Jahrbuch 2018 - Jugend in der Kirche
Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Predigt Chrisammesse

Lieber Weihbischof Anton,
liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst,
liebe Brüder und Schwestern!

Am vergangenen Freitag hielten wir in St. Pölten den Stadtkreuzweg. Wir versammelten uns in der Franziskanerkirche. Wir waren keine Riesenmenge, aber doch eine stattliche Gruppe von Gläubigen. Die Firmlinge der Franziskanerkirche trugen das Kreuz. Wir zogen über den Rathausplatz zur zweiten Station vor der Kirche der Englischen Fräulein, weitere Stationen waren an diversen Plätzen der Innenstadt, eine vor dem Priesterseminar und die letzte im Dom. Es war ein schöner Frühlingstag; viele Leute saßen auf den Bänken, die vor den Restaurants und Gasthäusern auf der Straße aufgestellt waren. Es war interessant zu sehen wie sie reagierten, wenn unsere Gruppe näher kam. Die meisten schauten etwas verdutzt, manchen schien es peinlich, andere taten so, als bemerkten sie es nicht. Es gab keinerlei Zwischenfälle, auch keine unangenehme Situation. Wohl aber war es ein totales Kontrastprogramm, das wir da abwickelten. Mir kam der Gedanke: Was würde wohl Jesus dazu sagen?

Ich dachte mir: Vielleicht würde er uns trösten und uns sagen, dass er im Laufe der Jahrhunderte immer wieder ähnliches erlebt hat. Oder vielleicht würde er uns in Erinnerung rufen: „In patientia vestra salvabitis animas vestras“ – „In eurer Geduld werdet ihr eure Seelen retten“. Sehr wahrscheinlich würde Jesus uns nahelegen, was uns Papst Franziskus sagt: Wir sollten Mut fassen, uns an die Ränder der Kirche wagen, mit Liebe auf alle Menschen zugehen.

Gerade diese Gedanken führen uns mitten in die geheimnisvolle Wirklichkeit, die bei der Chrisammesse sichtbar wird. Es ist die Wirklichkeit Gottes, der sein Geschöpf, den Menschen, liebt, auch in seiner Schwachheit und in seinem Gefallensein; es ist Gott, der seinen Sohn in die Welt gesandt und seine unermessliche Liebe gezeigt hat und weiterhin zeigt. Im Zentrum steht das Wort des Propheten, das sich auf Jesus bezieht und das Jesus auf sich anwendet: „ Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn er hat mich gesalbt.“ Er ist Priester, Prophet und König, also ein „Gesalbter“ von seinem Wesen her, weil er der Menschgewordene Gott ist. Er ist der Menschensohn, der von der Erde erhöht alle an sich zieht. Und er ist gegenwärtig durch die Kirche; er hat uns berufen und in gewissem Sinne ruft er uns immer wieder von neuem. Und jenen, die die Priesterweihe empfangen haben, hat er in besonderer Weise Anteil gegeben an seiner hohenpriesterlichen Salbung, sodass sie bei bestimmten Handlungen als Priester an seine Stelle tretend tätig werden und auch allen anderen, die Glieder des Leibes Christi sind, Anteil am Priester-, Propheten- und Königsamt Christi vermitteln.

Papst Franziskus betont immer, dass die Sendung der Kirche die Aufgabe aller Getauften und Gefirmten ist. Uns Bischöfen hat er beim Ad-limina-Besuch gesagt, wir sollten bedenken, dass es nicht nur in einer Kirche zu einer Gottbegegnung kommen kann, sondern auch in einem Stiegenhaus, in einem Büro oder bei einem Fließband. Und wenn er von der Dringlichkeit eines neuen Aufbruchs in der Kirche spricht, so meint er immer alle: Priester und Laien, Junge und Alte, Gesunde und Kranke. Alle müssen mittun, wenn er gelingen soll.

Freilich, vom Priester hängt schon vieles ab: Man sagt ja: Ein guter Priester nimmt viele in den Himmel mit und ein schlechter kann Ursache des Niederganges und der Schädigung vieler werden.

Die Salbung ist die Grundlage einer Sendung. Christus sagt mit den Worten des Propheten: „Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“

Unsere Verantwortung als Priester, als Bischof erfordert Hingabe, denn diese Verantwortung ist groß. Vor wenigen Tagen sagte Papst Franziskus zu einigen jungen Seminaristen: Sie sollten es sich gut überlegen und sich für etwas anderes entscheiden, wenn sie nicht zur vollen Hingabe bereit seien. Die Verantwortung des Priesters kommt in den Bereitschaftserklärungen zum Ausdruck, die bei der Chrisammesse erneuert werden.

In der ersten Bereitschaftserklärung ist von Leitung die Rede, was – oberflächlich betrachtet - auf den ersten Blick verwunderlich scheinen mag. Die Frage lautet: „Seid Ihr bereit, das Priesteramt als getreue Mitarbeiter des Bischofs auszuüben und so unter der Führung des Heiligen Geistes die Herde Christi gewissenhaft zu leiten?“

Die Hauptaufgabe des Priesters besteht darin, die Menschen zu Gott, zu Christus zu führen und zwar „unter der Führung des Heiligen Geistes“ und „als getreue Mitarbeiter des Bischofs“. Diese Anforderung ist hoch, sie darf nicht mit Organisieren verwechselt werden, auch nicht mit Verwalten; sie ist auch nicht bloß eine Koordinationsaufgabe im Teamwork, sondern offenbar etwas ganz Zentrales im priesterlichen Leben. Papst Franziskus spricht von der Hirtenaufgabe und betont, dass der gute Hirt manchmal entschlossen und beharrlich vorausgehen muss; dass er oft mitten in der Herde und andere Male hinter ihr gehen muss. Immer bedeutet es Dienen: Mit einer großen Liebe zu Gott und zu den Menschen, selbstlos.

Die zweite Bereitschaftserklärung ist untrennbar mit der ersten verflochten. Sie lautet: „Seid Ihr bereit, gemäß der kirchlichen Überlieferung die Mysterien Christi in gläubiger Ehrfurcht zu feiern zum Lobe Gottes und zum Heil seines Volkes?“ Das wird immer – auch in Zukunft – sowohl im Leben des Priesters als auch im Leben der Gläubigen zentral sein: Das Mysterium paschale druch die Feier der Eucharistie vergegenwärtigen, an die Stelle Christi, des Erlösers, treten – insbesondere auch bei der Spendung des Bußsakramentes - und für die Menschen und ihre Schwierigkeiten da sein; sie ihn Freud und Leid begleiten. Dementsprechend wird sich die Seelsorge entwickeln, wohl auch „die Pfarre Neu“ bilden. Ehrlich gesagt, ich bin da sehr zuversichtlich, denn wenn der Glaube wach ist, werden die Gläubigen kommen – auch wenn Umstellungen unvermeidlich sind - und die Priester gerne ihre Pflicht tun, weil das Geheimnis Jesu Christi schön und groß ist und seine Kraft von Gott kommt.

Die dritte Bereitschaftserklärung ist nicht weniger wichtig: „Dem Wort Gottes Dienen.“ Sehr schön ist, was Papst Franziskus in Evangelii Gaudium über die Predigt sagt. Es geht im Wesentlichen immer darum zu forschen, was will Gott dem Menschen hier sagen. Beeindruckend ist auch, wie er selbst es uns vorlebt. Papst Franziskus ist ja so etwas wie ein Pfarrer für die ganze Welt: sehr konkret, einfach, gut verständlich, freundlich und liebevoll, auch wenn er manchmal sehr deutlich sein kann und nicht nur Angenehmes anspricht. Dem Wort Gottes Dienen kann anstrengend sein, erfordert viel Gebet, viel Meditation, aber immer ist es bereichernd für alle Beteiligten.

Immer ist auch notwendig – das enthält der nächste Punkt –, den Armen und Kranken beizustehen. Bei fast allen Aufgaben des Priesters helfen andere mit: Diakone, Pastoralassistenten, Religionslehrer. Im zunehmenden Maße werden es Ehrenamtliche sein, bzw. besser gesagt Getaufte und Gefirmte, vor allem Eheleute, die eine entsprechende Einstellung und Erfahrung haben und auch die nötige Ausbildung.

Es ist ein großes Abenteuer, in der heutigen und der zukünftigen Welt die kirchliche Sendung, die Sendung des Hohenpriesters Jesu Christi, zu entfalten. Es wird tatsächlich immer darum gehen, den Armen eine gute Nachricht zu bringen (jene, die ein Leben ohne Gott zu führen versuchen, sind arm oder werden früher oder später arm). Es geht um Gefangene, um solche, die in eine Knechtschaft der Sünde geraten sind. Blinde müssen sehend werden, Zerschlagene, Verletzte, Verwundete bedürfen der Heilung, damit sie aufatmen, froh, frei werden. Er, Christus, kann von jeder Krankheit heilen, sogar von Aussatz, auch Tote können durch ihn zu neuem Leben gelangen.

Wir dürfen und sollen zuversichtlich sein. Freilich ist in diesem Zusammenhang noch etwas wichtig. Das ist in der letzten Bereitschaftserklärung enthalten. Papst Franziskus hat ganz am Ende der Begegnung uns Bischöfen gesagt: Ganz wichtig sei, dass wir unser Gebet pflegen. Ohne das geht es nicht. In diesem Sinn lautet die letzte Frage: „Seid Ihr bereit, Euch mit Christus, unserem Hohenpriester, täglich enger zu verbinden und mit ihm Opfergabe zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen zu werden?“

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst: Seien wir alle guten Mutes, um unsere Aufgaben immer wieder von neuem mit Gottes Hilfe zu erfüllen. Und Ihr, liebe Diakone, helft uns, helft den Priestern, helft dem Bischof. Eure Aufgabe ist wichtig. Auch die der Pastoralassistentinnen und –assistenten, der Religionslehrerinnen und –lehrer. Und ich hoffe, dass Gott aus den Firmlingen aufrechte Männer und Frauen werden lässt; dass christliche Familien entstehen und dass geistliche Berufe von neuem geweckt werden. Der Aufbruch, den Papst Franziskus von uns erwartet, jedes Mal kräftiger einsetzt. Es lohnt sich.

Maria wird uns beistehen. Es ist noch niemals gehört worden, dass sie jemanden verlassen hätte, der bei ihr Zuflucht nahm. Beten wir für Papst Franziskus und beten wir füreinander, damit alles, was wir tun, was wir versuchen, gute, bleibende Früchte hervorbringt.