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Predigt Maria Taferl - Abschluss Jahr des Glaubens

Liebe Brüder und Schwestern!

An allen Sonn- und Feiertagen, auch bei besonderen Anlässen wie der heutige scheint es mir fast immer an erster Stelle angebracht, sich den Schriftstellen des jeweiligen Festes zuzuwenden und zu fragen: Was will uns Gott sagen?

Am heutigen Festtag, dem Christkönigssonntag, wird uns im Evangelium Jesus gezeigt, der verhöhnt und verspottet wird, hilflos am Kreuz hängt, der aber trotz allem von einem erkannt wird. Es ist der gute Schächer, der die Bitte ausspricht: „Denk an mich, wenn Du in Deiner Macht als König kommst.“ Er erhält die hoffnungsvolle Antwort: „Heute noch wirst Du mit mir im Paradiese sein.“

Es ist angebracht, dass wir dieses Evangelium auf uns wirken lassen.

Es erinnert uns an die geheimnisvolle Art der Wirksamkeit des Mensch gewordenen Gottessohnes. Er hatte es schon vorher angekündigt, dass er verurteilt, leiden und sterben würde. Er hatte auch vorausgesagt, dass der Menschensohn, wenn er von der Erde erhöht sein wird, alle zu sich zieht. Und so geschah es und geschieht es: Nach seiner Auferstehung, trotz aller Verfolgungen, trotz der Brutalität eines Nero oder eines Diokletian. Bis in unsere Zeit ist es immer dasselbe gewesen. Er und die Seinen wurden und werden verfolgt, aber das Christentum hat alles überstanden, übersteht alles, auch trotz der Schwachheit seiner Apostel und deren Nachfolger und trotz der Schwäche vieler seiner Jünger und Jüngerinnen wie man heute gerne sagt. Das Christentum ist sogar immer wieder gewachsen.

Aber heute? Bei uns? Ist es nicht in vielen Bereichen der Gesellschaft so, als hätte dieser Jesus am Kreuz seine Anziehungskraft verloren? Woran liegt es? Wahrscheinlich fragen wir uns das alle manchmal.

Das Jahr des Glaubens findet am heutigen Tag formell seinen Abschluss. Wohl allen war uns von Anfang an klar, dass sein Anliegen auf keine Zeit beschränkt sein kann, ja, dass das Jahr des Glaubens wohl vor allem das Ziel einer Sensibilisierung gehabt hat. Papst Benedikt hat mit der Ausrufung eines Jahres des Glaubens ohne Zweifel den Finger auf eine Wunde gelegt. Jeder, der Augen im Kopf hat, sieht es, wie selbst unter praktizierenden Christen der Glaubenssinn und das Glaubensbewusstsein nachlässt und dass viele zwar getauft sind, aber das Evangelium nicht wirklich empfangen bzw. nicht aufnehmen. Das Fest, das wir heute feiern, macht uns aber bewusst: Christus, der König -es ist der König, der mit einer Dornenkrone bekrönt ist-ist auch in dieser Situation unter uns zugegen. Und wir gehen zu Maria, der Schmerzensmutter von Maria Taferl, und bitten sie um ihre Fürsprache.

In der ersten Lesung aus dem Buch Samuel hörten wir den Bericht über die Salbung Davids zum König. Es war damals eine Art Volksbewegung: Die Stämme Israels kamen nach Hebron. Ja, es war ein prophetisches Geschehen. Sie hatten das Wort des Herrn verstanden: „Du sollst der Hirt meines Volkes Israel sein.“ Das ist auch für uns eine Botschaft. In keiner Epoche der so wechselhaften Geschichte der Christenheit – auch in unserem Land – kam die Erneuerung des christlichen Glaubens durch Anpassung der Kirche an eine in Lauheit, oft richtiggehend ins Heidentum zurückfallende Gesellschaft. Die Erneuerung kam immer durch Menschen, die Christus konsequent nachgefolgt sind, die ihn, der am Kreuz hängt, der zur Rettung der Welt sein Leben hingegeben hat, verehrt und zum König ausgerufen haben.

Wenn wir über die Erneuerung der Kirche, die Erneuerung des Glaubens in unserem Land nachdenken, dann gibt es sicher Fragen, die man unterschiedlich sehen, in denen man vielleicht auch durchaus verschiedener Meinung sein kann, z. B., ob es besser ist, einen großen Masterplan aufzustellen, oder manche notwendige Änderungen nach und nach eingeführt werden sollen oder ob eine schnellere oder langsamere Vorgangsweise angebracht ist. Kein Zweifel besteht jedoch –auch unter Papst Franziskus-, dass Christus der Herr ist oder wie Paulus sagt (2. Lesung), dass er das Haupt des Leibes ist, der Ursprung, der Erstgeborene aller Toten; der in allem den Vorrang hat. Wir sollten nicht übersehen, dass Papst Franziskus nach seiner Wahl zum Papst schon in seiner allerersten Predigt von der Bedeutung des Kreuzes gesprochen hat, dass er unermüdlich dazu aufruft, die Kirche solle sich nicht zu viel mit sich selbst beschäftigen, sondern hinausgehen auf alle Straßen und Plätze, auch an die Ränder der Gesellschaft, ganz besonders zu jenen, die in Not sind. Bei uns haben viele eine große geistige Not.

Wir hören am Christkönigssonntag die freudige Botschaft: „Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind. Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen…. Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden.“

Der Abschluss des Jahres des Glaubens soll uns mit neuer Zuversicht erfüllen, unseren Auftrag als Christen mutig wahrzunehmen. Es geht um die Erneuerung des Glaubens bei jenen, die zum Leib Christi gehören, die getauft sind, aber den Glauben nicht leben, oft auch gar nicht kennen, und es geht um den missionarischen Auftrag jenen gegenüber, die der Kirche nicht mehr oder noch nicht angehören. Diese Aufgabe trifft nicht nur den Bischof, seine Priester, Diakone und andere besonders dazu Beauftragte, er geht alle an: die Eltern bezüglich ihrer Kinder und die Kinder bezüglich ihrer Eltern, ohne die wichtige Rolle der Großeltern zu vergessen. Berufstätige haben ihre Verantwortung als Christen gegenüber jenen Kollegen, die keine Christen sind oder den Zugang zum Glauben verloren oder nie gefunden haben. Auch in einem Verein werden sich jene, die an Christus glauben, Gedanken machen müssen, wie sie Salz und Licht sein können.

Seien wir zuversichtlich! „Wer glaubt, ist nicht allein“, hat einmal Papst Benedikt gesagt, und Papst Franziskus hat den Jugendlichen in Rio de Janeiro zugerufen, dass der Gekreuzigte nie enttäuscht, dass mit ihm das Böse, Leiden und Tod nicht das letzte Wort haben. „Denn er schenkt uns Hoffnung und Leben.“ Und er hat die Jugendlichen dazu aufgefordert, dafür Zeugen zu sein.

Wenden wir uns an Maria, sie möge uns mit ihrer Fürsprache beistehen, damit wir persönlich und gemeinsam aufbrechen und damit unsere Bemührungen fruchtbar seien.