Entzündung der 2. Kerze am Adventkranz
Krippenschau im Diözesanmuseum
Winterwald
 
 

Predigt Chrisammesse 2015

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst,
liebe Diakone,
liebe Firmlinge,
liebe Brüder und Schwestern!

Die Chrisammesse ist im Leben der Diözese alljährlich eine besonders schöne liturgische Feier, die aufbauend wirkt. Das hat seinen Grund. Durch die Weihe der heiligen Öle wird die enge Verbundenheit des priesterlichen Wirkens mit dem Erlösungswerk Christi verdeutlicht und durch die Erneuerung der Bereitschaftserklärung zum priesterlichen Dienst bringen die Priester ihren Willen zur Einheit mit dem Bischof zum Ausdruck, eine Einheit, die letztlich eine Einheit in Christus ist. Beides ist Grundlage einer Zuversicht, die Bestand hat trotz mancher Sorgen, die wir haben.

Es freut mich, dass auch dieses Jahr Firmlinge und Ministranten in diesem Gottesdienst anwesend sind und mit ihnen auch einige Eltern und Mitarbeitern aus den Pfarren. Das erweitert unseren Blick. Es macht uns bewusst, dass die Priester, der Bischof mit ihren Aufgaben nicht allein sind, denn wir dürfen hoffen, dass Christus auch in unserer Zeit in den Herzen vieler Menschen Zugang findet und durch sie sein Licht und seine Gnade zu vielen anderen gelangen.

Es ist nicht zu übersehen, dass große Veränderungen in Gesellschaft und Kirche im Gang sind, ja wahrscheinlich in noch größerem Maße auf uns zukommen. Es ist verständlich, dass dies vielen Gläubigen und in der einen oder anderen Weise wahrscheinlich uns allen Angst macht, weil wir uns fragen, wie das wohl gehen wird.

Wichtig scheint mir zu bedenken: Je schwieriger die seelsorglichen Gegebenheiten sind, desto wichtiger ist es, dass unsere Bemühungen auf Christus und sein Erlösungswerk bauen und, dass wir untereinander möglichst fest – in Christus – verbunden und eins sind, weil von Christus her die Kraft kommt.

Gerade in diesem Zusammenhang sind die konkreten Inhalte der Bereitschaftserklärungen zum priesterlichen Dienst wie sie von alters her in der Chrisammesse vorgesehen sind, zukunftsfähige Leitbilder, die auch in sich wandelnden Verhältnissen sich als sichere Wege zu Fruchtbarkeit und Freude erweisen.

Die erste Bereitschaftserklärung bezieht sich ganz allgemein auf die Zusammenarbeit mit dem Bischof in der Leitung, unter der Führung des Heiligen Geistes: Das ist ohne Zweifel etwas ganz Zentrales: Vertrauen haben in die Führung des Heiligen Geistes. Das Vertrauen, dass der Heilige Geist Papst Franziskus, der Kirche, unserer Diözese jetzt und auch in Zukunft beisteht; dass wir getrost in die Zukunft blicken dürfen. Durch alle Wirren der Zeit und trotz aller Schwächen der Menschen hat die Kirche der Heilige Geist bis hierher geführt. Er wird sie auch weiterführen. Wir sollten eine richtige Beraka anstimmen. Sie beginnt immer mit einem Lobpreis, den wir im Antwortpsalm in der heutigen Messe entnehmen können. Der Kehrvers lautet: „Von den Taten deiner Huld, o Herr, will ich ewig singen.“ Und wir sollten uns die Verheißungen Jesu in Erinnerung rufen: Er lässt die Seinen nicht im Stich. Wichtig ist jedenfalls Einheit in der Leitung, unter der Führung des Heiligen Geistes.

Die zweite Bereitschaftserklärung bezieht sich auf die Feier der Mysterien Christi. Das wird immer grundlegend sein, dass die Mysterien Christi „in gläubiger Ehrfurcht zum Lobe Gottes und zum Heil seines Volkes“ gefeiert werden. Und ich bin davon überzeugt: Dort, wo dies geschieht, werden sich die Gläubigen versammeln. Ich weiß, wie schwierig diese Frage in den konkreten Gegebenheiten einer Pfarre sein kann, und bin der Erste, der versucht, allen die Möglichkeit zu bieten, regelmäßig an einer Eucharistiefeier teilnehmen zu können. Die Lösungen werden sich finden, wenn alle um eine Lösung bemüht sind, auch wenn dies – seitens aller – Opfer kosten wird. Wir müssen uns zu solchen Lösungen aufraffen und zu ihnen ermutigen.

Die dritte Bereitschaftserklärung bezieht sich auf den Dienst am Wort Gottes im Bewusstsein der priesterlichen Verantwortung bei der Verkündigung der frohen Botschaft und der Auslegung des katholischen Glaubens. Es ist ohne Zweifel eine große Herausforderung, den Menschen von heute, Jung und Alt, Nah- und Fernstehenden den Glauben, und zwar unverkürzt, zu vermitteln. Es erfordert ein großes Herz, viel Liebe, auch Mut und Unverzagtheit. Unumgänglich ist eine Neuordnung der Katechese in der Sakramentenpastoral, die wir nach und nach vollziehen müssen, so, dass sie den heutigen Gegebenheiten besser entspricht. Unbedingt nötig ist die Befähigung der christlichen Eltern und der pfarrlichen Mitarbeiter, damit sie ihre Aufgabe bei der Weitergabe des Glaubens in kompetenter Weise wahrnehmen und zu einem guten Teil die Arbeit tragen können. Es freut mich, dass Firmlinge unter uns sind. Wir hoffen sehr, dass ihr zu richtigen Zeugen Christi und seiner Auferstehung werdet und mithelft, viele eurer jetzigen und zukünftigen Bekannten und Freunde Gott näher zu bringen. Die Aufgabe einer zeitgemäßen Verkündigung setzt auch voraus, dass wir, liebe Mitbrüder im Priester- und im Diakonenamt auch selbst immer wieder von neuem, das Verlangen haben, in die Bedeutung der Heiligen Schrift und in die Mysterien des Glaubens noch tiefer einzudringen, um sie besser zu erklären. Gerade diesbezüglich ist Papst Franziskus ein wirklich großartiges Vorbild. Man spürt an seinen täglichen Predigten, dass er jeden Tag Gottes Wort betrachtet. So die Verkündigung zu leben, ist sicher anstrengend, aber auch bereichernd. Es lohnt sich. Gerade so – und nur so – kommt es bei diesem und jenem zu Nachfolge Christi, entstehen christliche Familien und geistliche Berufe.

Die vierte Bereitschaftserklärung bezieht sich auf die Betreuung der Armen, Kranken, Heimatlosen und Notleidenden. Ihnen darf unsere Hilfe nicht fehlen. Dabei scheint mir wichtig, sich bewusst zu machen, dass in der Wohlstandsgesellschaft, in der wir leben, oft die geistige Not die häufigste ist, der wir uns widmen müssen. Es ist sehr wichtig, dass jeder von uns die Dinge so ordnet, dass wir für seelsorgliche Gespräche Zeit haben, dass die Rat und Hilfe Suchenden uns auch finden können, erreichbar sind. Das ist wichtig, wichtiger als vieles andere. Und Zeit für Kranke und Sterbende werden wir uns immer nehmen. Sie haben eindeutig Vorrang. All das muss möglich sein, auch dann, wenn ein großer Pfarrverband zu betreuen ist.

Und die Bereitschaftserklärung, die am Ende steht, ist vielleicht überhaupt die wichtigste. Sie lautet: „Seid ihr bereit, euch mit Christus, unserem Hohenpriester, täglich enger zu verbinden und mit ihm Opfergabe zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen zu werden?“ Es scheint die Quadratur des Kreises: Sich Zeit nehmen bei der vielen Arbeit? Ja, unbedingt. Darin liegt das Geheimnis, wie ein Priester, ein Bischof auch in den heutigen, wohl auch zukünftigen Verhältnissen aus einer Quelle schöpft, die immer wieder Kraft gibt, nicht verzagen lässt, wie der innere Friede bewahrt und auch die Freude an der Arbeit sich immer wieder einfindet. Auch der regelmäßige Empfang des Bußsakramentes ist unbedingt nötig, sonst geht uns die Luft aus, auch die erforderliche Erholung brauchen wir. Wenn wir wahrnehmen, dass unser Gebet, die geistige Lesung oder gar die Feier der Eucharistie zu kurz kommen, ist eine Neuordnung unserer Arbeit unabdingbar.

Und helfen wir einander. Ich hätte so gerne, dass benachbarte Mitbrüder wenigstens einmal pro Woche miteinander essen, auf jeden Fall sich in allem gut absprechen und einander verständigen, wenn einer in Not ist.

So wünsche ich Euch von Herzen Gottes Segen, viel Zuversicht. Möge Maria durch ihre Fürsprache uns alle beschützen.