Nacht der 1000 Lichter
Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Predigt Priester- und Diakonenweihe

Lieber Bischof Joseph Francis,
lieber Weihbischof Anton,
liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst,
liebe Jubilare,
liebe Weihekandidaten und
liebe Angehörige der Weihekandidaten,
liebe Brüder und Schwestern!

Dieser Diakonen- und Priesterweihe möchte ich voranstellen, was der hl. Paulus am Ende seiner Laufbahn als seine Erfahrung dem Timotheus mitteilt. Er schreibt ihm: „Der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft“. Dieses Wort des hl. Paulus solltet Ihr, liebe Weihekandidaten, und alle, die wir dabei sind, gegenwärtig haben. So werden wir diese hl. Feier voll Zuversicht begehen.

Heute werden Dreien die Hände aufgelegt; einem, damit er als Diakon am Verkündigungs- und am Heiligungsdienst mitwirkt und in dem ihm zugewiesenen Wirkungsfeld den Werken der Nächstenliebe vorsteht, um so durch die Ausübung dieses Dienstes in die letzte Phase seiner Vorbereitung auf die Priesterweihe einzutreten. Den beiden anderen werden die Hände aufgelegt, damit sie Priester werden, den Glauben mutig verkünden, wirksam die Worte sprechen: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“ und „Das ist mein Blut, das für euch vergossen wird“. Sie empfangen zugleich die Vollmacht, im Namen Jesu von Sünden loszusprechen und auch in anderen Zusammenhängen in seinem Namen tätig zu werden.

Es ist eine große Herausforderung, die auf sie zukommt. Das anfangs zitierte Pauluswort hat ja einen Nachsatz. Paulus schrieb: „Der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Heiden sie hören“ und etwas dramatisch heißt es dann noch: „…und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen.“

Die Herausforderungen an einen Priester, der seine Pflicht erfüllt, sind groß. Das gilt auch für einen Diakon. Es gibt in allen Pfarren Christen, die um eine christliche Lebensweise redlich bemüht sind, es sind aber bedeutend mehr, bei denen das Licht des Glaubens blass geworden, teilweise ganz erloschen ist. Bei nicht wenigen wurde es möglicherweise nie wirklich entzündet. Da ist die Aufgabe, Diakon oder Priester zu sein, nicht einfach. Allem anderen voran ist ein tiefer Glaube nötig im Sinne des hl. Petrus, der auf die Frage Jesu hin ausruft: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Es braucht einen tiefen Glauben und eine große Liebe, eine Liebe, die zur Aufrichtigkeit führt, sodass dieser Glaube in seiner Fülle und Konkretheit dargelegt wird. Auch die Gebote Gottes müssen erklärt werden und es ist erforderlich, darauf zu achten, dass jene, die die Sakramente empfangen, wissen, was sie empfangen, und auch wissen, welches die nötigen Voraussetzungen für einen fruchtbaren Empfang sind. Da ist viel Geduld erforderlich, auch viel Verständnis, da braucht es ein weites Herz ähnlich dem Herzen Jesu des Guten Hirten, fähig zu großer Güte, aber auch zu einer Stärke, die nicht nachgibt, wo man nicht nachgeben darf. Da sind nicht immer Spannungen vermeidbar – bei Jesus gab es viele und große –, aber es lohnt sich: Oft kommt es nur so zur Umkehr, ohne die es keine Hilfe und keine Heilung gibt. Nur so kann Freude erwachen und Frieden im Inneren einziehen. Und der Priester gewinnt, wenn er in dieser Art, im Sinne Jesu, tätig ist, Gefährten und Mitarbeiter, die kostbar sind, weil auch sie Jesus im Herzen tragen, weil sich auch bei ihnen ein Feuer entzündet, ein Feuer, das sich ausbreiten wird.

In der aktuellen Situation sind gerade auch für einen Priester, einen Diakon Prioritäten sehr wichtig: Deshalb möchte ich Euch, liebe Weihekandidaten, sehr ans Herz legen: Pflegt Euer Gebetsleben und den persönlichen, regelmäßigen Empfang der Sakramente. Ohne das geht es nicht. Papst Franziskus gibt uns da ein großartiges Beispiel. Es ist ja hinreichend bekannt, dass er sich jeden Tag schon sehr früh am Morgen Zeit für das Gebet nimmt, auch nochmals am späteren Nachmittag. Auch bei Johannes Paul II. war das beeindruckend, wie er sich für Gebet und die ruhige Feier der hl. Messe jeden Tag Zeit nahm. Bei allen, die in einer seelsorglichen Arbeit nachhaltig fruchtbar sind, stoßen wir in vielen Varianten und Modalitäten auf die gleichen wesentlichen Quellen, aus denen sie schöpfen.

Und eine 2. dringende Empfehlung lautet: Sorgt euch um eure zukünftigen Mitarbeiter und Streitgefährten: Ihr braucht Menschen, die innerlich lebendig sind. Es ist etwas Faszinierendes, den Weg zu den Herzen der Menschen zu suchen und zusammen mit ihnen aufzubrechen zu einer neuen Art der Wirksamkeit der Kirche wie es heute nötig ist: Es braucht eine missionarische Kirche. Die geeigneten Strukturen werden sich finden, immer aber wird es notwendig sein, darauf zu achten, dass wirklich Christus selbst die Mitte ist, mit seinem Wort und mit seinem Brot, mit dem Evangelium und den Sakramenten. Nur so kann die Arbeit fruchtbar sein. Die Eucharistiefeier und die Sakramente sind dabei unersetzlich wie der Priester selbst.

Wenn Ihr heute die Weihe empfängt, wünsche ich Euch, liebe Mitbrüder, aber auch Euren Verwandten und Freunden eine große Freude im Herzen. In einer klassischen Predigt für zukünftige Diakone und Priester bin ich auf die Worte gestoßen: „Lasst euch nicht abbringen von der Hoffnung; denn sie ist uns verbürgt durch das Evangelium“. Das ist ein Satz, den man sich merken sollte.

Ich möchte noch etwas hinzufügen: Wir haben ja unsere Priesterjubilare unter uns. Sie alle haben ihr ganzes Leben in den Dienst der Kirche gestellt und fruchtbare Arbeit geleistet. Wir danken Gott mit ihnen gemeinsam und freuen uns mit ihnen. Zugleich macht uns ihre Anwesenheit bewusst, dass die früheren Weihejahrgänge etwas größer waren. Unter den anwesenden Priester sind auch Priester aus anderen Ländern, es sind aber keine Flüchtlinge, sondern Priester, die uns helfen. Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir sie haben. Ich wünsche mir und euch allen, dass wir so viel wie möglich Kontakt untereinander haben und zusammenrücken, alle mit dem Verlangen, dass es gut weitergeht.

Ich freue mich auch, dass so viele Angehörige, Verwandte, Berufskollegen und Freunde unserer Weihekandidaten gekommen sind. Ich bitte alle um Gebet: Die Jubilare, die Priester, die von auswärts kommen genauso wie jene, die aus unserer Diözese stammen, aber auch alle Verwandten und Bekannten der Weihekandidaten und alle Gläubigen, alle bitte ich zu beten, damit in unserer Diözese eine gute Entwicklung immer stärker einsetzt und voranschreitet, christliche Familien heranwachsen und Berufungen kommen. Ich bin davon überzeugt, dass es auch heute in unserem Land viele junge Leute gibt, die alle Voraussetzungen dafür haben, wahrscheinlich fehlt ihnen nur ein wenig Mut und das Wissen, dass es nichts Schöneres gibt, als ein Leben für Gott und die anderen hinzugeben, und dass man dabei sehr glücklich sein kann.

Maria sichert den Weg ab. Bitten wir sie um ihre Fürsprache jetzt und jeden Tag. Auch wir werden die Erfahrung machen, dass sie noch niemanden verlassen hat, der bei ihr Zuflucht nahm.