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1. Gedächtnistag Seliger Alvaro de Portillo

Liebe Brüder und Schwestern!

Im Tagesgebet der Gedächtnismesse zu Ehren des sel. Bischofs Alvaro wird mit wenigen Worten treffend zusammengefasst, was für den Seligen kennzeichnend war, und die Bitte, die ausgesprochen wird, enthält für uns, gerade auch in der gegenwärtigen Situation von Gesellschaft und Kirche, eine wichtige Botschaft.

Wörtlich heißt es: „Gott, Vater des Erbarmens, du hast dem seligen Bischof Alvaro den Geist der Wahrheit und der Liebe eingegossen.“ Das ist eine hervorragende Charakterisierung von ihm und seinem Wirken, liebenswürdig und gütig, zugleich ganz treu zu Evangelium und zur Kirche.

Und die Bitte lautet: „Gewähre uns, dass wir seinem Beispiel folgen und bei der Verwirklichung der Heilssendung der Kirche in aller Demut und mit aller Kraft mittun.“ (nötiger denn je)

Die Wahl von Alvaro del Portillo zum Nachfolger des hl. Josefmaría Escrivá als Prälat des Opus Dei war für alle, die dabei waren ein unvergessliches Erlebnis. Der hl. Josefmaría war eine ganz besondere Persönlichkeit, mit großem Charme und einer unglaublich kraftvollen Ausstrahlung. Alle, die wir ihn kannten, konnten uns eigentlich das Opus Dei ohne ihn gar nicht vorstellen, obwohl er uns schon viele Jahre vor seinem Tod darauf vorzubereiten versuchte. Als er dann plötzlich starb – niemand hatte damit gerechnet – empfanden wir alle einen riesigen Schmerz und eine riesige Lücke, von der wir dachten, dass sie niemand füllen kann. Auch Don Alvaro reagierte mit großer Trauer; zugleich war erstaunlich, mit welcher Klarheit und Sicherheit er sofort die nötigen Schritte setzte. Zur Vorbereitung der Begräbnisfeierlichkeiten und danach. Er tröstete, begleitete und stärkte uns. Er war unser fester Halt. Als dann mit beeindruckender Einhelligkeit seine Wahl zum Prälaten des Opus Dei erfolgte, war vom ersten Augenblick an seine Haltung dadurch gekennzeichnet, dass in allen seinen Worten, Handlungen und Entscheidungen der Gründer des Opus Dei und dessen „mens“ immer ganz im Vordergrund standen. Er wollte bewusst machen: Er ist es, der weiterhin das Werk leitet. Zugleich spürte man – gerade aufgrund seiner tiefen Verbundenheit mit dem hl. Josefmaría– eine unglaubliche Festigkeit. Alle waren wir sehr glücklich. Bald begannen wir von ihm zu lernen, dass Treue nicht mit Starrheit zu verwechseln ist und dass der Ruf Gottes, der an den Gründer des Opus Dei und durch ihn an viele Menschen in der ganzen Welt ergangen ist, ständig aktuell ist und in jeder Zeit und in jeder Situation aktualisierte Antworten benötigt. Und was wir uns nicht hätten vorstellen können, geschah: Wir spürten vom neuem „Vater“ eine große Kraft ausgehen, die zu neuen apostolischen Unternehmungen und neuem Einsatz antrieb, fast noch stärker als zuvor. Es entstand auch eine tiefe Verbundenheit mit ihm.

Der selige Bischof Alvaro ist für uns ein großes Vorbild in der Treue zum Geist des Opus Dei – „wir wollen, dass Christus herrscht“, war sein bischöfliches Motto –, zugleich ist er ein Ansporn, gerade in den heutigen Verhältnissen unentwegt apostolisch wirksam zu sein ohne zu viel nach rechts oder links zu schauen. Für mich persönlich war es immer ein großer Trost und eine große Hilfe, mit ihm reden zu können: Aufgrund seiner riesigen Erfahrung und Güte wusste ich mich von ihm besonders gut verstanden. Er hat mich in meiner Aufgabe als Bischof immer ermutigt, ohne sich je in irgendeiner Weise einzumischen.

Wir können sicher sein: Wenn er jetzt hier wäre, würde er uns Mut zusprechen; uns klarmachen, dass wir im Zusammenhang mit dem, was vom Propheten (1. Lesung) beschrieben wird, eine wichtige Aufgabe haben. Er würde uns sagen, dass Gott in seiner Barmherzigkeit mit unserem Mittun rechnet, wenn er ankündigt, dass er sich wie ein Hirt um die Tiere seiner Herde kümmern wird, an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben; dass er sie zurückholen wird von allen Orten. Bischof Alvaro würde uns daran erinnern, dass wir durch den Geist des Opus Dei, den uns der Gründer vermittelt hat, befähigt sind, jene, die in dieser säkularisierten Gesellschaft in die Wüste geraten sind, „auf eine gute Weide zu führen, wo sie Nahrung und Hilfe finden“.

Wahrscheinlich würde er uns auch erklären, wie schön und zutreffend das Wort des hl. Paulus an die Kolosser (2. Lesung) ist. Dieser spricht „vom Geheimnis, das unter den Völkern ist“. Vielleicht würde er uns an die Worte des hl. Josefmaría erinnern: „ Du bist Christus, der vorübergeht.“ Und Bischof Alvaro uns zureden, nicht locker zu lassen und bei der Verbreitung der Lehre der Kirche nicht in falscher Weise nachzugeben, mutig zu sein, wie wir es von unserem Gründer gehört haben.

Bischof Alvaro war ein guter Hirte nach dem Herzen Jesu: Immer liebevoll, freundlich, er konnte mit jedem reden, hatte zu vielen Kontakt. Zugleich charakterisierte ihn eine große Liebe zur Wahrheit. Gerade deshalb empfand man zu ihm ein großes Vertrauen, weil man davon ausgehen durfte, dass er liebevoll und zugleich klar und verlässlich zur Wahrheit stand. Er würde uns ermahnen, das Evangelium, die Lehre der Kirche, die sich vom Evangelium ableitet und die die Kirche authentisch vermitteln muss, nicht in falscher Weise den Gegebenheiten einer säkularisierten Gesellschaft anzupassen, wie es derzeit leider von nicht wenigen Amtsträgern der Kirche immer wieder geschieht . Vielleicht würde er auch auf das Wort Jesu hinweisen, der sagt, dass er auch noch „andere Schafe“ hat, die auf seine Stimme hören, und dass wir auf alle zugehen sollen, ohne falsche Angst, ohne falsche Bedenken.

Das Gedächtnis des seligen Bischof Alvaro macht uns mit Recht froh und optimistisch. Zugleich ist es ein kräftiger Impuls, apostolisch zu sein und weitere Anstrengungen zu machen. Bitten wir ihn um seine Fürsprache, wenden wir uns aber auch zugleich an Maria. Wie viele Rosenkränze hat Bischof Alvaro gebetet, um die Erfüllung der großen Anliegen, die ihm anvertraut waren, zu erlangen! Sie wurden ihm gewährt. Auch wir sollen beten, damit die Anliegen der Kirche und des Apostolates in Erfüllung gehen.