Jahrbuch 2018 - Jugend in der Kirche
Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Predigt 1000-Jahr-Feier Krems-St.Veit

Liebe Brüder und Schwestern!

Im Eröffnungsvers der heutigen Festmesse heißt es: „Gepriesen sei der dreieinige Gott: Der Vater und sein eingeborener Sohn und der Heilige Geist; denn er hat uns sein Erbarmen geschenkt.“

Das ist, in wenigen Worten zusammengefasst, das zentrale Geheimnis unseres Glaubens, das wir am heutigen Tag, dem Dreifaltigkeitssonntag, feiern. Es betrifft zugleich den Kern des Jubiläums, das wir begehen: die 1000 Jahrfeier der Pfarre St. Veit.

Die Botschaft des Dreifaltigkeitssonntags lautet, dass uns Gott nahe ist, dass er seinen Sohn in die Welt gesandt hat und mit ihm den Heiligen Geist. Und jede Kirche, in der regelmäßig Gottesdienst gefeiert wird und in der sich das Volk Gottes versammelt, ist so etwas wie ein Echo auf diese Botschaft, ja, mehr als das: Wenn da wirklich im Namen der Kirche das Wort Gottes verkündet und Eucharistie gefeiert wird, die Sakramente gespendet werden und das Licht neben dem Tabernakel brennt, dann sagt uns der Glaube: dass dieser dreifaltige Gott da ist, der Heilige Geist wirksam, Christus selbst zugegen ist.

Diese Kirche ist die größte Pfarrkirche des Landes. Nicht ganz zu Unrecht wird sie als Dom der Wachau bezeichnet, weil in der Zeit, in der sie errichtet wurde, ein Teil der Wachau und größere Gebiete des angrenzenden Waldviertels zu ihr gehörten und weil der Pfarrer in der Regel ein bedeutender Dechant war, später sogar mit dem Titel eines Propstes.

Es könnte einem die Frage kommen: Brauchen wir überhaupt in Zukunft eine so große Kirche? Persönlich bin ich zutiefst davon überzeugt, dass wir nicht nur sehr dankbar dafür sein sollen, dass es mit der Hilfe vieler –auch der öffentlichen Hand- gelungen ist, die Renovierung dieser großen Kirche durchzuführen und dass sie wirklich schön geworden ist; ich bin davon überzeugt, dass wir sie auch in Zukunft brauchen, ja, froh sein werden, dass wir eine so große und schöne Kirche haben. Das hängt u.a. mit der Entwicklung der Gesellschaft zusammen, mit der Mobilität der Menschen und den veränderten Lebensverhältnissen, auch mit den Gegebenheiten der Kirche, die von ihrem Wesen her eine Sammelbewegung ist. Dort, wo das Geheimnis Christi glaubwürdig vollzogen wird, dort, wo die Menschen eine Quelle für die Seele finden, Stärkung empfangen, dort, wo ihnen Heilung zuteil wird, dort wird sich eine Kirche, auch eine große, immer wieder füllen.

Auch ein Blick in die Geschichte ist hilfreich. Wenn man im Verlaufe der Jahrhunderte die Entwicklungen und Geschehnisse in der Pfarre St. Veit verfolgt, erkennt man, dass es immer wieder ein gewaltiges Auf und Ab gegeben hat. Es gab großartige Aufwärtsentwicklungen. Wenn es nicht solche gegeben hätte, wäre diese Kirche nicht mit dieser Größe und nicht mit dieser prachtvollen Ausgestaltung entstanden. Es gab auch fürchterliche Krisen. Aber trotz aller Krisen bzw. gerade wegen dieser Krisen kam es immer wieder zur Erneuerung, auch wenn es manchmal lange gedauert hat, bis das Gute Oberhand gewann. Wir dürfen davon ausgehen: Gott lässt die Seinen nicht im Stich.

Dazu kommt noch etwas anderes: Auch wenn die Säkularisierung in einem Land fortschreitet, manchmal auch in die Kirche selber eindringt, wie es im Laufe der Jahrhunderte wiederholt geschehen ist und uns in unserer Zeit ganz besondere Schwierigkeiten bereitet, bleiben dennoch im Menschen die Fragen nach dem Woher wir kommen und nach dem Wohin wir unterwegs sind aufrecht, ja, sie werden in manchen Situationen des Lebens drängender (Wie es im Buch Koh -1.Lesung- angedeutet wird): Wenn wir traurig sind oder die Probleme größer werden, wenn sich Grenzen zeigen oder die Sehnsucht nach Erfüllung sich meldet.

Papst Franziskus ruft zu einem neuen Aufbruch. Uns Bischöfen sagte er beim Ad Limina Besuch, es gebe nach seinem Eindruck in Österreich viel Gutes, aber wir dürften nicht damit zufrieden sein, zu bewahren, was in der Vergangenheit entstanden ist, wir dürften auch nicht einfach zusehen, wie die Schar der Gläubigen Jahr für Jahr abnimmt. Er sprach davon, es sei notwendig, eine missionarische Kirche zu werden.

So ein tausendjähriges Jubiläum hat auch etwas Forderndes an sich. Das Bauwerk wurde saniert, die Schäden sind behoben und die Farben wurden aufgefrischt. Das ist Anlass zu Dankbarkeit und Freude. Aber fertig ist die Arbeit nicht.

Gott ruft uns. Im Evangelium hörten wir: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“. Und am Ende des Evangeliums hieß es: „Wer an ihn Glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.“

Das Jubiläum, auch die erfolgreich durchgeführte Renovierung sind eine Art Auftrag: Wir sollen Vertrauen haben. Gott verlässt die Seinen nicht. Aber Gott will, dass wir mittun. Papst Franziskus wird nicht müde zu betonen, dass die Sendung der Kirche eine Aufgabe aller ist. Es darf uns nicht gleichgültig lassen, wenn Menschen an unserer Seite den Weg zur Kirche nicht finden, Christus nicht erkennen oder so leben, als ob es Gott nicht gäbe.

Zum besonders Schönen an der Kirche gehören die Fresken an der Decke: Glaube, Hoffnung und Liebe sind die Themen. Sie sind so etwas wie eine freundliche Einladung. Vor allem die Liebe sollte uns beflügeln, ohne zu übersehen, dass im Fresko mit der Darstellung des Glaubens ein dramatischer Kampf erkennbar ist. Auch in unserer Zeit ist dieser Kampf hart und wir müssen kämpfen. Das Wichtigste ist sicherlich das Zeugnis unseres Lebens.

So wünsche ich Ihnen allen Gottes Segen. Allen jenen, die an der Renovierung in der einen oder anderen Weise mitgewirkt haben sei herzlich gedankt. Möge das gelungene Werk die Bemühungen beflügeln, die Frohbotschaft des Evangeliums heute den Menschen mutig zu verkünden.