Sommerkampagne 2016
Sommerkampagne 2016
 
 

Predigt Festmesse zum Abschluss der Exerzitien "Jesus & ich", Maria Taferl

Liebe Brüder und Schwestern!

Es ist eine geheimnisvolle Herrschaft, die uns am Ende des Kirchenjahres von der Liturgie der Kirche präsentiert wird:

Der Kehrvers des Antwortpsalmes lautete: „Der Herr ist König, mit Hoheit bekleidet“, im Tagesgebet hieß es, er sei „das Haupt der neuen Schöpfung“ und nach den Worten der geh. Offenbarung ist er “der treue Zeuge, der Erstgeborene der Toten, der Herrscher über die Könige der Erde“. Dann kommt vielleicht etwas überraschend: „Er liebt uns und hat uns von unseren Sünden erlöst durch sein Blut.“ Danach folgt die Aussage, dass er uns „zu Königen gemacht (hat) und zu Priestern vor Gott, seinem Vater“. Gemeint sind damit offensichtlich nicht nur Priester im Sinne des Amtspriestertums, sondern alle Getauften und Gefirmten: Männer und Frauen, Junge und Ältere. Alle sind wir angefragt.

Zugleich wurde uns das Evangelium mit Jesus vor Pilatus verkündet. Pilatus fragt ihn: „Bist du der König der Juden?“ und Jesus bejaht, er sagt, er sei dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Und er fügt hinzu: „Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“

Zuvor hat er betont, dass sein Königtum nicht von dieser Welt sei. Es ist ein großes Geheimnis. Dieses Königtum ist unsichtbar und wird doch sichtbar. Es wird bekämpft, scheint manchmal innerlich ins Wanken zu geraten, ist aber dennoch in alle Ewigkeit wirksam.

Er selbst wurde getötet, aber er ist auferstanden. Alle seine Apostel haben das Martyrium erlitten, das Christentum aber hat sich verbreitet. Die Verfolgungen wurden heftiger, aber beim Gipfeltreffen im Jahre 308, gar nicht weit von hier, in Carnuntum, stellten die Regenten des römischen Reiches unter dem Vorsitz des damals bereits abgedankten Kaisers Diokletian fest, dass es mit Gewalt nicht möglich sei, das Christentum auszurotten. Das war der Grund warum sehr bald Frieden möglich wurde, 311 wurde im Osten ein Toleranzedikt für die Christen erlassen und durch Konstantin den Großen folgte 313 ein Toleranzedikt von Mailand für das gesamte römische Reich. Trotzdem gab es im Laufe der Jahrhunderte immer in manchen Teilen der Welt Verfolgungen, besonders viele im 20. Jahrhundert, wir erleben sie auch heute. Dennoch: Sein Reich geht niemals unter.

Ein anderes Problem: Von Anfang an hat es innere Krisen gegeben: Glaubensabfall, Irrtümer aller Art, Verweltlichung, sittlicher Niedergang, Spaltung und Missbrauch. Aber auch diesbezüglich geschah und geschieht immer wieder dasselbe: Einzelne Personen leben den Glauben, sie sammeln sich, Personen mit Führungsqualität treten auf und eine Blüte wird möglich. Die Frage ist, ob Menschen da sind, die auf seine Stimme hören.

Derzeit befinden wir uns wieder einmal in einer eher schwierigen Phase: Nicht nur wegen der schrecklichen Vorfälle gerade auch gegen Christen in mehreren Ländern, sondern weil bei uns das Glaubensleben schwach ist. Das ist der Kummer vieler Eltern und Großeltern, dass ihre Kinder und Enkel oft den Zugang zur Kirche nicht finden bzw. ihn verloren haben. Andererseits ist oft das eigentliche Problem der Kinder und Jugendlichen, dass bei ihnen zuhause der Glaube nicht gelebt wird. Die Anzahl der Gottesdienstbesucher geht zurück.

Dennoch sind wir viele. Wir haben uns heute versammelt, weil wir davon überzeugt sind, dass wahr ist, was der Prophet angekündigt hat: „Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft“ und wir sind bereit, persönlich und gemeinsam Jesus zu sagen: „Herr Jesus, ich bitte dich: Sei du der König meines Lebens!“

Papst Franziskus mahnt zum Aufbruch. Das war von Anfang an sein Anliegen. Das ist sein Wunsch in Bezug auf die vor kurzem zu Ende gegangene Bischofssynode: Die Familie muss stark werden in Kirche und Gesellschaft und alle, die sich in Not befinden, sollen Begleitung und Hilfe erfahren. Dieser Aufbruch, der nötig ist, ist auch der Grund, warum er am 8. Dezember, im Gedenken an den Abschluss des Konzils vor 50 Jahren, im Petersdom die Pforte der Barmherzigkeit öffnet. Nicht nur Papst Franziskus, Gott möchte, dass wir mittun, mit dem großen Verlangen: Dein Reich komme! Es komme zu uns selbst, damit wir den Frieden im Herzen tragen, und zu den anderen, damit sie den Weg finden, der zum Ziel führt, und nicht verloren gehen!

Das Projekt „Jesus und ich“ ist schon vor längerer Zeit angedacht worden noch bevor bekannt war, dass von Papst Franziskus ein außerordentliches Heiliges Jahr ausgerufen wird. Als es dann plötzlich verlautbart wurde, dachte ich, dass sich „Jesus und ich“ gut fügt als Vorbereitung und Einstimmung, mehr als das. Mit unserer Lebensübergabe bekunden wir geradezu feierlich, dass wir bereit sind mitzumachen. Wir wollen die Barmherzigkeit des Herrn suchen und ihr dienen. Wir wollen Mitstreiter des Herrn sein. Und wie können wir das? Papst Franziskus betont häufig, dass es nicht darum geht, dass wir jetzt alle große Reden halten oder eigenartige Dinge versuchen. Das Wichtigste ist: auf seine Stimme hören, Gott verbunden leben, liebende Menschen werden, unsere alltäglichen Pflichten und Aufgaben wahrhaft christlich wahrnehmen, mit Freude und Frieden im Herzen. Dazu gehört auch: Werke der Barmherzigkeit üben und für die Anderen da sein. Manchmal werden wir ihnen schon auch ein Wörtchen sagen müssen: „Komm mit“. Wir müssen ihnen erzählen, wie gut es tut, in seinem Haus zu sein; wie sehr sein heilendes Wort eine Hilfe darstellt. Es wird im Heiligen Jahr, das am 8. Dezember beginnt, Abende der Barmherzigkeit geben. Wir sollten andere dazu mitnehmen oder mit ihnen zusammen eine der Jubiläumskirchen aufsuchen, um durch die Pforte der Barmherzigkeit zu schreiten und die Güte des Herrn zu erfahren.

Seien wir voll Vertrauen! Sein Reich geht niemals unter. Allen, die sich beteiligen, wünsche ich Gottes Segen: Möge es Euch selbst zugutekommen und vielen anderen. Möge sich die Liebe des Herrn in Eurem Leben ausbreiten und ausstrahlen. Die Fürsprache Mariens wird uns beistehen.