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Radio NÖ Morgengedanken Oktober 2013

Sonntag

„Glauben heißt nichts wissen“ - so hört man es immer wieder. In gewisser Weise stimmt das, denn in der deutschen Sprache hat das Wort „glauben“ auch die Bedeutung von „eine Meinung haben“. Zum Beispiel: „Meinst Du, es wird heute regnen?“

Im biblisch-christlichen Sinn ist das ziemlich anders. Glauben bedeutet da „Feststehen“, „Überzeugt sein.“

Es geht also um Überzeugungen. Wovon in meinem Leben bin ich fest überzeugt? Wo „fährt die Eisenbahn drüber.“? Was ist mir am wichtigsten im Leben?

Ich bin überzeugt, dass mein Leben einen Sinn hat. Ich bin überzeugt, dass es für mich und für die liebsten Menschen in meinem Leben Hoffnung und Perspektive gibt. Ich bin überzeugt davon, es wird einmal Gerechtigkeit geben! In meinem Leben gibt es nicht nur Oberflächlichkeit, sondern Tiefe.

Glauben heißt Überzeugungen haben, gut und fest da stehen.


Montag

„Was glaubst Du denn?!“ Tiefer gefragt: Wem glaubst Du!

Das wichtigste Wort in der Bibel für glauben heißt vertrauen!

Wem kann ich wirklich vertrauen? Wem kann ich mein Herz ausschütten? Genau so, wie es in meinem Herzen ausschaut?

Wenn ich in meinem Leben einen Menschen habe, dem ich vertrauen kann, ist das ein Riesen-Geschenk! Ein Riesen-Geschenk ist es auch, wenn ich sagen kann: Gott, ich vertraue Dir! Ich glaube Dir! Da geht es in die Tiefe unseres Lebens, um die Fundamente.

Vertrauen kann ich nicht erzwingen, das ist ein gegenseitiges Geschenk.

Guter, liebender Gott, ich glaube Dir, ich vertraue Dir. Was für ein Geschenk!

Im Lateinischen heißt „ich glaube“ „credo“, das Herz geben. Wem vertraue ich mein Herz an?


Dienstag

Wenn ich heutzutage ein glaubender Mensch bin, dann ist das nicht selbstverständlich. Glauben heißt ja nicht nur, irgendwo dazuzugehören, ein Formular auszufüllen, sondern im Kern meines Lebens an Gott zu glauben, aus der Überzeugung: Du bist Quelle, Ziel und Mitte meines Lebens.

In diesem Sinne glauben zu können, mein Leben zu empfangen und zu gestalten, ist nicht selbstverständlich, das ist ein Geschenk.

Und darum ist das erste, wenn ich als glaubender Mensch zu leben versuche: die Dankbarkeit!

So wie ein Mann im Evangelium einmal sagt: Ich glaube, hilf meinem Unglauben!

Hilf mir o Gott, dass mein Vertrauen zu Dir wächst, dass nicht Oberflächlichkeiten, sondern meine tiefsten Überzeugungen sich durchsetzen und mich prägen.

Wenn ich ein glaubender Mensch bin, dann kann ich sehr dankbar sein!


Mittwoch

Wenn ich heutzutage ein glaubender Mensch bin, dann heißt das auch, dass ich immer wieder Entscheidungen treffen werde, kleinere und größere.

Früher einmal war das vielleicht anders. Da ist man automatisch getauft worden, zur Erstkommunion gekommen, gefirmt geworden. Da ist man automatisch am Sonntag Vormittag in die Kirche gekommen und dann zum Frühschoppen oder ins Café-Haus. Das ging alles ziemlich automatisch.

Heute muss ich mich und darf ich mich fragen: Wie mache ich das am Sonntag. Vor allem aber: Wie mache ich das mit meinem Leben?

Wenn ich mich heute immer und überall nur nach der Mehrheit richte, wo komme ich denn da hin? Möchte ich dorthin?

Zum Glauben braucht es Entscheidungen, große, mittlere, und klitzekleine. Guter Gott, gib mir die Kraft zu guten Entscheidungen!


Donnerstag

Wenn ich nur auf mich allein gestellt bin, dann sieht das ungefähr so aus, jedenfalls bei mir: Ich bin manchmal stark, meistens so mittelmäßig und öfters schwach. Wenn ich gute Menschen um mich habe, sieht das dann schon anders aus.

Wie gut ist es, wenn ich gute Nachbarn habe, eine gute Verwandtschaft, gute Arbeitskolleginnen und -kollegen.

Ein besonderes Geschenk ist es, wenn ich gute Freunde habe. Freunde kann ich nicht „machen“, das ist ein Geschenk. Aber ich kann mehr oder weniger aus diesem Geschenk machen, mehr oder weniger für eine Freundschaft investieren.

Ein ganz besonderes Geschenk ist es, wenn ich Freunde im Glauben habe. Der Glaube ist ja kein Randbereich, wie etwa ein „Zierranderl“, oder ein besonderes Hobby, sondern da geht es um den Kern meines Lebens.

Was für ein Geschenk, die Mitte meines Lebens mit Freunden teilen zu können!


Freitag

Je oberflächlicher wir dahinleben, um so banaler wird es oft.

Je aufmerksamer ich auf das Leben schaue, um so geheimnisvoller, größer und tiefer wird es. Zum Beispiel jetzt im Herbst. Das bunte Laub. Ein einziges Blatt von einem Baum, ein Zugvogel, der wegfliegt. Oder im Fernsehen: eine Sendung Universum. Welcher Reichtum der Schöpfung!

Das Leben ist größer und reicher, als es uns oft bewusst ist. Das gilt auch für unser menschliches Leben. Im Glauben entdecken wir immer wieder neue Tiefe und Horizonte.

In meinem Leben steckt noch mehr.

Hilf mir, Gott, dass das Gute, das in mir steckt, zur Entfaltung kommt. Gott, Du hast viele Möglichkeiten, noch mehr aus meinem Leben zu machen. So gibt es Hoffnung und Perspektive!


Samstag

„Was hat denn den da getrieben?!“ „Hat die nicht alle Tassen im Schrank?!“ „Der ist ja von allen guten Geistern verlassen!“ Bei anderen Menschen sehen wir das recht schnell: da stimmt etwas nicht, der oder die ist nicht ganz rund.

Das gilt umgekehrt auch im Positiven: Eine Seele von Mensch! Was für eine Perle! Ich freue mich ja so über sie oder ihn! Ein Schatz!

Wer oder was hat Macht über mein Inneres? Was bestimmt, treibt, besetzt mich im Innersten?

Im Glauben bitte ich immer wieder um den Heiligen Geist, damit nicht irgendwer oder irgendwas mich treibt und bestimmt, sondern die Liebe Gottes.

In einem alten Gebet heißt es:

Komm heiliger Geist, erfülle Du unsere Herzen,
entzünde in uns dein Feuer, dass wir selber zum Lichte werden,
das leuchtet und wärmt und tröstet!