl. 1 Thess 5,14).

Schwerpunkte aufgreifen

Im Sinne einer geistlichen Erneuerung bitte ich alle, die folgenden fünf Schwerpunktsetzungen aufzugreifen. Es handelt sich um zentrale Aufgaben unseres Glaubens, die im Innersten zusammengehören und wie kommunizierende Gefäße sind: Sowohl Defizite als auch Erneuerungen in einem der Bereiche wirken sich entsprechend auf die anderen aus. Die Schwerpunkte, die ich uns allen ans Herz lege, sind 1. Gebet, 2. Katechese, 3. Sakramente, 4. Communio, sowie 5. Mission und Diakonie.

  • Gebet: Im Gebet öffne ich mich für die Begegnung mit Gott und vertraue darauf, dass Er mich hört, sieht und wahrnimmt – so wie ich bin. Die alles entscheidende Beziehung unseres Lebens ist die Gottesbeziehung. Im Gebet kommt mein Leben mit den vielfältigen Beziehungen zur Sprache, selbst dort, wo mir die Worte versagen.xix - Wie können unsere Pfarrgemeinden Gebetsschulen sein, die - attraktiv und hilfreich - zum regelmäßigen persönlichen Gebet anleiten und befähigen?

  • Katechese: Der Reichtum und die Schönheit, die Vielfalt und Tiefe des Glaubens erschließt sich dem Menschen auf Dauer erst, wenn er sich auch bemüht zu verstehen, was er glaubt, lebt und liebt.xx - Wie können wir in unserer Zeit das Interesse für Christus wecken und ein Verstehen des Geheimnisses Gottes fördern?

  • Sakramente: Die Sakramente der Kirche sind Quelle und Nahrung, Stärkung und Heilung für die Gläubigen auf dem Weg der Nachfolge Christi.xxi – Wie können wir Voraussetzungen mitgestalten, damit das personale Geschehen in den Sakramenten Frucht bringen kann? Was braucht es vom Einzelnen und von der Gemeinde, damit der Empfang der Sakramente hilfreich erfahren wird und eine Hinwendung zum Leben in Christus – auch im Alltag - stattfindet?

  • Communio: Zum Glauben braucht man Freunde. Jede/r braucht die Erfahrung von überschaubaren, persönlichen Gemeinschaften. Die Verbundenheit mit Gott schafft neue Verbindungen unter den Menschen.xxii - Wie gelingt es uns, dass der Glaube des Einzelnen in solchen überschaubaren, persönlichen Glaubengemeinschaften lebbar bleibt und in der Gemeinschaft von Gemeinschaften (Pfarren, Pfarrverbände, Diözese, …) Heimat findet?

  • Mission und Diakonie: Wer von Gott ergriffen ist und sein Herz für ihn öffnet, den wird es auch hindrängen, den Menschen zu lieben. Was mir ein Herzensanliegen ist, das will ich mitteilen und weitergeben. Der Glaube hat sich im Handeln, in Wort und Tat zu bewähren, es gilt die Wahrheit in Liebe zu tun.xxiii - Wie kann der missionarische Geist in den Pfarrgemeinden geweckt werden? Wodurch wird der Dienst an den Mitmenschen gefördert, vertieft und entfaltet?

Es ist notwendig, alle diese Bereiche auch gesondert und je eigen zu überdenken und in einem geistlichen Prozess zu erneuern, damit sie fruchtbar werden für die Christusbeziehung und Lebensführung.

In den Schwerpunktsetzungen wollen wir Antworten suchen auf die gegenwärtigen kirchlichen Erfahrungen und Fragen in unserer Diözese.xxiv Denn die veränderten Verhältnisse, die Defizite und die schweren Nöte, die sich in diesen Bereichen unmittelbar zeigen, sind nicht mehr zu übersehen und lassen mich aufhorchen:

Es fehlt vielen Kindern und Jugendlichen ein positiver innerer Zugang zu Kirche und Glaube. Viele Erwachsene bleiben dem kirchlichen Leben fern oder stehen einer kirchlichen Lebensgestaltung distanziert gegenüber. Viele von ihnen sind ohne regelmäßige Gebetspraxis und ohne persönliche Kirchenerfahrung aufgewachsen. Das Verständnis für Glaubensinhalte und Tradition ist sehr gering; die Vertrautheit, über religiöse Themen zu sprechen und sie einzuüben, ist vielfach verloren gegangen. Der Sinn für religiöse Lebensgestaltung ist für viele sehr segmenthaft oder verschüttet.

Bedenkt die Schwerpunktsetzungen, die für die Zukunft unserer Kirche und unser Christsein entscheidend sind! Sucht geeignete Antworten auf die Fragen, damit es uns gelingt, „nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten“xxv! So können wir im Vertrauen auf Gottes Heiligen Geist und mit Gott als Hoffnung unseres Lebens in die Zukunft gehen – voll Freude und mit Frieden im Herzen.xxvi

Rahmen vorgeben, Wege suchen

Aus unterschiedlichen Gründen ist schon jetzt absehbar, dass die geistliche Erneuerung auch strukturelle, organisatorische und personelle Änderungen für die Seelsorge mit sich bringen wird. Diese betreffen nicht nur, aber besonders die Pfarrseelsorge. Zur Orientierung werde ich deshalb einige Richtlinienxxvii vorgeben, die – wie der gesamte Erneuerungsprozess – den Rahmen bilden und auf dem geltenden Kirchenrecht beruhen.

      • Die pastoralen Tätigkeiten werden Mitarbeiter wie Gemeinden stets fordern und in Anspruch nehmen. Allerdings dürfen sie niemanden überfordern – weder haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter, noch die Pfarrgemeinden. Das wird zur Folge haben, dass es nicht in jeder Pfarre alles geben wird.

      • Die Zusammenarbeit über die bisherigen Pfarrgrenzen hinaus gehört zum pastoralen Auftrag jeder Gemeinde; diese Kooperation zeigt sich je nach Gegebenheit in Teilbereichen, die vertieft, forciert oder neu angebahnt werden.

      • In manchen Situationen wird es ein schrittweises Zusammenwachsen geben, das nach zwei unterschiedlichen Modellen gestaltet sein kann: Entweder wird aus mehreren Pfarren „eine Pfarre“, in der es nur einen Pfarrgemeinderat und eventuell nur einen Kirchenrat gibt. - Oder es entsteht „ein Pfarrverband“ mit intensiver Zusammenarbeit mehrerer Orte bzw. Gemeinden. Dabei bestehen in den einzelnen Gemeinden gut funktionierende Teams, die von einem Priester geleitet werden. Es wird in jedem Pfarrverband mindestens eine Sonntagseucharistiefeier geben, die für alle gut erreichbar ist.

      • Priester werden in der Regel an Wochentagen EINMAL, an Sonntagen (inkl. Vorabendmesse) höchstens DREIMAL zelebrieren. Nur in den vom Kirchenrecht genannten Ausnahmen ist mehr als dieses Ausmaß erlaubt – Vgl. CIC 1983 c. 905 sowie die in den liturgischen Büchern genannten Ausnahmen mehrmaliger Messfeier wie z.B. Chrisam-Messe, Allerseelen, Weihnachten.

      • Die seelsorgliche Leitung der Gemeinde erfolgt durch den Pfarrer, der insbesonders in organisatorischen Belangen und auch in einzelnen seelsorglichen Aufgaben von einem Team geeigneter Laien und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen unterstützt wird, um dem Pfarrer genügend Zeit für die seelsorgliche Arbeit zu geben. Der Pfarrer kommt weiters die Aufgabe zu, die Zusammenarbeit untereinander in der Pfarre und darüber hinaus zu fördern. Die erstrebenswerte Mitsorge der Gläubigen entbindet den Priester nicht von der Gesamtverantwortung, die er durch die Mithilfe von Gläubigen ausübt.

      • Die Begleitung von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen in der Pastoral – insbesondere von Jugendlichen und Familien – ist zu fördern und zu stärken. Sie hat innerhalb der Pfarrgemeinde wie auch in der Diözese eine vorrangige Stellung.

      • Die Klöster und Orden haben in unserer Diözese für die Seelsorge eine wichtige Rolle. Zum einen, weil sie in vielen Pfarren tätig sind und zum anderen, weil sie darüber hinaus geistliche Zentren und besondere Orte des Gebetes sind.

Ich lade euch ein, diese strukturellen Überlegungen und Vorhaben nicht ohne geistliche Erneuerung anzugehen. Setzt dafür auch sichtbare Zeichen, indem ihr dem Gebet und der Betrachtung der Heiligen Schrift sowie dem Glaubensgespräch bei euren Zusammenkünften genügend Raum und Zeit gebt.

In Anlehnung an ein bekanntes Wort von Antoine de Saint-Exupéryxxviii lade ich dazu ein, die Prioritäten richtig zu setzen. Lehrt die Menschen nicht zuerst das Handwerk für den Bau eines Schiffes, sondern die Sehnsucht nach dem endlosen Meer – nach Gott. Dann werden auch dringliche und notwendige strukturelle Änderungen ans Ziel kommen.

Schritte setzen

Jede/r Einzelne kann an seinem/ihren Platz noch heute anfangenxxix und den Aufbruch mittragen.

Die Pfarrgemeinden und geistlichen Gruppierungen mögen das Anliegen in die laufende Seelsorgsarbeit aufnehmen und einen gangbaren Weg beschreiten. Nützt die Angebote von „auswärtigen“ Mentoren und Begleiter/innen, die es für die Pfarrgemeinden gibt.

Ich lade auch die Orden, Stifte und Klöster, sowie alle „Erneuerungsbewegungen“ und geistliche Gruppen ein, mit uns den Aufbruch und den Weg der geistlichen Erneuerung auf ihre Weise zu beschreiten.

Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen in der Diözese lade ich ein, in den ihnen überantworteten Aufgabenbereichen mit den Gläubigen den Weg der geistlichen Erneuerung zu gehen.xxx

Um Erneuerung bitten

All unser Tun und Mühen braucht den gelebten Glauben, der im Gebet „zur Sprache kommt“. Es braucht das Vertrauen, dass Gott selbst uns zum Leben in Fülle führen will. Beten wir miteinander und füreinander um die geistliche Erneuerung unseres persönlichen Lebens und unserer Diözese.

„Komm, Heiliger Geist, erfülle unsere Herzen mit brennender Sehnsucht nach der Wahrheit, dem Weg und dem Leben in Fülle. Entzünde in uns dein Feuer, dass wir selber zum Lichte werden, das leuchtet und wärmt und tröstet. Schaffe uns neu, dass wir Menschen der Liebe werden. Erneuere uns und das Antlitz der ganzen Erde. Komm, Heiliger Geist, heilige uns, stärke uns, bleibe bei uns.“xxxi

Gottes Segen, Freude und Friede im Herzen
wünscht und erbittet euch
+ Klaus Küng

St. Pölten, am Tag Mariä Namen, 12. September 2007

***

i Vgl. GS (Gaudium et Spes) 1. Gleich zu Beginn weist die Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ auf diese Aufgabe der Kirche hin: „Ist doch ihre eigene Gemeinschaft aus Menschen gebildet, die, in Christus geeint, vom Heiligen Geist auf ihrer Pilgerschaft zum Reich des Vaters geleitet werden und eine Heilsbotschaft empfangen haben, die allen auszurichten ist“ (Hervorhebung vom Verf.).

Vgl. auch GS 4: „Zur Erfüllung dieses Auftrags obliegt der Kirche allezeit die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen uns sie im Licht des Evangeliums zu deuten. So kann sie dann in einer jeweils einer Generation angemessenen Weise auf die bleibenden Fragen der Menschen nach dem Sinn des gegenwärtigen und des zukünftigen Lebens und nach dem Verhältnis beider zueinander Antwort geben. Es gilt also, die Welt, in der wir leben, ihre Erwartungen, Bestrebungen und ihren oft dramatischen Charakter zu erfassen und zu verstehen“ (Hervorhebung vom Verf.).

ii Vgl. GS 1: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.“

iii Das Volk Gottes bemüht sich, „in den Ereignissen, Bedürfnissen und Wünschen, die es zusammen mit den übrigen Menschen unserer Zeit teilt, zu unterscheiden, was darin wahre Zeichen der Gegenwart oder der Absicht Gottes sind“ (vgl. GS 11). (Hervorhebung vom Verf.)

iv Gemeint ist das „Mysterium“ Gottes, das sich dem gläubigen Menschen erschließt und in das die ganze Welt hinein genommen ist. In analoger Weise ist das Geheimnis Gottes zu verstehen, wie wenn wir vom Geheimnis der Liebe sprechen. Es geht nicht um ein Rätsel, das es zu entschlüsseln gilt, sondern um ein Mysterium, das sich uns zeigt und doch entzogen bleibt. „Wovon man nicht sprechen kann, darüber darf man nicht schweigen!“ – Die Gefahr besteht darin, dass menschliches Reden von Gott atemlos und unglaubwürdig wird, atemberaubend und falsch. Nicht selten wird die Rede von Gott zur „belanglosen Rede“, weil sie das „Geheimnis“ nicht erschließen kann, sondern „enträtseln“ will. Vgl. auch Madeleine Delbrêl: „Das Geheimnis des Evangeliums ist kein Geheimnis, das der Neugier zugänglich ist oder das einer intellektuellen Einweihung bedarf; das Geheimnis des Evangeliums ist in seinem tiefsten Wesen eine Mitteilung von Leben. – Das Licht des Evangeliums ist keine Erleuchtung, die uns äußerlich bleibt, sondern ein Feuer, das in uns eindringen möchte, um unser Inneres den Flammen anheim zu geben und umzuschaffen.“ (in: Dies., Gott einen Ort sichern. Texte, Gedichte, Gebete, hg. von Annette Schleinzer, Ostfildern 2002, Seite 38f).

v Vgl. Kol 1,19: „Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen.“ – Vgl. Phil 2,5: „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht.“Vgl. Eph 4,13: „So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen.“ – Vgl. Phil 3,20f: „Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann.“

vi Um Missverständnissen vorzubeugen, sei hier ausdrücklich darauf hingewiesen: Nicht wir machen die Gottesbegegnung. Keiner kann sich an die Stelle Gottes setzen. Seine Gegenwart und Abwesenheit ist nicht verfügbar, nicht „vertretbar“ und deshalb jeglichem Zugriff entzogen. Gott handelt aber durch uns hindurch und über uns hinaus; er kann jedoch nicht von uns beherrscht werden. Den Dienst der Kirche beschreibt das Zweite Vatikanische Konzil mit zentralen, eindeutigen Begriffen, die auf Gott und das Leben mit ihm hinweisen. Die Kirche ist „Sakrament“, „Zeichen“ und „Werkzeug“: „Die Kirche ist ja in Christus das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“ (vgl. LG 1). Wir glauben daran, dass die Kirche als Volk Gottes „vom Geist des Herrn geführt wird, der den Erdkreis erfüllt“; deshalb bemüht sich das Volk Gottes, „in den Ereignissen, Bedürfnissen und Wünschen, die es zusammen mit den übrigen Menschen unserer Zeit teilt, zu unterscheiden, was darin wahre Zeichen der Gegenwart oder der Absicht Gottes sind“ (vgl. GS 11).

vii Vgl. andere Bibelstellen, die das Bild vom Wachsen und Fruchtbringen in wichtigen Glaubensfragen zur Sprache bringen: Mk 4,1-20 parr.; Mk 4,28; Mt 3,8; Joh 12,24; Röm 7,4; Kol 1,10; Jes 11,1.

viii Man beachte, dass in der Einheitsübersetzung des AT und NT 237-mal der Begriff „Freude“ verwendet wird. – „Freut euch (im Herrn)!“, vgl. Phil 3,1; 4,4. – Weiters: Ps 32,11; Mt 5,12 par, 2 Kor 13,11 u.ö. - Vgl. Mt 25,14-30: Im Gleichnis von den Dienern, denen das Gut des Herrn anvertraut wird, ist der Lohn (das Ziel) die Zusage: „Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn.“

ix Vgl. Neh 8,10: „Die Freude am Herrn ist eure Stärke.“- Vgl. Röm 15,13: „Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und mit allem Frieden im Glauben, damit ihr reich werdet an Hoffnung in der Kraft des Heiligen Geistes.“ - Vgl. die Anweisung des Franz von Assisi in der nicht bullierten Regel 7,16: „Und sie [die Brüder] mögen sich hüten, sich nach außen hin traurig und wie düstere Heuchler zu zeigen; sie sollen sich vielmehr als solche zeigen, ‚die sich im Herrn freuen’ (vgl. Phil 4,4) und heiter und liebenswürdig sind, wie es sich geziemt.“

x Vgl. 2 Kor 1,24: „Wir sind Helfer (griech: synergoi!) eurer Freude.“ – Vgl. „Die wahre und vollkommene Freude“ wie sie uns von Franz von Assisi überliefert ist, in: Die Schriften des heiligen Franz von Assisi, hg. von Lothar Hardick und Engelbert Grau, Werl/Westfalen (Dietrich-Coelde-Verlag) 51987, 150f. Vgl. auch in: I Fioretti, Kapitel 8.

xi Auch im Anschluss an das Bildwort vom Weinstock und den Reben (vgl. Joh 15,1-8) wird im Johannesevangelium der Zusammenhang hervorgehoben: Die „Freude“ und das „Fruchtbringen“ sind eins! Beide Begriffe bringen die Berufung und das Ziel der Jünger auf den Punkt: „Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.“ (vgl. Joh 15,11). Wenige Zeilen danach spricht Christus: „Ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt.“ (vgl. Joh 15,16). Das geht aber nur, wenn wir wie Weinstock und Rebe mit Christus verbunden bleiben. Bleibt in seiner Liebe (vgl. Joh 15,9), denn er ist die Quelle des Lebens.

xii Die Leitungsgruppe hat Schwerpunkte herausgearbeitet und Treffen mit den Priestern und mit den ständigen Diakonen, sowie mit den Zentralangestellten im September vorbereitet. Eine Zusammenkunft mit Pastoralassistenten hat bereits im Mai stattgefunden. Die erweiterte Personalkommission hat ein Arbeitspapier entworfen; eine engagierte Gruppe hat dieses in den Sommermonaten gelesen, sowie neue Ideen und Momente eingebracht. Verantwortliche der Erneuerungsbewegungen haben sich ein erstes Mal zum Thema getroffen. Äbte- und Dechantenkonferenzen haben sich mit dem Anliegen befasst. Eine Kommunikationsgruppe wurde installiert. Viele weitere Gespräche mit einzelnen Verantwortlichen haben stattgefunden, um den Prozess vorzubereiten.

xiii So bietet z.B. ein Gliederungsvorschlag der kleinen Arbeitsgruppe in den Sommermonaten eine wertvolle Hilfestellung für die Arbeit in Pfarrgemeinden: 1. Hauptziel: Begegnung mit Gott in Christus und Gestaltung des Lebens aus der Gottesbeziehung; Bibelstellen als Weg, den wir gehen. – 2. Sehen, Hören, Schweigen. – 3. Sagen, Ansprechen. -4. Verstehen, Spüren, Annehmen. – 5. Bitten, Gebet. – 6. Handeln, Berühren, Aufrichten. – 7. Gehen, Lernen. – 8. Feiern, Versöhnen. – 9. Abschluss: Maßnahmen, erste Schritte.

xiv „Ecclesia semper reformanda!“ – Vgl. LG 8: „Sie ist zugleich heilig und stets der Reinigung bedürftig, sie geht immerfort den Weg der Buße und Erneuerung.“

xv Vgl. Mt 3,2 und 4,17: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!“ – Vgl. Mk 1,15: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“

xvi Vgl. Am Beginn der geprägten Zeiten im Kirchenjahr werden wir zur Umkehr eingeladen, damit wir uns dem „Evangelium“ und „dem Herrn“ zuwenden. Wir brauchen je neu die Ausrichtung unseres Lebens auf das „Reich Gottes“ hin!

xvii Vgl. Röm 15,1: „Wir müssen als die Starken die Schwäche derer tragen, die schwach sind, und dürfen nicht für uns selbst leben.“

xviii Vgl. Röm 14,1: „Nehmt den an, der im Glauben schwach ist, ohne mit ihm über verschiedene Auffassungen zu streiten.“

xix Ich vertraue darauf: Ich bin von Gott getragen und geführt. Er, der mich ins Leben gerufen hat, ist in meinem Leben da. Indem ich mich in diese Grundhaltung einübe, gewinne ich auch die notwendige Voraussetzung für die Mitfeier der Liturgie. Pfarrgemeinden ermöglichen mir regelmäßig, am Gebet teilzunehmen. Sie leiten mich zur eigenen, persönlichen, regelmäßigen Gebetspraxis an, indem sie Zeiten, Räume und Begegnungen dafür offen und frei halten. Pfarrgemeinden sind Gebetsschulen, in denen verschiedene Formen des Gebetes wach gehalten und gepflegt werden. Der stillen Anbetung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Ich wende mich Gott zu und im Schweigen höre ich auf Gott und sein Wort.

xx Natürlich gilt es zu allererst das Interesse für Christus und die Beziehung zu ihm zu wecken und wach zu halten. Jedoch braucht es in der Folge auch ein Verständnis für das Geheimnis Christi, das diese Beziehung zu ihm entfaltet, erschließt und vertieft. Ich will Ihn kennen lernen, wie es meinem Lebensalter entspricht. Das bewahrt mich vor geistiger Armut und vor der Verflachung des Lebens. Denn wo ich mich auskenne - wenn ich z. B. eine Sprache verstehe und damit vertraut bin - werde ich auch fähig, am Leben der Kirche teilzunehmen, und es erschließen sich Bedeutungsinhalte. So werde ich durch das Verständnis und die Teilnahme mehr und mehr befähigt, Christus nachzufolgen, die christlichen Mysterien zu feiern und das Leben der Kirche mitzugestalten.

xxi Die leibhafte, konkrete Verheißung und Gegenwart Gottes wird mir erbeten, zugesagt und von der Gemeinschaft der Gläubigen mitgetragen. In den verschiedenen Rhythmen und Situationen des Lebens empfange ich Christus, der stärkt, vergibt, ermutigt und in allem uns liebt. Ich lasse mich immer mehr mit ihm verbinden, sodass die Beziehung mit ihm und untereinander wächst und reift. Die Bedeutung der Sakramente - insbesondere der Eucharistie, der Buße und der Ehe – erschließt sich demnach für den Gläubigen, wenn er sich auf dieses personale Geschehen mit Gott einlässt.

xxii Die Pflege von Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, mit „Sympathisanten“ und Weggefährten ist von entscheidender Bedeutung. Die Gemeinschaft von Gemeinschaften kennzeichnet die Kirche in der Diözese ebenso wie die Pfarrgemeinden. Die Beheimatung im Glauben ist auf Glaubensgemeinschaften (Kommunitäten) angewiesen, die personenorientiert sind und sich kaum an Territorien binden lassen - wenngleich auch konkrete, „stabile“ Orte und überschaubare Lebensräume für jede Art von Gemeinschaft notwendig sind.

xxiii So wie ich in der Sendung Jesu den Weg, die Wahrheit und das Leben erkenne und erfahre, bin ich gesandt, Zeugnis zu geben für Gott im Leben der Menschen. Es ist meine Sendung - als Einzelner und in der Gemeinschaft der Glaubenden -, auf der Suche nach Sinn, Orientierung und Halt „Licht zu sein“ im Leben der Menschen. Und ich bleibe nicht ich-zentriert bei mir selbst stehen, sondern sorge mich für meinen Mitmenschen. Was ich als Wahrheit erkannt habe, hat sich in Freiheit und in der tätigen Nächstenliebe zu bewähren. Diese zeigt sich in der besondere Sendung der Kirche, im Dienst an allen Menschen. Das heißt, es gilt diese Wahrheit zu bezeugen und dorthin zu gehen und zu bleiben, wo Menschen am Leben gehindert werden oder zu zerbrechen drohen, wo Menschen gebeugt und missbraucht worden sind, wo sie die Last des Lebens nicht mehr alleine tragen und aushalten können, wo Menschen durch Gewalt klein gehalten werden oder das Leben verlieren, wo sonst keiner mehr da ist, der den Menschen an der Hand nimmt und bei ihm bleibt.

xxiv Als Hilfe können folgende Fragen bei allen fünf Schwerpunkten dienen: Was sind die Kernaufgaben in diesen Bereichen? Wie sind sie den Menschen bewusst und wie sind sie im Leben der Menschen verankert? Wie können sie für die Gottesbegegnung und Lebensgestaltung aus dem Glauben den Menschen erschlossen werden? Was sind Hindernisse und Schwierigkeiten – auch struktureller Art? Was ist hilfreich? Was kann der Einzelne tun? Was bedarf einer gemeinsamen oder strukturellen Erneuerung? Welche Ressourcen stehen zur Verfügung? Welche verborgenen Schätze der Kirche und der einzelnen Personen können gehoben werden? Welche Prioritäten und Schritte der Erneuerung werden als nächstes gesetzt?

xxv vgl. GS 4

xxvi Vgl. Röm 15,13. Der Apostel Paulus äußert gegen Ende seines Briefes diese Bitte: „Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und mit allem Frieden im Glauben, damit ihr reich werdet an Hoffnung in der Kraft des Heiligen Geistes.“

xxvii Die Richtlinien für strukturelle Veränderungen werden im Diözesanblatt bekannt gegeben. In den folgenden Punkten im Hirtenwort sind vorab die wichtigsten Inhalte angeführt.

xxviii Vgl. die folgenden Texte von Johannes Bours, in: Geistliche Lesung für den Tag und die Woche. Ergänzung zum Lektionar des Stundenbuchs Heft 1. – „Lasst uns die gegenwärtige Gnade lieben. (Ignatius an die Epheser 11,1)“ Seite 104f: „Und tatsächlich geht dieses Wort ‚Lasst uns die gegenwärtige Gnade lieben.’ bei Ignatius so weiter: ‚Um nur in Christus Jesus erfunden zu werden zum wahren Leben’. Ignatius will sagen: Nimm doch wahr, wie in deiner jetzigen Lebenssituation Christus dir nahe sein will. Nimm doch wahr, wie du in dieser Lebensstunde Verbundenheit, Verwandtschaft, Gesinntheit mit Christus finden kannst.“ (ebd. 104) – „Jetzt fange ich an, ein Jünger zu sein (Ignatius an die Epheser 3,1 und Römer 5,3)“ Seite 112f: „Mir kommt das Wort des hl. Franz von Assisi in den Sinn, das er vor seinem Sterben ausrief: ‚Brüder, lasst uns endlich anfangen!’ - Aber ich erschrecke: wie oft habe ich es mir schon gesagt: Jetzt fange ich an! Jetzt fange ich endlich an! Und dann fiel alles wieder zurück in das schon immer gewohnte. – Vielleicht stellen wir uns einmal selbst die Frage: Kann ich erkennen, was Gott jetzt wohl am ehesten, am meisten von mir erwartet? – Ich denke, es ist gut, mit wacher Aufmerksamkeit und Ehrlichkeit nach einer Antwort auf diese Frage zu suchen.“ (ebd.).

xxix Vgl. Antoine de Saint-Exupéry: "Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer."

xxx Für hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter/innen gibt es von der Diözesanleitung organisierte Treffen, um ein fruchtbares Miteinander zu erzielen. Für die organisatorische Neuaufstellung der Zentralstellen werden eigene „Zukunftskonferenzen“ abgehalten.

Ein externer Berater begleitet die erste Phase des Erneuerungsprozesses für die Diözese. Wie inzwischen bekannt, habe ich für die Leitung dieser ersten Phase ein Team bestellt. Dieses hat auch die Aufgabe, einen Modus vorzuschlagen, wie aus den gewonnenen Rückmeldungen, Einsichten und Erkenntnissen ein „Pastoralplan“ für die nächsten Jahre erstellt werden kann.

Bei strukturellen Änderungen werden die in den zuständigen Gremien zu beratenden und von mir zu approbierenden Schritte, Anweisungen und Maßnahmen im Diözesanblatt und in der Kirchenzeitung bekannt gegeben.

xxxi Nach einem Gebet der Ostkirche; siehe auch: Gebet des Priesterseminars St. Pölten mit dem Motiv der „Heilig-Geist-Taube“.