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"Presse"-Interview zur Bischofsynode

1. Sind Sie enttäuscht, als Familienbischof von der Familiensynode, die in knapp mehr als einer Woche in Rom beginnt, ausgeschlossen zu sein?

In wenigen Tagen beginnt zunächst die sogenannte Sondersynode. Bei solchen ist es prinzipiell so vorgesehen, dass die jeweiligen Vorsitzenden der Bischofskonferenz teilnehmen, bei uns Kardinal Schônborn. Erst bei der Bischofssynode, die im kommenden Jahr stattfinden wird, entsendet die Bischofskonferenz dann einen von ihr gewählten Vertreter. Es kommen dort aber auch Laien, Ehepaare aus aller Welt, insgesamt sicher eine repräsentative Veranstaltung zum Thema Familie.

2. Die Erwartungen in die Synode sind, befeuert auch durch Aussagen des Papstes, sehr hoch. Steckt darin nicht schon der Keim des Scheiterns?

Ich hoffe sehr, dass die vom Papst gewählte Vorgangsweise mit mehreren Etappen – die Sondersynode ist ein  Zwischenschritt – zur Aufbereitung der Thematik führt, auch zu einer gewissen Entschärfung der Polemiken beiträgt und dass das Resultat am Ende ein sehr gutes sein wird.

3. Kardinal Kasper hat vor einem Krieg der Theologen beim Thema wiederverheiratet Geschiedene gewarnt. Halten Sie diese Warnung für berechtigt?

Grundsätzlich gebe ich Kardinal Kasper, den ich sehr schätze, recht, insofern die Debatte innerhalb der Synode stattfinden sollte und nicht über die Medien. Allerdings hat er hier vielleicht etwas dünnhäutig reagiert. Er selbst hat mit seinem Vortrag ja die Diskussion eröffnet und musste damit rechnen, dass ihm widersprochen wird.

4. Empfinden Sie es als Provokation, dass fünf Kardinäle, darunter der Chef der Glaubenskongregation Kardinal Müller wenige Tage vor Beginn der Synode ein Buch veröffentlichen, in dem sie das Kommunion-Verbot für Geschiedene, die wieder geheiratet haben, festschreiben?

Die im Buch enthaltenen Beiträge waren fast alle schon vorher bekannt. Es handelt sich meiner Meinung nach um keine Provokation, sondern um freie Meinungsäußerungen, die nebenbei dem entsprechen, was die Kirche zu diesem Thema immer gelehrt hat.

5. Widerspricht dieses Vorgehen nicht dem Grundprinzip der Synode, in der auch genau darüber diskutiert werden soll?

Ich gebe Ihnen nochmals recht: Es tut mir leid, dass derzeit über die Medien diskutiert wird, was in die Synode gehört. Selbstverständlich wird dort jeder, auch zu den sogenannten "heißen Eisen", sagen, was er nach seinem Gewissen für richtig hält. Dort ist der richtige Ort dafür.

6. Wie sieht denn Ihre Ideallösung im Umgang mit Geschiedenen aus, die zivilrechtlich wieder geheiratet haben?

Zu so einem schmerzlichen Thema kann es keine "Ideallösungen" geben. Das Wichtigste sind persönliche Begleitung und Hilfestellungen, um in der entstandenen Situation christlich zu leben, die Kinder entsprechend zu erziehen und Gutes zu tun. In nicht wenigen Fällen stellt sich die Frage, ob die kirchliche Ehe, die gescheitert ist, auch gültig war. In solchen Fällen kann eine Annullierung in Frage kommen. Aber auch dann, wenn dies nicht zutrifft, gilt immer, dass auch wiederverheiratete Geschiedene zur Kirche gehören und wie jeder Christ Hoffnung haben. Ich bin gespannt, was fùr neue Ansätze die Synode hier erarbeiten wird.

7. Ganz generell wurde in der Auswertung der vatikanischen Fragebögen zur Vorbereitung der Synode deutlich, dass es eine große Kluft zwischen der Praxis, auch von sehr Kirchennahen,  und der katholischen Lehre zu Ehe, Familie und Sexualität gibt. Das war wohl auch für Sie nicht wirklich überraschend, oder?

Nein, wenn wir auch In Österreich vom Institut Ehe und Familie aus eine parallele Befragung durchgeführt haben, die gezeigt hat, dass es gar nicht wenige Familien gibt, die im Glauben und in dem, was die Kirche in Bezug auf Ehe und Familie lehrt, eine große Hilfe finden. Aber es ist schon wahr, dass in diesem Bereich viele, auch unter den Gläubigen, die Aussagen der Kirche nicht verstehen bzw. nicht annehmen. Nicht umsonst hat Papst Franziskus uns österreichischen Bischöfen beim ad limina- Besuch gesagt, dass er das Thema Familie gewählt hat, weil es für die Seelsorge zentral ist und sehr große  Probleme bestehen. Dieses Thema wurde ja auch in der letzten Bischofssynode über  Neuevangelisierung von vielen Synodenvätern dringend gefordert.

8. Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

Ich erhoffe mir, dass die Sondersynode und dann vor allem die Bischofssynode wichtige Impulse und neue Ansätze vermitteln und eine neue Ausrichtung und Anstrengung in der Seelsorge zur Folge haben werden.

9. Eine große  Kluft zwischen Lehre und Praxis zeigt sich auch beim Verbot sogenannter künstlicher Mittel der Empfängnisregelung. Welchen Handlungsbedarf sehen Sie diesbezüglich?

Es geht um neue Anläufe in der Vermittlung, um die Zusammenhänge besser bewusst zu machen. Die vom (inzwischen heilig gesprochenen) Papst Johannes Paul II. entwickelte Theologie des Leibes kann bei richtiger Vermittlung auch für junge Leute sehr attraktiv sein und scheint mir ein noch nicht wirklich gehobener Schatz. Die Kirche muss in diesen Belangen besser, verständlicher und manchmal auch differenzierter sprechen lernen. Da warten große Aufgaben, die durch die Synode wahrscheinlich neu angestoßen werden.

Übrigens ist bemerkenswert, dass direkt im Anschluss an die Sondersynode  Papst Paul VI. selig gesprochen wird. Seine Enzyklika Humanae Vitae ist auf großen Widerstand gestoßen, war aber ein prophetisches Wort, auch wenn man zugeben muss, dass  die Kommunikation damals und auch später nicht geglückt ist.

10. Auch was das Verbot vorehelichen Geschlechtsverkehr betrifft konnte sich die Lehre der Kirche nicht wirklich durchsetzen. Wie kann die katholische Kirche gerade auch bei Jugendlichen wieder mehr Relevanz gewinnen?

Das ist in der Tat für mich ein schmerzhaftes Thema. Es braucht eine positive, gewinnende und zugleich klare Verkündigung, auch viel Verständnis und Liebe. Nach meiner Erfahrung sind gerade Jugendliche durchaus ansprechbar, wenn es gelingt, wirklich ins Gespräch zu kommen. Freilich, die großen Trends unserer Gesellschaft, auch die massiven Einflüsse, insbesondere seitens der elektronischen Medien drängen in eine andere Richtung, sehr zum Schaden der Jugendlichen und der ganzen Gesellschaft. Das Scheitern vieler Ehen wurzelt in den Jahren davor. Wir müssen Wege finden, wie wir Jugendliche besser abholen und begleiten können.