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Interview in "St. Pölten konkret"

Bischof seit 25 Jahren

Am 5. März 1989 bestellte Papst Johannes Paul II. den promovierten Arzt und Theologen Klaus Küng zum Bischof von Feldkirch und vor 10 Jahren wurde er zum Diözesanbischof von St. Pölten ernannt. Küng feiert damit sein silbernes Bischofsjubiläum. Aus diesem Anlass gab der Diözesanbischof „St. Pölten Konkret“ ein Exklusivinterview.

Klaus Küng wurde 1940 in Bregenz geboren und studierte in Innsbruck und Wien Medizin. Das Studium schloss er 1964 erfolgreich ab. Parallel dazu studierte Bischof Küng Philosophie und Theologie und promovierte 1969 in Rom. 1970 wurde er als Mitglied des Opus Dei in Spanien zum Priester geweiht. Als Seelsorger war er in Wien und Vorarlberg sowie für Opus Dei tätig. In der Österreichischen Bischofskonferenz ist Küng u.a. für das Ressort Ehe und Familie und für Finanzen zuständig.

St. Pölten Konkret: Hat sich Ihr Amtsverständnis in den letzten 25 Jahren verändert? Lassen sich Unterschiede zwischen dem Bischof Klaus Küng der frühen 90er Jahre und dem Bischof Küng der Gegenwart skizzieren?

Küng: 25 Jahre sind eine beträchtliche Zeit. Es waren dichte Jahre mit vielen Erfahrungen, Beobachtungen und Einsichten. Im Grunde genommen war es ein Lernprozess, der nie aufhört. Ich sehe heute vieles realistischer und kenne etwa die Schwierigkeiten, die ein Priester, ein Religionslehrer oder die Familien haben, viel besser. Ich bin sicher, dass in diesen Jahren mein Verständnis gewachsen ist. Manche Überzeugungen sind vertieft worden: Wir müssen auf Gott und auf Christus bauen. Es ist die Aufgabe der Kirche, das Evangelium zu verkünden, so wie die Kirche es tun soll, auch wenn das manchmal Widerspruch hervorruft. Nur so kann die Kirche für die Menschen eine Hilfe sein. Das hat sich im Laufe der Jahre bei mir immer tiefer eingeprägt.

St. Pölten Konkret: Sie sind im Juli 2004 als Apostolischer Visitator nach St. Pölten gekommen und im Oktober desselben Jahres zum 17. Bischof von St. Pölten bestellt worden. Wie waren damals Ihre ersten Eindrücke der niederösterreichischen Landeshauptstadt und ihrer Menschen?

Küng: Ich habe St. Pölten nur wenig gekannt, Die Stadt war mir aber nicht fremd und ich war mit der niederösterreichischen Mentalität vertraut, denn ich lebte mehr als 20 Jahre in Wien. Für mich waren die fünfzehn Jahre zuvor in Vorarlberg eine große Hilfe, denn so kannte ich die Dynamik der Polarisierung gut, die dort mindestens genauso stark war wie hier. In St. Pölten hatten damals viele die Vorstellung, dass die Schwierigkeiten nur in der Diözese durch die konkreten Geschehnisse bedingt seien. Ich wusste aber durch die Vergleichsmöglichkeit, dass auch viele andere Faktoren für die die Situation von Gesellschaft und Kirche eine Rolle spielen.

St. Pölten Konkret: Wie sehen Sie St. Pölten, die Stadt und ihre Bewohner heute? Wie wohl fühlen Sie sich in dieser Stadt, in dieser Diözese?

Küng: Ich habe St. Pölten lieben gelernt, besonders natürlich den Dom, aber auch die Innenstadt und die Umgebung. Ich habe in Niederösterreich das Prinzip der Freundschaft in den Umgangsformen in besonderer Weise erfahren. Zudem habe ich die großen Unterschiede zwischen ländlicher und städtischer Bevölkerung entdeckt. Ich bin von der beachtlichen Entwicklung dieses Landes sehr beindruckt. Jedenfalls fühle ich mich hier sehr wohl und zu Hause.

St. Pölten Konkret: Sie sind in Ihrem Leben den außergewöhnlichen Weg vom Arztberuf zum Priesterberuf, von der Naturwissenschaft zur Gotteswissenschaft, gegangen. Hat es dafür ein quasi paulanisches Erweckungserlebnis gegeben oder war Ihre Berufung ein sozusagen stetiger Prozess?

Küng: In meinem Leben gab es mehrere Wendepunkte, die von mir nicht geplant waren. Ich habe gerne Medizin studiert und den Arztberuf mit Freude ausgeübt. Das war mein Plan.
Der Wendepunkt mit der tiefgreifendsten Veränderung war, dass ich, bedingt durch meinen Studienaufenthalt, in Wien Opus Dei kennengelernt habe. Dadurch habe ich einen anderen Blickwinkel auf das Leben bekommen, vor allem in der Beziehung zu Gott. Ich wurde angesprochen, ob ich mein Leben in den Dienst Gottes stellen wolle. Ich habe mich dafür entschlossen. Dann folgte der Entschluss Priester zu werden, obwohl ich gerne Arzt war. Das ist mir aber nicht schwer gefallen.
Die Ernennung zum Bischof war nochmals eine große Wende, die für mich völlig unerwartet kam und nicht einfach war. Ich bin sehr dankbar dafür, wie es gekommen ist, geplant hatte ich es so aber nicht.

St. Pölten Konkret: Was nehmen Sie sich für die Zukunft als Bischof vor?

Küng: Ich nehme mir vor, meiner Aufgabe weiterhin treu zu sein und sie mit Aufrichtigkeit wahrzunehmen in der Hoffnung, dass Gott selber das Gute bewirkt.

St. Pölten Konkret: Was wünschen Sie sich bis 2020 für die Diözese?

Küng: Mein Ziel ist es, soweit wie möglich dazu beizutragen, dass eine neue tragfähige Grundlage für die Kirche der Zukunft entsteht.
Wir befinden uns in einer starken Umbruchssituation. Ich wünsche mir eine Kirche, die auch in der Zukunft eine wichtige Aufgabe für die Menschen und die Gesellschaft erfüllen kann.

St. Pölten Konkret: Inwieweit sehen Sie sich als Bischof der flächenmäßig drittgrößten Diözese Österreichs auch als Manager eines großen Unternehmens?

Küng: Ich habe mich nie als Manager gesehen, sondern als Seelsorger. Die Herausforderungen an einen Bischof bestehen u. a. darin, ein Gleichgewicht zu halten zwischen beschaulichem und aktivem Element sowie einerseits zu den Menschen hinauszugehen und andererseits die Arbeit am Schreibtisch zu erledigen. Immer hatte ich das Glück, verlässliche Mitarbeiter zu haben. Dadurch war es eher möglich, die Aufgaben zu bewältigen.