Erntekrone
Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Predigt Heilige Nacht 2015

Liebe Brüder und Schwestern!

Weihnachten besitzt eine geheimnisvolle Kraft, die anzieht. In der Heiligen Nacht füllen sich alljährlich die Gotteshäuser überall im Land, auch dort, wo sie an gewöhnlichen Sonntagen nicht sehr voll sind. Es mag teilweise an etwas liegen, das wir von klein auf mitbekommen haben. Es ist der Glanz der Lichter, die Schönheit miteinander verbrachter Stunden, die Erfahrung der Zuwendung, auch die Freude an Geschenken.

Wahr ist auch, dass gerade Weihnachten sehr kritisch sein kann, wenn jemand allein ist, von der Familie getrennt, sich einsam fühlt. Manche haben sogar Angst vor Weihnachten. Ein anderes Problem sind der Unfriede in der Welt, die vielen Menschen, die in Not sind, die Flüchtlinge vor unserer Haustüre (und nicht nur vor der Haustüre. In der der Diözese St. Pölten werden von kirchlicher Seite derzeit ca. 1500 betreut).

Papst Franziskus hat am Sonntag Gaudete gesagt, wir sollen uns die Freude an der Geburt des Herrn nicht nehmen lassen, auch wenn es viel Leid in der Welt gibt und uns auch in der Kirche viele Sorgen bedrücken.

Was ist das Wesentliche der Weihnacht?  Wir können nie genügend oft darüber nachdenken.

Alljährlich hören wir in der Weihnacht die Worte des Propheten: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter“. Viele spüren, dass von diesem Kind Hoffnung ausgeht. Von Petrus Claver stammt das Wort: „Ein Kind rührt immer zuerst das Herz an, nicht den Verstand. Genauso ist es auch bei Gott.“ Das geschieht gerade auch in der Weihnacht. Wir betrachten das Kind, das in Windeln gewickelt in der Krippe liegt. Die große Frage ist aber, ob unser innerer Blick weiterreicht, ob unser Glaube wach ist. Der Prophet verkündet: „Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Seine Herrschaft ist groß und der Friede hat kein Ende.“ Der Weg zu einem frohen Weihnachtsfest setzt den Glauben voraus: den Glauben an Gott, der seinen Sohn in die Welt gesandt hat, und den Glauben daran, dass Jesus gekommen ist, um uns zu erlösen. Wir hören in der gleichen Heiligen Nacht von Paulus die Botschaft: „Er hat sich für uns hingegeben, um uns von aller Schuld zu erlösen.“

Das ist das große Anliegen von Papst Franziskus, wenn er dieses Jahr der Barmherzigkeit gewollt hat. Es soll uns bewusst machen, dass Gott ein Gott des Erbarmens ist, der angesichts der Situation des Menschen aus sich herausgeht und seinen Sohn sendet, damit wir den Weg zum inneren Frieden finden, den Weg zur inneren Heilung, indem wir durch Christus zurückfinden zu dem, was unsere Heimat ist, eins werden mit dem, der uns erschaffen hat.

Es ist von großer Bedeutung, sich bewusst zu machen, dass die Weihnachtsbotschaft untrennbar mit der Botschaft von der Erlösung verbunden ist. Gerade so und nur so (in diesem Bewusstsein) finden wir den Weg zu einem tieferen Verständnis dessen, was für uns persönlich Weihnachten sein kann, sein soll: nämlich die Gottgeburt in uns oder, etwas vorsichtiger gesagt, die Möglichkeit dazu.

Bedenken wir: Wenn jemand die Taufe empfängt, wird er gewissermaßen in das Leiden und Sterben des Herrn eingetaucht, somit wird die Sünde überwunden und es kommt zu einer Art Auferstehung, zur Auferstehung eines Lebens verbunden mit Gott. Gleichzeitig entsteht eine dauerhafte Bindung an Christus. Wenn  der Getaufte nicht entsprechend lebt und sündigt, verblasst das Licht, es kann sogar verlöschen, wenn die Sünde, die begangen wurde, schwer ist. Eine gewisse Bindung an Christus verbleibt aber  trotzdem auf Grund der Taufe. Dann ist der Empfang des Bußsakramentes wichtig. Das Licht beginnt dann von neuem zu leuchten. Daher die Betonung der Bedeutung des Empfanges des Bußsakramentes im Jahr der Barmherzigkeit. So kann man im eigenen Leben Weihnachten und Ostern erfahren. Gott kommt zur Welt.

Mich freut es jedes Jahr, wenn mir Klöster mit Hostienbäckereien als Weihnachtsgruß Hostien mit der Abbildung des Jesuskindes senden. Es ist ein liebevoller Hinweis: Ihn, den gleichen Christus, der in der Weihnacht zur Welt gekommen ist und der uns durch sein Leiden am Kreuz und seine Auferstehung erlöst hat, empfangen wir in der hl. Kommunion. Wenn wir bereit sind, entsprechend zu leben, dann  entsteht  Freude aus der Tiefe, von Christus her, Friede breitet sich aus, Liebe erwacht, auch Mut. Denn „wenn Gott mit uns ist, wer ist dann gegen uns“. Wenn Er uns begleitet, dürfen wir wirklich hören: „Fürchtet euch nicht.“ Zugleich führt es dazu, dass wir uns den andern zuwenden mit Liebe. Wie könnte es anders sein, wenn wir in dieser Hl. Nacht erfahren, dass der große Gott klein wird und zu uns kommt, um uns seine Liebe zu schenken. So bringt Weihnachten Licht in unser Leben, Wärme in unsere Häuser. Auch für Flüchtlinge kann es hell und warm werden, denn Jesus wird uns keine Ruhe lassen, bis wir uns jenen zuwenden, die in Not sind.

Johannes vom Kreuz hat dieses uns ganz persönlich betreffende Weihnachtsgeheimnis in einer ganz besonders schönen Weise beschrieben. Er spricht von der Seele, die Gott sucht und entdeckt, dass Gott ganz nahe ist. Er schreibt: „Oh schönstes aller Geschöpfe, Seele, die du dich so sehr danach sehnst, den Ort zu erfahren, wo dein Geliebter (Gott) weilt, um ihn zu suchen und dich mit ihm zu vereinen, dir wird nun gesagt, dass du selbst die Herberge bist, in der er wohnt, und der geheime Ort, an dem er sich verbirgt. Er, dein einziges Gut und deine einzige Hoffnung, dir so nah, dass er in dir ist oder, besser gesagt, dass du nicht ohne ihn sein kannst“ („das Lied der Liebe“). Es ist ein großer Trost, der viel Mühe, auch Leid gutmacht; es ist eine Quelle, die Kraft gibt; eine Liebe weckt; etwas, das verwandelt.

So wünsche ich Ihnen allen eine wirklich frohe Weihnacht, mit dem Erleben der Geburt Jesu, auch mit der Entdeckung, wie Er in uns zur Welt kommt. Mögen uns allen Maria und Josef beistehen: Sie sind die besten Lehrmeister und zugleich verlässliche Fürsprecher.