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Predigt Begräbnis Bischof Dr. Kurt Krenn

Eminenz,
verehrterHerr Nuntius,
liebe Mitbrüder im bischöflichen, priesterlichen und diakonalen Dienst,
hochwürdigste Äbte,
Herr Landeshauptmann,
Herr Bürgermeister,
liebe Brüder und Schwestern!

Bischof Kurt Krenn ist nach langem Leiden zu Gott heimgekehrt. Viele Jahre hat er seine schwere, allmählich fortschreitende Krankheit geduldig ertragen. Zunächst konnte er noch auf einem Stuhl sitzen, sehr bald war er im Rollstuhl; auch Sitzen ist ihm zeitweise schwer gefallen; Er, der Redegewandte, war sehr bald in der Kommunikation zunehmend eingeschränkt; in den letzten Jahren sagte er noch Ja oder Nein, manchmal ganz wenige Worte, wenn ein Besucher mit ihm sehr vertraut war. Zuletzt sprach er fast gar nicht mehr. Was er lange Zeit noch konnte: Den Segen spenden mit bruchstückhaften Worten und einer gut erkennbaren Geste. Es war bewegend. Er ist ruhig zu Gott heimgegangen, wohl begleitet im Kreis seiner Verwandten. Die Schwestern, die ihn all die Jahre hindurch liebevoll betreut haben, waren dabei, auch einige Priester und längere Zeit ich selber. Wir beteten den Rosenkranz, sangen Marienlieder. Ich habe danach so manchem gesagt: Bischof Kurt ist so gestorben, wie man es sich nur wünschen kann. Die Worte Jesu, die wir im Evangelium gehört haben, erfüllen uns in Gedanken an ihn mit Freude: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?“

Bischof Kurt war ein streitbarer Bischof. Er hat es weder sich selber noch den anderen leicht gemacht, aber eines ist klar: Sein Leben stand im Dienst der Kirche. Sein Wunsch war es, mit allen seinen Talenten und Fähigkeiten der Wahrheit zu dienen.

Er hatte hervorragende Talente, das anerkennen fast alle, auch die meisten seiner Gegner. Vor kurzem wurde – von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen – ein neues Buch herausgebracht mit Vorträgen und Artikeln, die er großteils als Professor, einige als Bischof gehalten bzw. geschrieben hat: Sie zeugen von einem hohen intellektuellen Anspruch und einer hervorragenden Formulierungsgabe. Er hatte eine besondere Fähigkeit, die wesentlichen Zusammenhänge in den großen Themen aufzuzeigen. Schon in der Studienzeit beschäftigten ihn vor allem die Gottesfrage, die Würde des Menschen und das Wesen des Gewissens. Er war ein guter Kenner des hl. Thomas von Aquin, dessen Gesamtwerk er in der Originalsprache, in Latein, gründlich studiert hat. Die Notizen, die er sich dabei gemacht hat, zeigen es. Er verschlang aber auch Werke wie die von Kant, Hegel und Wittgenstein. Er hat sich bei vielen Gelegenheiten in sehr kompetenter Weise über Lebensschutz und Familie geäußert. Als ich Kardinal Dziwisz über den Tod von Bischof Kurt informierte, sagte er zu mir: „Auf jeden Fall war er ein wirklich guter Philosoph und Theologe“. „Das ist wahr“, gab ich ihm zur Antwort.

Er konnte sehr gut diskutieren. Das hat sicherlich manchmal polarisiert. Er konnte auch mit ganz einfachen Leuten reden, war ausgesprochen leutselig. Ich sehe ihn noch vor mir, wie er z.B. bei der Bischofskonferenz gerne mit den Chauffeuren plauderte. Er besaß die Gabe, die Dinge auf den Punkt zu bringen, und zwar pointiert. Das war wohl auch ein Grund, warum ihn manche Journalisten „liebten“. „Er fehlt uns“, hat mir einmal eine der Kirche gegenüber sehr kritisch eingestellte Journalistin gesagt, als ich bereits in St. Pölten war. Ob das der Kirche und ihm selber immer gutgetan hat, ist eine andere Frage.

Ein anderer Aspekt, der wahrscheinlich wenig bekannt und mir erst allmählich in St. Pölten bewusst geworden ist: In Diskussionen konnte er sich verhärten und ganz unnachgiebig werden; trotzdem war er jemand, der im Grunde genommen ein weiches Herz gehabt hat, mit viel Verständnis für die Schwächen der Menschen, manchmal fast zu viel.

Er war auch verwundbar. Manche Probleme, die entstanden sind, erklären sich gerade auch daraus, dass er selbst verletzt wurde: Schon bei seiner Ernennung als Weihbischof in Wien, dann im Zusammenhang mit verschiedenen Auseinandersetzungen in der Verteidigung dessen, was für ihn unumstößliche Wahrheit war und es auch ist. Auch bei seinem Beginn hier in St. Pölten kam es zu schweren wechselseitigen Kränkungen. Dass dann seine Reaktionen für weitere schwere Verletzungen und auch Aggressionen auslösend gewesen sind, gehört wohl zur Tragik seines Lebens. Vielleicht wurde dadurch auch die Krankheit beschleunigt, die schon mehrere Jahre vor seinem Rücktritt mit ihren ersten Anzeichen bemerkbar war.

Über seinem Bett waren in einen Wandteppich eingewoben die Worte seines Wahlspruches: „Christi misericordia pax nostra“. Als man merkte, dass sein Tod bereits nahe war, ist mir bewusst geworden, dass dieser Leitspruch auch für sein Sterben gilt und für uns alle.

Sehr hilfreich war für mich, was Abt Petrus im Zusammenhang mit manchen medialen Äußerungen der letzten Tage über auf Bischof Krenn geschrieben hat. Er hat auf das bekannte Wort des Chilon von Sparta hingewiesen: „de mortuis nil nisi bene“ und darauf aufmerksam gemacht, dass es oft ungenau übersetzt wird, im Sinne, dass man von Toten nur das Gute berichten dürfe. Es wird dabei übersehen, dass bei diesem geflügelten Wort nicht „Bonum“ steht – „das Gute“ –, sondern „bene“, das Adverb. Wir dürfen beim Gedenken eines Verstorbenen durchaus auch seine Probleme erwähnen, sollten aber mit Wohlwollen – bene – von ihm reden. In diesem Sinn ist es angebracht, dass wir das Gute sehen, das im Leben von Bischof Kurt ohne Zweifel vorhanden ist, dass wir für ihn beten und Gott bitten, er möge ihm den Frieden schenken, uns aber die Augen öffnen: Viele der Anliegen, die Bischof Kurt vertreten hat, sind und bleiben von großer Bedeutung. Er war ein aufrechter und mutiger Kämpfer, der in vielen Dingen, in denen man nicht nachgeben darf, tatsächlich nicht nachgegeben hat. Es ist sicher auch richtig, wenn wir in dieser Stunde für die Kirche beten, um Versöhnung und Einheit und mit dem Blick in die Zukunft, damit wir treu dem Evangelium Christi die geeigneten Wege finden: einerseits die Einheit untereinander wächst – ohne sie kann man nichts erreichen – und andererseits eine neue Grundlage entsteht, auf der in den Umständen der Gesellschaft von heute die Kirche erneut wachsen kann. Beim Ad Limina Besuch hat Papst Franziskus in einer der Begegnungen uns Bischöfen gesagt, es sei wichtig, zu beten und wachsam zu sein. Daran kann und soll uns auch das Leben und Wirken von Bischof Kurt erinnern.

Schließlich möchte ich von ganzem Herzen den Immaculata-Schwestern danken, die mit großer Hingabe Bischof Kurt in all den vergangenen Jahren betreut und gepflegt haben, ebenso den Angehörigen. Sie haben wohl all die Jahre hindurch oft zusammen mit Bischof Kurt gelitten und waren immer für ihn Rückhalt. Nicht vergessen möchte ich auch die Priester, die Bischof Kurt in seiner langen Krankheit seelsorglich begleitet haben. Besonders erwähnen möchte ich unseren Protonotar Alois Hörmer, der oft zusätzlich zu seinen eigenen pfarrlichen Verpflichtungen für Bischof Kurt am Sonntag die hl. Messe zelebriert hat.

Wenn wir Bischof Kurt nach der Eucharistiefeier in der Gruft beisetzen, dann tun wir es erfüllt mit wahrer Hoffnung. Paulus ruft uns zu: „Ihr seid mit Christus auferweckt“. Für uns soll es ein Ansporn sein: „Strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt.“

Die Priesterweihe hat Bischof Kurt am Rosenkranzfest empfangen, seine Primiz hielt er in Santa Maria Maggiore, wo wir Bischöfe in der vergangenen Woche beim Ad-Limina Besuch gedacht haben, und zum Bischof wurde er am Gedächtnis Maria vom Guten Rat geweiht. Er hat Maria sehr geliebt. Möge sie ihm und uns allen Fürsprecherin sein.