Nacht der 1000 Lichter
Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Predigt Christtag 2015

Liebe Brüder und Schwestern!

Im Tagesgebet des Hochfestes der Geburt des Herrn ist eine sehr wichtige Bitte ausgedrückt: „Lass uns teilhaben an der Gottheit deines Sohnes, der unsere Menschennatur angenommen hat.“

Beim ersten Hinhören klingt das vielleicht irreal, und Oberflächlichkeit schiebt das, was da ausgedrückt wird, rasch beiseite, so als wäre es etwas, das uns sicher nicht betrifft. Es gehört aber zur zentralen Botschaft des Weihnachtsfestes.

In der ersten Weihnachtspräfation heißt es: „Denn fleischgeworden ist das Wort, und in diesem Geheimnis erstrahlt dem Auge unseres Geistes das neue Licht deiner Herrlichkeit. In der sichtbaren Gestalt des Erlösers lässt er uns den unsichtbaren Gott erkennen, um in uns Liebe zu entflammen zu dem, den kein Auge geschaut hat.“

Mit anderen Worten: Der unsichtbare Gott wird in Jesus gewissermaßen sichtbar. Durch Jesus können wir den an sich für uns unbegreiflichen Gott verstehen, weil Jesus in Menschenart zu uns spricht, in Jesus können wir den unfassbaren Gott berühren, weil Jesus Mensch ist wie wir und doch zugleich Gott; wir können ihn erkennen wie Thomas, der – nachdem er seine Wundmale betastet und die Hand in seine Seite gelegt hat – ausruft: „Mein Herr und mein Gott“.

Weihnachten  betrifft die zentralen Fragen unseres Lebens und ist wichtig für unser Selbstverständnis. Damit im Zusammenhang liegt ein Grundproblem vieler Menschen.

Viele leben so, als gäbe es keinen Gott. Benedikt XVI. hat das sehr häufig artikuliert; wir finden dieses Grundproblem vieler Menschen in den Aussagen des II. Vatikanischen Konzils dargelegt, auch Papst Paul VI. hat häufig davon gesprochen: Die Dynamik in der Wettbewerbs- und Konsumgesellschaft sowie die moderne Lebensweise mit den geradezu unglaublichen Möglichkeiten der Kommunikation und der Mobilität  verführen dazu.

Mich hat die Schilderung einer Frau beeindruckt, die selbst, genauso wie ihr Mann, aus einer religiösen Familie stammt, aber dann im Zusammenhang mit der Berufstätigkeit und dadurch bedingten Stresssituationen allmählich von Gott weggekommen ist. Es begann damit, dass sie den Gottesdienst am Sonntag nicht mehr regelmäßig besuchten, weil sie sehr müde waren. Nach einiger Zeit hörten sie dann ganz auf, gerieten in esoterische Kreise, suchten Kraft in allem Möglichen, sie verließen die Kirche –wozu Kirchenbeitrag zahlen, sagten sie sich, bis sie dann nach einigen Jahren in eine große Krise gerieten und das Glück hatten, durch die Begegnung mit einem Priester, die Teilnahme an Exerzitien und einen länger dauernden Umkehrprozess zu Gott und zur Kirche zurückzufinden.

Ähnliches geschieht häufig in vielen Varianten: Manche geraten in Abhängigkeiten, in Probleme mit Alkohol, Medikamentenmissbrauch, Drogen. Pornographiekonsum kann zu einer regelrechten Sucht werden. Auch ein an sich  harmloses Hobby kann, wenn es total übertrieben verfolgt wird, zu etwas werden, das die gesunden Relationen im Leben eines Menschen verzerrt. . Wieder andere geraten in eine innere Bedrücktheit bzw. Leere, die sehr bedrängend und schmerzhaft werden kann.

Weihnachten öffnet unseren Blick der Dimension Gottes, zugleich schenkt es uns das Heilmittel.

Es gibt noch eine andere Präfation, die in der Weihnachtszeit verwendet wird. In ihr heißt es: „Er, der unsichtbare Gott, ist sichtbar als Mensch erschienen… In ihm ist alles neu geschaffen. Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung, er richtet auf, was darnieder liegt, und ruft den verlorenen Menschen ins Reich deines Friedens.“

Die Weihnachtsbotschaft lautet. dass Gott durch Christus zu uns kommt. Christus ist die Tür, die zu Gott führt.

Papst Franziskus wollte, dass im außerordentlichen Heiligen Jahr, das er in Erinnerung an das vor 50 Jahren zu Ende gegangene II. Vatikanische Konzil ausgerufen hat, nicht nur in Rom die sogenannte Heilige Pforte geöffnet wird, wie das immer in Heiligen Jahren üblich ist. In allen Kathedral- und Jubiläumskirchen der ganzen Welt sollte eine solche „Pforte der Barmherzigkeit“ geöffnet werden. Bei uns geschah dies am 3. Adventsonntag. Papst Franziskus möchte, dass viele durch diese Pforte der Barmherzigkeit eintreten, weil sie ein Symbol für Christus ist, der gesagt hat: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden“ (Joh 10,9). Das passt nicht nur irgendwie zur Weihnachtsbotschaft, sondern ist eng mit ihr verbunden, konkretisiert sie. Die Menschheit Jesu ist die Tür zu seiner Gottheit. Und durch die Erlösung, die er bewirkt hat, können wir, trotz unserer Schwachheit, ja Sündhaftigkeit eintreten durch die Tür und zum Vater gelangen.

Es gibt noch eine  dritte Weihnachtspräfation. In ihr stoßen wir auf einen  geheimnisvollen Vorgang, der durch die Begegnung und Vereinigung mit Christus einsetzt. Dort heißt es: „Durch ihn“ – gemeint ist Christus – „schaffst du den Menschen neu und schenkst ihm ewige Ehre. Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen: dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch, und wir sterbliche Menschen empfangen in Christus dein göttliches Leben. Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel…“

Freilich, wir müssen mittun. Wir sind als freie Menschen erschaffen und auch nach der Menschwerdung des Gottessohnes bleiben wir frei, hängt es von uns ab, ob wir ihn aufnehmen oder ignorieren.

Papst Franziskus empfiehlt, in diesem außerordentlichen Heiligen Jahr oft durch die Heilige Pforte einzutreten, im Gebet innezuhalten; in der Weihnachtszeit betrachten wir besonders das Kind, das in der Krippe liegt. Wir hören aber auch, was die Schrift über dieses Kind sagt, und was Er selbst uns sagt. Papst Franziskus empfiehlt weiter, in diesem Hl Jahr auch des Öfteren mit dem Verlangen nach Vergebung aller Sünden, nach Besserung des Lebens das Bußsakrament und die heilige Kommunion zu empfangen. Das Ziel ist, dass Christus in uns Wohnung nimmt, dass wir unser Leben an ihm ausrichten, der Umwandlungsprozess einsetzt und sich weiterentwickelt und dass wir so auf den guten Weg gelangen, der uns zum Ewigen Leben mit Gott führt.

„Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.“ Trotz aller Wolken am Himmel, trotz eines nicht enden wollenden Flüchtlingsstroms, trotz Klimawandel und einem fortschreitenden Säkularisierungsprozess, der auch viele „Gläubige“ erfasst, trotz unserer persönlichen Schwächen, ja, Sünden, trotz aller Probleme, die es geben mag,  haben wir allen Grund zu Zuversicht.  Der Hunger nach Gott lässt sich nicht ausrotten. Er hat die Welt besiegt. Christus, der Retter, ist da.

Bitten wir die Gottesmutter Maria, sie möge uns mit ihrer Fürsprache beistehen. Sie sichert den Weg ab, sie führt oft von neuem auf den Weg und hilft uns, die Türe zu finden, die zu Gottes Barmherzigkeit führt.