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Predigt Priesterweihe

Liebe Brüder und Schwestern!

In unserer Zeit Priester zu werden, mag vielen als Wagnis erscheinen: das hängt mit der Entwicklung in der Gesellschaft zusammen, auch mit der Umbruchssituation in der Kirche. Wir alle merken, dass große Veränderungen in der Lebensweise der Menschen stattgefunden haben und weiterhin im Gange sind; dass die in den letzten beiden Jahrhunderten praktizierte Seelsorge nur mehr teilweise wirksam, mancherorts geradezu grenzwertig geworden ist und wir nach neuen Formen suchen müssen. Dazu kommen die vielen, teils aggressiven Anfragen an die Kirche seitens einer weitgehend säkularisierten Welt. Da bedeutet Priester werden tatsächlich sich auf ein Abenteuer einzulassen. Aber m.E. ist es etwas Schönes und Faszinierendes. Denn es ist nicht nur ein menschliches, sondern zugleich ein göttliches Abenteuer. Gott ruft unaufhörlich den Menschen. Und er sendet seinen Geist in die Welt - es ist der gleiche Heilige Geist, der Maria überschattet hat -, damit Christus zur Welt kommt, auch heute, bis ans Ende der Welt.

Die Aufgabe, Christus zu vergegenwärtigen, kommt freilich allen Getauften und Gefirmten zu. Papst Franziskus betont, dass bei der Verwirklichung der Sendung der Kirche alle mittun müssen. Das entspricht auch dem, was das II. Vatikanum gelehrt hat. Dem Priester kommt aber dabei ein unersetzlicher Dienst zu. „Als Diener Christi soll man uns betrachten und als Verwalter von Geheimnissen Gottes“ (I Kor 4,1), schreibt der hl. Paulus den Korintern in Bezug auf das Apostelamt.

Daher möchte ich Euch, liebe Weihekandidaten, als Erstes in Bezug auf Eure Aufgabe Mut zusprechen. Im Antwortpsalm der heutigen Messe lautet der Kehrvers: „All meinen Ängsten hat mich der Herr entrissen.“ Und von Paulus lesen wir, was er am Ende seines Lebens sagen kann: „Der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit die Verkündigung durch mich vollendet wird und alle Heiden sie hören; und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen.“ Seid davon überzeugt: Der Herr wird auch Euch beistehen und „die Mächte der Unterwelt werden die Kirche nicht überwältigen.“

Als zweites möchte ich Euch bitten, Euch mit einer großen Bereitschaft auf den priesterlichen Dienst einzulassen, der Euch in der heutigen Zeit und unter den jetzigen Gegebenheiten aufgetragen ist, mit der Sicherheit, dass es sich lohnt. Papst Franziskus betont insbesondere bei Bischöfen, Priestern, Diakonen, bei allen, die in der Kirche eine besondere Aufgabe übernehmen, die Notwendigkeit einer uneingeschränkten Dienstbereitschaft und Lauterkeit. Er selbst gibt uns diesbezüglich ein hervorragendes Beispiel. Bei einer Begegnung mit Seminaristen hat er vor kurzem gesagt, sie sollten es sich gut überlegen, ob sie wirklich Priester werden wollen, denn da sei wirklich eine Ganzhingabe nötig, aber er sagte auch: „Wer gibt, empfängt viel mehr als er gibt“.

Ein Priester, der sich in seinem Dienst herschenkt, erlebt zwar viel Not bei den Menschen und auch bei sich selbst, weil wir immer wieder unsere eigene Ohnmacht und Schwäche erfahren. Er erlebt aber auch viel Schönes, er erlebt, wie Gott eingreift mit seiner Barmherzigkeit und Güte.

Im Rahmen der Weihehandlung werdet Ihr in Bezug auf Eure Bereitschaft befragt.
In den ersten drei Fragen geht es zunächst um die Bereitschaft, als zuverlässige Mitarbeiter des Bischofs unter der Führung des Heiligen Geistes die Gemeinde des Herrn umsichtig zu leiten; dann um die treue und gewissenhafte Verkündigung des Evangeliums und Darlegung des katholischen Glaubens. Und schließlich geht es um die Bereitschaft, die Mysterien Christi, besonders die Sakramente der Eucharistie und der Versöhnung …in gläubiger Ehrfurcht zu feiern.

Damit im Zusammenhang wünsche ich Euch die Sicherheit, dass es sich lohnt, konsequent und treu zu sein, auch wenn man dabei unvermeidlich mit dem Weg Christi Bekanntschaft macht – und das ist schon immer auch ein Kreuzweg –, aber so werdet Ihr erleben, wie selbst unter schwierigen Gegebenheiten gute Früchte heranwachsen und auch inmitten einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft Christus eine starke Anziehungskraft besitzt: Kirchen können sich von neuem füllen, Familien machen mit, auch junge Menschen kommen, die Freude stellt sich ein, Zuversicht und Optimismus sind charakteristisch für einen neuen Aufbruch. Habt den Mut, einen geraden Weg zu gehen.

Auch eine große Liebe zu den Kranken, Leidenden und Sterbenden möchte ich Euch mitgeben, denn für jemanden, der Christus und der Kirche dienen will, ist diese Liebe unerlässlich, ebenso die Liebe zu jenen, die weit von der Kirche entfernt sind, sie vielleicht sogar verlassen haben. Sie brauchen Eure Hilfe und gerade auch in diesem Zusammenhang werden dem Seelsorger oft die beeindruckendsten und kostbarsten Erfahrungen zuteil.

Vielleicht kommt Euch die Frage: Werde ich das schaffen? Werde ich eines Tages wie Paulus sagen können: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten“?

Zunächst: Ich finde es schön, dass bei Eurer Priesterweihe so viele Jubilare dabei sind. Ihr Leben zeigt, dass Treue möglich ist, auch heute.

Vor allem aber möchte ich Euch sagen: Seid zuversichtlich, aber pflegt das Gebet. Verteidigt es. Sollte es Euch nicht gelingen, jeden Tag die nötige Zeit für das persönliche Gebet aufzubringen, dann sucht Hilfe. Das regelmäßige Gebet ist unerlässlich. Und empfangt auch selbst die Sakramente, insbesondere das Bußsakrament. Das brauchen wir alle. Und schließlich: pflegt die Beziehung untereinander, die Beziehung zu Euren Mitbrüdern, auch Verwandten und Bekannten. Wie es im Buch der Sprichwörter heißt: „Ein Bruder, dem ein anderer zur Seite steht, ist wie eine feste Burg“ (Sprichwörter 18,19).

So wünsche ich Euch, liebe Weihekandidaten, auch Euren Familien und Angehörigen, aber auch allen Jubilaren von Herzen Gottes Segen. Möge Euch die Fürsprache Mariens in allem beistehen, sodass Ihr für die Regungen des Heiligen Geistes empfänglich seid, Christus, den Hohepriester, im Herzen trägt und Euer Leben fruchtbar wird.