Erntekrone
Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Interview Bezirksblätter Sonderausgabe Advent/Weihnachten

Sehr geehrter Herr Bischof, gerade die Vorweihnachtszeit ist für viele eine sehr hektische. Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass selbst im Advent vielen keine Zeit zur Besinnung bleibt?

In unserer Zeit finden viele Menschen überhaupt zu wenig Zeit für Besinnung. Es gibt zwar viele Advent- und Weihnachtsfeiern, auch im Zusammenhang mit der Beleuchtung der Christbäume, aber oft überwiegt dabei das Folkloristische und Gesellige. Dazu kommen der Geschenkrummel und die Weihnachtspost. Alles im Ursprung schön, aber leider oft zu sehr verknüpft mit Kommerzialisierung und Hektik. Es gibt schon auch positive Aspekte. In vielen Kirchen des Landes –auch im Dom- werden im Advent werktags, sehr früh am Morgen, sogenannte Roratemessen gefeiert. Da kommen viele. Nicht wenige bereiten auch in ihren Häusern liebevoll ihre Krippen vor.  Da spürt man schon etwas von der Sehnsucht nach dem Kommen des Herrn, nach einer echten Weihnacht.

Die Vorfreude auf den Heiligen Abend steht zumeist in Verbindung mit der Vorfreude auf die Geschenke unterm Christbaum. Worauf sollte es aber wirklich ankommen?

Die Geschenke haben  ihren Sinn. Da darf man sich schon auch  freuen. Das Wesentliche aber ist die Erwartung der Geburt des Herrn. „Advent“ kommt ja vom lateinischen Wort „adventus“, das bedeutet „Ankunft“. Wir feiern zu Weihnachten Geburtstag. Er bezieht sich auf Jesus, der zu Betlehem geboren wurde. Der Glaube sagt uns: Gottes Sohn ist zur Welt gekommen. Weihnachten bedeutet für uns Christen eine große Hoffnung, im Sinne: Gott ist durch diesen Jesus Christus ganz nahe bei uns.

Wie passt das gegenseitige Beschenken dennoch in die katholische Kirche?

Jesus hat gesagt, dass wir einander lieben sollen, wie er uns geliebt hat. Die Geschenke sind ein Ausdruck dafür. Gerade deshalb ist Weihnachten ein besonders schönes Fest der Familie. Sich gegenseitig etwas zu schenken, hat eine besondere Symbolik und zeigt dem anderen Menschen: Du bist nicht vergessen, ich denke an Dich, du bist mir wichtig, ich will Dir Gutes. Wir Christen können uns in diesem Schenken das eigentliche Weihnachtsgeschenk, die Ankunft und Geburt des Menschensohnes, vor Augen halten. Er hat uns ein reiches Leben geschenkt, seine Liebe ist das Ur-Geschenk. 

Bekommt auch ein Bischof zu Weihnachten Geschenke bzw. was wünschen Sie sich zu Weihnachten?

Ja, auch ich bekomme Geschenke und schenke auch selbst: Bücher, Kalender, Anregungen für das Gebet, hin und wieder eine Flasche Wein. Schön ist es auch, im Kreis meiner engsten Mitarbeiter damit Danke sagen zu können. Mein jährlicher Weihnachtswunsch ist es, dass die Menschen sich einlassen auf das Weihnachtsfest, auf die Ankunft des Herrn, auf das große Weihnachtsgeheimnis und Zeit verbringen mit ihren Familien, Christus suchen, Versöhnung üben. 

Über welches Weihnachtsgeschenk freuen Sie sich bis heute?

Ich erinnere mich noch an verschiedene Geschenke, die ich als Kind erhalten habe, einmal war es eine Eisenbahn. Kostbar sind mir die Erinnerungen an die Weihnachtsfeiern mit meinen Eltern und Geschwistern, auch an einige Weihnachten, die ich in Rom erleben durfte.

Gefeiert wird das Weihnachtsfest meist im Großfamilien-Verband. Muss man sich Sorgen machen, dass Sie sich nach der Mette womöglich allein unterm Christbaum einsam fühlen?

Auch wenn das immer wieder überrascht: auch ein Bischof hat eine Familie, ist Sohn, Bruder, Onkel. Wie jedes Jahr versuche ich zu Weihnachten viel Zeit mit meinen Geschwistern, mit meinen Nichten und Neffen und Großnichten und Großneffen zu verbringen. Gemeinschaft wird besonders bei den hl. Messen und Hochämtern im Dom zu spüren sein, zu denen ich die Menschen sehr herzlich einlade. Und natürlich nimmt auch die Telefonseelsorge ihre Zeit an den Feiertagen ein. Einsam werde ich mich bestimmt nicht fühlen.