Jahrbuch 2018 - Jugend in der Kirche
Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Predigt am Christtag 2013

Liebe Brüder und Schwestern!

Dietrich Bonhoeffer schreibt in einer seiner Predigtnotizen: „Von der Geburt eines Kindes ist die Rede, nicht von der umwälzenden Tat eines starken Mannes, nicht von der kühnen Entdeckung eines Weisen, nicht vom frommen Werk eines Heiligen… die Geburt eines Kindes soll die große Wendung aller Dinge bringen.“ Man könnte – seinen Gedanken folgend – Weihnachten so definieren: Gottes Botschaft nimmt Hand und Fuß an. Wahr ist: Wenn ein kleines Kind zur Welt kommt, dann verändert seine Ankunft das Leben der Menschen von Grund auf. Junge Eltern können ein Lied davon singen. Nun: Genau das will die Ankunft Jesu in der Welt bewirken. Das Kind in der Krippe will unser Leben von Grund auf verändern.

Ein Jugendlicher hat mir vor einiger Zeit bei einem Schulbesuch gesagt: „Ja, aber wer glaubt denn das noch?“ Ich habe ihm geantwortet, dass es schon Situationen gibt, in denen einem eine solche Frage kommen kann. Dennoch sind die Kirchen zu Weihnachten voll und boomen z. B. Wallfahrten. Ich sagte ihm auch, dass schon oft manche gemeint haben, es sei „aus“ mit dem Christentum. Einer der Ersten war Nero, danach versuchten es mehrere andere römische Kaiser, mit großen Bedrängnissen und Verlusten der Christen; beim Vier-Kaiser-Treffen in Carnuntum im November 308 – nicht lange nach der schrecklichen Christenverfolgung unter Diokletian, bei der auch der hl. Florian das Martyrium erlitt – kamen sie zum Schluss, dass das Christentum nicht ausrottbar sei. Und wenige Jahre später, 313, verkündete Konstantin das Edikt von Mailand, das den Frieden für die Christen herbeiführte.

Zuvor und danach hat es auch unter den Christen viele kritische Situationen gegeben; ja, es gab Zeiten, in denen man den Eindruck gewinnen konnte, dass das Christentum sich selbst zerstört. In unserer Zeit haben wir zwar derzeit eine Aufbruchsstimmung, die manche den „Franziskuseffekt“ nennen, aber es fehlt auch jetzt nicht an Unheilspropheten, und es gibt in der Tat nicht wenige Probleme, die bedenklich sind.

Und doch ist da die Anziehungskraft dieses Kindes, die Siluan vom Berg Athos, er war ein Meister des Herzensgebetes im 19. Jahrhundert, so beschreibt: „Der Herr selbst sucht den Menschen, ehe der Mensch ihn sucht.“ Genau darin liegt der Grund zum Optimismus. Die Menschwerdung des Gottessohnes zündet ein Licht an, und zwar für alle Zeiten.

Mir unvergesslich ist das Gespräch mit einem Bankdirektor, der – wie er mir erzählte – nicht getauft war, aus einem Haus stammte, in dem das Wort „Gott“ nie vorkam. Wir lernten uns anlässlich der Segnung einer Bank kennen, die kurz vor Weihnachten stattfand. Mit dem Blick auf eine Krippe, die in dem Gasthaus, in dem wir das Essen einnahmen, bereits aufgestellt war, sagte er zu mir: „Ich kann verstehen, dass dieses Kind Hoffnung vermittelt.“ Er deutete an, dass er sich in den letzten Jahren manchmal mit Fragen des Glaubens befasste.

Aber erklärt nicht inzwischen die Wissenschaft fast alles? Braucht es überhaupt noch den Glauben an Christus? Wir wissen nicht alles, aber vieles von der Entstehung der Welt; wir kennen das Genom, auch da sind viele Fragen offen; der Mensch kann am Beginn des Lebens eingreifen schon in den ersten Wochen einer Schwangerschaft können Behinderungen eines Kindes wahrgenommen werden, man kann relativ bald das Geschlecht des Kindes erkennen, Babys können in der Retorte erzeugt werden. Im Prozess des Sterbens kann der Mensch eingreifen durch Verlängerung oder Abkürzung. Und doch bleiben die wesentlichen Fragen. Karl Rahner hat Weihnachten so definiert: „Weihnacht heißt: Er ist angekommen. Er hat die Nacht hell gemacht. Er hat die Nacht unserer Finsternisse, die Nacht unserer Unbegreiflichkeiten, die grausame Nacht unserer Ängste und Hoffnungslosigkeiten zur Weihnacht, zur Heiligen Nacht gemacht. Das sagt Weihnachten.“

P. Cantalamessa, der Hausprediger des Papstes, hat es bei einer seiner Predigten so ausgedrückt: „Wer heute wirklich Weihnachten feiern will, muss in der Lage sein, heute, Jahrhunderte später, das zu tun, was er getan hätte, wenn er an jenem Tag dabei gewesen wäre. Wer das tut, tut was Maria uns gelehrt hat: Niederknien, anbeten und schweigen!“

Es ist und bleibt der wesentliche Ratschlag.

Dieses Kind ist Jesus Christus. Er heilt unsere Blindheit, sodass wir nicht kurzsichtig beim Irdischen hängen bleiben, die Dinge nicht verzerrt sehen; Er überwindet unsere Taubheit, sodass wir Gottes Rufen wahrnehmen; das Jesuskind in unser Herz hereinlassen und ihm nachfolgen; er hilft, Lähmungen ausgelöst durch Faulheit, Bequemlichkeit, Stolz oder andere Lasten zu besiegen und nach und nach zu überwinden, sodass wir uns nicht einfach treiben lassen; er heilt sogar von Aussatz und kann Tote erwecken, vermittelt ewiges Leben.

Im Übrigen besteht da ein Auftrag. Papst Franziskus wird da sehr deutlich. Alle Getauften müssen sich dessen bewusst sein: Es genügt nicht, die eigene Haut zu retten. Es ist notwendig, dass wir auch den Anderen sagen, dass dieser Sohn Gottes ist, um alle zu erlösen. Als die Hirten heimkehrten, erzählten sie, was sie gesehen und erlebt haben.

Möge uns der Heilige Geist beistehen, damit wir diesem Kind, seine Mutter und dem hl. Josef begegnen und damit uns sein Licht geschenkt wird.