Jahrbuch 2018 - Jugend in der Kirche
Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Predigt Heilige Nacht 2013

Liebe Brüder und Schwestern!

Vor ein paar Tagen hat Papst Franziskus auf die Frage, was für ihn Weihnachten bedeutet, die Antwort gegeben: „Gott hat immer sein Volk gesucht, er hat es geführt, hat es behütet, hat versprochen, ihm immer nahe zu sein. Im Buch Deuteronomium lesen wir, dass Gott mit uns geht, uns an der Hand führt, wie ein Vater sein Kind.“ Er fasste zusammen: „Weihnachten ist die Begegnung Gottes mit seinem Volk“ und er fügte hinzu: „Es ist auch Tröstung.“ Dann erzählte er, dass er früher gerne nach der Mitternachtsmette ein paar Stunden allein in der Kapelle war, um das zu betrachten. Immer habe es ihm einen tiefen inneren Frieden vermittelt und eine große Freude.

Diese Gedanken entsprechen den Worten des Propheten, die wir jedes Jahr in der Heiligen Nacht vernehmen: „ Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.“

Das Zentrum der Weihnacht bilden die Worte: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt.“

Es ist eine Einladung, den Glauben zu erwecken, an den, der – trotz allem – in der Kirche und durch die Kirche gegenwärtig wird, von dem der Prophet auch sagt: „Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter.“

Sehr wichtig scheinen mir – gerade auch für unsere Zeit – die Hinweise, die der hl. Paulus dem Titus gibt. Zunächst schreibt er: „Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten“. Dann folgt: „Sie erzieht uns dazu, uns von der Gottlosigkeit und den irdischen Begierden loszusagen …“

Vor wenigen Tagen sagte mir der Vater einer kinderreichen Familie, dass, wenn er mit seinen Kindern beisammen ist, fast immer wenigstens zwei mit dem Handy beschäftigt sind und darin irgendetwas suchen, und ich antwortete mit der Beobachtung, dass heutzutage vor Beginn einer Veranstaltung bei kurzen Wartezeiten fast immer der eine oder andere sein Handy hervorholt, nicht nur, um es abzustellen, sondern meist auch, um noch rasch zu schauen, was in den zuletzt angekommenen E-Mails oder SMS steht. Es ist nichts Böses, aber sicher besteht heute mehr denn je die Gefahr, dass das Berufsleben, das gesellschaftliche Leben die Menschen so sehr in Beschlag nimmt, dass tatsächlich eine Art von Gottlosigkeit entsteht, weil in der Herberge für das Gotteskind kein Platz ist. Sie können dann auch das Anklopfen Gottes nicht hören. Es heißt ja: „Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an …“. Sie sind zu sehr mit anderem beschäftigt.

Jesus kommt abseits vom Getriebe zur Welt. Es ist wichtig, dass wir versuchen, ruhig zu werden, und dieses Kind suchen, das in der Krippe liegt, mit dem Wunsche, dass es uns zu Gott führt.

Es ist auch notwendig, manches, was uns oft zu sehr beschäftigt, vielleicht sogar in seinen Bann schlägt, beiseite zu lassen. Die Begierlichkeiten sind schon auch oft ein Problem, vor allem, wenn man sich gehen lässt. Die tieferen Sehnsüchte bleiben meist ungestillt, wenn gegenüber oberflächlichen Begierlichkeiten zu sehr nachgegeben wird. Daher hat es schon seine Bedeutung, dass wir gerade auch am Weihnachtsfest dem Materiellen, Äußerlichen nicht zu viel Raum geben, und das Wesentliche – das beschauliche Element und die bewusst gepflegte Liebe zueinander – stärker zum Zug kommen.

In den Hinweisen des hl. Paulus gibt es aber noch einen anderen Punkt, der fundamental ist. Er schreibt: „Er hat sich für uns hingegeben, um uns von aller Schuld zu erlösen.“

Weihnachten ist nicht bloß die Geburtstagsfeier einer wichtigen Persönlichkeit. Sie betrifft sein Kommen in der Gegenwart, als Erlöser und Retter. Die Engel verkünden den Hirten: „Heute ist Euch der Retter geboren, er ist der Messias, der Herr.“

Es ist ein wichtiger Aspekt des Weihnachtsfestes. Früher war es selbstverständlich, was heute leider nicht mehr so selbstverständlich ist. Die meisten Gläubigen hatten den Wunsch, vor dem Weihnachtsfest auch das Bußsakrament zu empfangen. Mir ist unvergesslich, wie mich einmal – ich war bereits Bischof – jemand unmittelbar vor dem Weihnachtsfest, am 23. Dezember, ich war mitten in meinen Vorbereitungen, anrief und mir sagte: „Ich muss Sie unbedingt sprechen. Wie er dann da war, sagte er zu mir: „Ich kann so Weihnachten nicht feiern“. Er hatte mit seiner Frau einen schweren Streit gehabt und wollte das wenigstens vor Gott in Ordnung bringen. Ich habe dann auch zwischen ihm und seiner Frau vermittelt. Sie haben mir später erzählt, dass es für sie die schönsten Weihnachten waren.

Christus ist gekommen, um zu retten. Papst Franziskus sagte in dem vorher erwähnten Interview, dass Gott nie die Tür zuschlägt, dass niemand ein aussichtloser Fall ist, nie alle Hoffnung verloren ist.

Die Kirche hat immer schon gelehrt, dass es keine Sünde gibt, die nicht vergeben werden kann. Christus kennt nur eine Ausnahme: Die Sünde gegen den Heiligen Geist. Sie besteht darin, dass keine Einsicht vorhanden ist, kein Wille zur Umkehr. Gott verzeiht immer, die Frage ist nur, ob wir bereit sind.

Freilich, es ist Glaube nötig an diesen Gott, der zu uns herabkommt, Immanuel ist, Gott mit uns, ein Gott, der will, dass keiner verloren geht. Auch Demut ist erforderlich. Wer zu Bethlehem die Grotte sehen möchte, in der er zur Welt kam, muss sich tief zur Erde neigen, weil die Öffnung im Felsen so klein ist. Aufrichtigkeit ist nötig, Gott gegenüber, auch uns selber gegenüber.

Die Engel sagen zu den Hirten: „Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“ Es schaut aus wie alle Kinder, aber es ist ein Kind, das, wenn es erkannt und angenommen wird, ein Leben verwandelt.

Bitten wir darum für uns, füreinander, für alle Menschen, damit wir glauben können, damit dieser Glaube wirksam wird mit allen Folgen, die damit verbunden sind, und wahrer Friede sich in den Herzen verbreitet.

Maria und Josef werden uns beistehen.