Entzündung der 2. Kerze am Adventkranz
Krippenschau im Diözesanmuseum
Winterwald
 
 

Grußwort ITI-Veranstaltung „Kommerzialisierung des weiblichen Körpers“

Sehr geehrte Damen und Herren!

In der letzten Woche vor dem Advent stellte die Bundesregierung einen Gesetzesentwurf zum neuen Fortpflanzungsmedizingesetz vor. Der Entwurf wurde als „Reparatur“ des bestehenden Gesetzes einer völlig überraschten Öffentlichkeit präsentiert. Das neue Gesetz sollte es für Österreich möglich machen, an so genannte „Internationale Standards“ anzuschließen. Trotz der bioethisch und gesellschaftlich höchst problematischen Inhalte wurde eine beinahe einmalig kurze Begutachtungszeit von 10 Werktagen beschlossen, und eine öffentliche Diskussion nicht ermöglicht.

Die vielen Stellungnahmen zum Gesetz zeigen, wie groß die Sorge über die mit den Neuerungen einhergehenden Konsequenzen ist. Als Familien- und Lebensschutzbischof, und auch als Arzt, halte ich den Gesetzesentwurf, der nun in der dritten Adventwoche bereits ohne nennenswerte Änderungen den Ministerrat passiert hat, für einen großen Irrtum, für einen weiteren ethischen Dammbruch. Mit Eizellspenden und der Präimplantationsdiagnostik werden Frauen und Kinder zur Ware einer Fortpflanzungsindustrie, die mit dem neuen Gesetz noch hemmungslosere Versprechungen machen kann. Die Zulassung der IVF war bereits ein Schritt in die falsche Richtung im Umgang mit Paaren, vor allem Frauen mit Kinderwunsch. Nun begeben wir uns mit dem neuen Gesetz immer weiter auf eine schiefe Ebene. Fragen zum Kindeswohl, Fragen zum Umgang mit dem weiblichen Körper, Fragen zu Persönlichkeitsentwicklung und Identität von Kindern, Fragen zu genetischer Selektion und nicht zuletzt Fragen zum Umgang mit ungeborenem Leben wurden weder berücksichtigt noch beantwortet. Im Gegenteil: die Fragen wurden einfach als konservativ, als antimodern und fundamentalistisch abgetan und lächelnd vom Tisch gewischt.

Ich freue mich, dass viele Menschen von diesem Vorgehen ebenso erschüttert sind und sich der Diskussion stellen wollen. Initiativen entstehen, Artikel werden geschrieben, es wird argumentiert und diskutiert. Das ist wichtig und gut. Abende wie der heutige zeigen, dass das Thema niemanden unberührt lässt und breiten Diskurs erfordert. Ich wünsche allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung des International Theological Institutes eine konstruktive Auseinandersetzung und bereichernde Diskussion.

+Klaus Küng