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Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Predigt 40 Jahre Monatswallfahrt St. Wolfgang

Liebe Brüder und Schwestern!

Das Fest des hl. Jakobus und die verwendeten Schriftstellen passen recht gut zum Anliegen, für das wir heute besonders beten.

Die 1.Lesung aus der Apostelgeschichte beschreibt die Haltung der Apostel, die zusammen mit den Frauen und der Mutter Jesu und mit seinen Brüdern die Herabkunft des Hl. Geistes erwarten. Von ihnen heißt es: „Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet.“ Das ist auch für die derzeitige Stunde der Kirche (und der Gesellschaft) die angebrachte Haltung. Es ist dringend notwendig, die Herabkunft des Hl. Geistes zu erbitten für die Menschen, die mit dem Problem Abtreibung zu tun haben: für schwangere Frauen und deren Männer und Familien, für die Ärzte, Krankenschwestern, Politiker, Priester, die mutig den Wert des Lebens verkünden, aber auch allen, die es brauchen, beistehen sollen, damit sie sich mit Gott versöhnen.

Auch und für alle, denen Lebensschutz ein Anliegen ist, müssen wir beten, damit eine neue, vitale Bewegung für das Leben entsteht.

In der 2. Lesung vernahmen wir die wunderschönen Worte des hl.Paulus an die Korinther: „Den Schatz der Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi tragen wir Apostel in zerbrechlichen Gefäßen.“ Was ist gemeint? Es ist eine Weiterführung der Aussage, die im Buch Genesis enthalten ist. Dort heißt es, dass Gott den Menschen als Mann und Frau nach seinem Ebenbild erschaffen hat. Jeder Mensch trägt dieses Ebenbild Gottes von Anfang an im Herzen. Freilich: Durch die Sünde ist es oft wie zugedeckt und durch Mangel an Glauben verliert der Mensch oft aus dem Blick, wie groß das Geheimnis des Lebens ist. Und so kommt es, dass das keimende Leben so betrachtet wird, als wäre es irgendein Zellhaufen, den man ruhig entfernen kann, so wie man eine lästige Warze entfernt.

Ein Embryo ist aber nicht bloß irgendein Zellhaufen; bei jeder befruchteten Eizelle müssen/dürfen wir davon ausgehen, dass da ein großes Geheimnis vorliegt, nämlich ein Mensch, mit dem sich ein Vorhaben Gottes verbindet wie der hl. Papst Johannes  Paul  II es gerne ausgedrückt hat.

Durch Christus wird die Sünde überwunden und kommt das Ziel unseres Lebens neu zum Vorschein, durch ihn gelangt das Abbild Gottes zu einem neuen Glanz, es wird uns bewusst, wofür der Mensch da ist: er soll lieben lernen und zu Gott gelangen. Und so wird auch das Leben eines Menschen von seinem Anfang bis zu seinem natürlichen Tod mit großer Ehrfurcht betrachtet.

Wenn wir auf die vergangenen 40 Jahre zurückschauen, müssen wir feststellen, dass sich seit In-Kraft-Treten der Fristenregelung – auch in unserem Land – die Mentalität der Menschen sehr verändert hat. Wir sind bereits so weit gekommen, dass viele es geradezu als Recht ansehen, abtreiben zu können; manche Pressure-Groups fordern ja auch, dass die Abtreibung aus dem Strafrecht herausgenommen und zu einem Recht wird. Und die Krankenkasse soll es bezahlen. Auf Europaebene wurde dieser Vorschlag bereits wiederholt vorgelegt und mit knapper Mehrheit abgelehnt; auch hierzulande versuchen es manche immer wieder.

Wir wissen nicht genau, wie viele Abtreibungen Jahr für Jahr geschehen. Es ist bis jetzt nicht zu erreichen, dass Statistiken vorgelegt und die Motive erforscht werden. Wir wissen aber z.B., dass im Falle eines bloßen Verdachtes auf Vorliegen einer Behinderung in einem sehr hohen Prozentsatz die Schwangerschaft abgebrochen wird, vermutlich in ca. 90%. Es ist traurig, was da passiert.

Tiefe Wunden bleiben zurück. Es geht nicht darum, einfach zum Gesetz zurückzukehren, das vor In-Kraft-Treten der Fristenregelung gegolten hat. Was aber jedenfalls nicht sein kann, dass – wies es jetzt der Fall ist - jeder Hund, jedes Pferd besser geschützt sind als ein Kind, das von seiner Mutter erwartet wird. Vor allem aber geht es darum zu helfen. Überall sollte für jede Frau in Not laut hörbar sein: Wir helfen Dir. Du bist nicht allein mit Deinem Kind. Und wenn es doch dazu gekommen, eine Abtreibung geschehen ist, auch dann sollten alle hören: Auch Dir helfen wir, auch Dir hilft Gott. Er schenkt Vergebung.

Paulus schreibt auch: „Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet. Auch wir glauben, darum reden wir“. Wir können unmöglich schweigen. Es geht um Gott und um den Menschen.

Und noch kurz zum Evangelium.

Auf die Frage Jesu: „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde“, antworten die beiden Zebedäussöhne: „wir können es.“

Was können wir?
Angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen empfinden wir Ohnmacht.

Derzeit scheint kein Wille bei den Verantwortungsträgern der Politik, in Bezug auf die Fristenregelung eine Gesetzesänderung vorzunehmen. Viele Frauen stehen unter Druck. Wenn der Arzt mitteilt: Dieses Kind ist behindert und auch gleich zur Abtreibung rät, dann ist das nicht einfach.

Was können wir tun? Ich denke: wir sollten gut auf die Antwort Jesu hören: Er spricht von Dienstbereitschaft, davon, dass er gekommen sei, „um sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“.

Unser Ziel ist nicht Applaus. Unser Ziel muss sein, mit großer Liebe das Anliegen des Lebensschutzes wahrzunehmen und mitzutun, wo immer es möglich ist. Alle sind wir gefragt.

Bitten wir den hl. Jakobus um seine Fürsprache, damit wir in unserer Zeit fest und stark sind, und bitten wir Maria um ihre Hilfe, damit uns nie die Liebe fehlt.