Jahrbuch 2018 - Jugend in der Kirche
Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Predigt Ostersonntag

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Osterbotschaft betrifft unseren Lebensnerv; sie belebt, heilt und stärkt ihn. Sie führt zu einem neuen Leben.

Einer der beiden Eröffnungsverse der heutigen Messe gibt uns wertvolle Hinweise: Er bezieht sich auf das Osterfest, gedeutet im Licht des Psalms 139, der von der Allwissenheit, der Allgegenwart und Nähe Gottes handelt. Dieser Eröffnungsvers lautet: „Ich bin erstanden und bin immer bei dir. Halleluja. Du hast deine Hand auf mich gelegt. Halleluja. Wie wunderbar ist dieses Wissen. Halleluja.“ Es wird uns bewusst gemacht: Er, der zu Betlehem geboren wurde, der Zeugnis abgelegt hat vom Vater und von der Wahrheit, der Mensch gewordene Sohn Gottes, den die Jünger als solchen erkannt haben, der ans Kreuz geschlagen worden ist und den Tod erlitten hat, Er ist auferstanden und lebt. Und wir dürfen davon ausgehen, dass er durch die Kraft des Heiligen Geistes auch jetzt unter uns ist. Er ist bei dir und bei mir. Das ist der Sinn der Worte: „Ich bin erstanden und bin immer bei dir“. Er sitzt zur Rechten des Vaters ist aber auch bei uns. Der danach folgende Ausdruck „Du hast deine Hand auf mich gelegt“, bedeutet: dadurch, dass er lebt und durch die Kraft des Heiligen Geistes als Erlöser bei uns ist, stehen wir unter einem ganz besonderen Schutz des Allmächtigen und können nur zustimmen, wenn es als Abschluss des Eröffnungsverses heißt: „Wie wunderbar ist dieses Wissen“.

Am Mittwoch in der Karwoche hatten die Priester und Diakone unserer Diözese - wir Bischöfe waren auch dabei - einen Vortrag, der sich sehr eingehend mit der kurzen Anrufung Gottes befasste, die im Stundengebet der Kirche immer als Eröffnung verwendet wird. „O Gott komm mir zu Hilfe, Herr, eile mir zu helfen.“ Diese Anrufung Gottes könnte auch recht gut verwendet werden, um zu erklären, was Ostern für uns Christen bedeutet: Gott hat den Menschen in seinem Gefallensein nicht allein gelassen, er ist uns in einer ganz besonderen Weise, die jedes Begreifen übersteigt, zu Hilfe gekommen: Gott hat seinen Sohn und den Heiligen Geist in die Welt gesandt, sein Sohn hat uns erlöst und bleibt bis ans Ende der Welt als Erlöser und Retter bei uns durch das Wirken des Heiligen Geistes. Wir können sein Wort empfangen, von ihm Heilung erlangen, sakramental können wir sogar mit ihm eins werden. Er ist immer für uns da, bereit, uns zu Hilfe zu eilen.

Im Festtagsevangelium ist u. a. vom Stein die Rede, der –wie Maria von Magdala schon frühmorgens entdeckte- vom Eingang des Grabes entfernt war. In der österlichen Verkündigung, auch in der sakralen Kunst ist er sehr bald zu einem Symbol der Hoffnung geworden, weil er auf die Auferstehung Jesu hinweist, aber auch an die Auferweckung des Lazarus erinnert und damit an die Wirksamkeit der Erlösung. Die Auferstehung Jesu vermag uns aber nicht nur in schweren und tragischen Stunden zu tragen, weil wir hoffen dürfen, dass wir leben werden, auch wenn wir sterben, sie ist auch im gewöhnlichen Alltag der stärkste Ansporn, den es geben kann. Alljährlich hören wir am Osterfest auch die Ermutigung des hl. Paulus (2.Lesg): „Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt.“ Das bezieht sich auf die Gegenwart, muss freilich richtig verstanden werden. Es meint nicht einfach Hoffnung auf eine andere Welt, sondern vielmehr Wahrnehmung der Aufgaben in der Welt mit dem Blick auf Gott und das von Ihm Gewollte.

Vor allem vermittelt die Auferstehung Jesu Mut und Zuversicht im Wissen um die eigene Begrenztheit und Schwachheit. Papst Franziskus hat im vergangenen Jahr in seiner Osterbotschaft gesagt: „Vor allem möchte ich, dass die Frohe Botschaft in alle Herzen gelange, denn dort will Gott diese Botschaft hineinsäen: Jesus ist auferstanden. Es gibt die Hoffnung für dich. Du bist nicht mehr unter der Herrschaft der Sünde, des Bösen. Gesiegt hat die Liebe, gesiegt hat die Barmherzigkeit! Immer siegt die Barmherzigkeit Gottes!“. Er fügte dann noch hinzu, dass der Auferstandene eine Wüste zum Blühen bringen, ja, selbst ausgetrocknete Gebeine wieder lebendig machen kann.

Für uns alle ist es wichtig, guten Mutes zu sein im Bemühen um ein authentisches Christsein trotz aller unserer Mängel und Fehler, im Bestreben, unsere Standespflichten und beruflichen Aufgaben möglichst gut zu erfüllen, aber auch, weil unsere Verantwortung den anderen gegenüber groß ist.

Maria von Magdala eilt zu den Jüngern und verständigt sie, als sie das Grab offen und leer vorgefunden hat. Und nachdem sie tatsächlich Jesus selbst begegnet ist, erfüllt sie sofort seinen Auftrag. Sie verkündete den Jüngern: „Ich habe den Herrn gesehen“ und richtete ihnen aus, was er ihr gesagt hatte. 

Auch wir –gemeint sind dabei wirklich alle –Jung und Alt, Verheiratete und Unverheiratete, Priester und Laien- müssen Zeugnis davon geben, dass er lebt, den anderen beistehen. Das Wichtigste ist dabei sicher unsere christliche Lebensweise, unser Bemühen, trotz unserer Schwächen ein gutes Vorbild zu sein, aber oft, fast immer ist auch nötig, dass wir auf die anderen zugehen, mit ihnen ins Gespräch kommen und ihnen helfen, Jesus, den Auferstandenen, zu entdecken, damit sie nicht ins Leere laufen, nicht an ihren Verwundungen zugrunde gehen oder in Knechtschaften geraten, aus denen sie nicht mehr herauskommen. In seiner Barmherzigkeit rechnet Gott gerade auch bei der Verbreitung der Osterbotschaft mit unserem Mittun.

Für die Apostel war in vielen Situationen Maria, die Mutter Jesu, eine große Hilfe. So manche schwierige Phase haben sie wahrscheinlich vor allem durch sie und ihr Vorbild glimpflich überstanden. Wenden auch wir uns an sie. Sie wird uns nicht enttäuschen.