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Osterpredigt 2015

Liebe Brüder und Schwestern!

Am Hochfest der Auferstehung des Herrn macht sich die Kirche den alten Psalm Israels zu eigen, der lautet: „Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat. An ihm lasst uns jubeln und fröhlich sein.“ Freude ist das Kennzeichen des Osterfestes.

Bei all den schlechten Nachrichten, die wir gerade in letzter Zeit häufig empfangen, könnte die Frage aufkommen: Dürfen wir uns überhaupt freuen oder ist diese Freude nur künstlich? Da gibt es Krieg in der Ukraine und im Vorderen Orient, Christenverfolgungen, die uns im Bann halten und nicht aufhören, Millionen von Menschen sind auf der Flucht, ein Flugzeug zerschellt an einem Berg, weil der Copilot depressiv ist. Und bei uns: ein Christentum, das ziemlich lau ist. Können wir uns da freuen? Was ist Osterfreude, worin besteht sie?

Einen wichtigen Hinweis gibt uns Paulus, der den Kolossern schreibt: „Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt…. Richtet Euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische?“ Die Auferstehung Jesu eröffnet eine Perspektive, die unserem Leben einen tieferen Sinn gibt, sie betrifft aber nicht nur das Leben nach dem Tod. Das wäre ein Irrtum. Sie betrifft auch das Leben jetzt.

Benedikt XVI. erzählt in einem Vortrag die Geschichte derbritischen Ärztin Sheilan Cassidy, die 1975 in Chile inhaftiert und gefoltert wurde, weil sie einen Revolutionär medizinisch behandelt hatte und man von ihr bestimmte Angaben haben wollte. Nach der Folterung wurde sie in eine Zelle gebracht, in der sie eine abgegriffene Bibel vorfand. Sie schlug sie auf und begegnete als erstes einem Bild, auf dem ein Mensch abgebildet war völlig zerschlagen von Blitz, Donner und Hagel, die auf ihn hereinbrechen. Sheilan hat sich sofort mit diesem von Blitz und Hagel Getroffenen identifiziert. So fühlte sie sich. Aber dann schaute sie genauer und entdeckte auf der oberen Bildhälfte eine mächtige Hand, die Hand Gottes, und darunter standen die Worte aus dem Römerbrief: „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi“ (Röm 8, 35). Obwohl sie sich zunächst ganz mit dem ersten Bild identifiziert hatte, begann sie sich allmählich mehr dieser Hand und diesem Schriftwort zuzuwenden. Sie fing an, ihre Situation anders zu betrachten. Auch der Inhalt ihres Betens wurde nach und nach verändert. Zunächst war sie überhaupt innerlich wie tot und konnte nicht beten. Sie fühlte sich zerstört, entehrt und zutiefst verwundet. Als sie dann doch wieder fähig wurde zu beten verwandelte sich die Bitte um Befreiung aus der Not nach und nach in eine innere Bereitschaft: Wenn Du es willst, ich bin bereit. Als sie dann zusammen mit einigen anderen Frauen, die alle andersgläubig waren, in eine Zelle gesperrt wurde, begann sie mit ihnen, Morgenandachten zu gestalten. Sie fanden den Weg zu einer Art innerer Freiheit. Es war für sie alle eine wichtige Erfahrung, die sie mitnahmen, als sie dann tatsächlich frei wurden.

Der Auferstandene zeigt den Weg zum österlichen Menschen, der bei Schwierigkeiten nicht einfach traurig wird oder aggressiv, sondern nach dem tieferen Sinn forscht, aufbricht nach oben und nach innen. Mit Christus, dem Auferstandenen, eröffnet sich nicht nur eine neue Perspektive; er lehrt nicht Böses mit Bösem zu vergelten, nicht Hass zu erwidern sondern zu lieben und daher auch zu vergeben. Außerdem, verbunden mit ihm können auch wir, trotz aller Schwachheit und Sündhaftigkeit, den Sieg erringen, auch wenn uns deswegen die Prüfung, das Kreuz, auch der physische Tod nicht erspart bleiben, wobei der physische Tod nicht das Ende, sondern der eigentliche Anfang sein wird.

Jesus hat den Tod besiegt, weil er die unendlich große Liebe Gottes gebracht und die Sünde überwunden hat: Gerade deshalb ist das Osterfest immer Anlass zu Freude, sogar auch inmitten von Trübsalen und menschlichen Tragödien. In der Ostersequenz heißt es: „Tod und Leben, die kämpften unbegreiflichen Zweikampf, des Lebens Fürst, der starb, herrscht nun lebend.“

Von Johannes hörten wir im Evangelium: „Er sah und glaubte“. Dieser sein Glaube erwacht beim Anblick der im Grab liegenden Leinenbinden und des daneben liegenden Schweißtuches. Das ist von ausschlaggebender Bedeutung, dass dieser Glaube erwacht bzw. lebendig ist. Bei den Jüngern kam er allmählich durch die Begegnung mit ihm, durch das Hören seiner Worte, die Berührung seiner Glieder und Wunden, auch wenn es von einigen der Jünger noch unmittelbar vor der Himmelfahrt Jesu heißt, dass sie abseits standen, weil sie zweifelten. Erst der Empfang des Hl. Geistes hat sie alle verändert.

Und so wurden sie zu Zeugen seines Lebens, seiner Lehre, seiner Auferstehung.

Das muss auch unser großer Wunsch sein. Zunächst: es ist angebracht, dass wir als Christen froh sind. Das ist etwas, was von Papst Franziskus ganz besonders betont wird. Jeder, der Jesus kennt und mit dem Evangelium vertraut ist, sollte jemand sein, der froh ist. Wenn dies manchmal nicht der Fall ist, müssen wir uns fragen, was der Grund ist. Vielleicht sollten wir den Rat des Jakobus befolgen: „Ist einer von Euch bedrückt? Dann soll er beten.“ Es wird angebracht sein, den Auferstandenen zu suchen. Vielleicht sollen wir seine Wunde berühren wie Thomas, ihn empfangen oder die Osterbeichte nachholen, wenn wir sie vergessen haben.

Es ist wichtig, dass wir froh sind, denn auch für jene, die wir an unserer Seite haben, ist das wichtig. Wir sollen wie die Apostel Zeugen seines Lebens, seiner Botschaft und seiner Auferstehung sein. Das ist nicht selten das Wertvollste, das Eltern ihren Kindern mitgeben können: das Zeugnis ihres christlichen Lebens, ihre Zuversicht, ihre Freude, ihre Liebe. Es ist vielleicht auch das Wichtigste, das uns allen aufgetragen ist in Bezug auf die Menschen an unserer Seite.

Möge uns die Fürsprache Mariens beistehen, damit wir österliche Menschen sind und Zeugen dafür, dass er lebt.