Entzündung der 2. Kerze am Adventkranz
Krippenschau im Diözesanmuseum
Winterwald
 
 

Predigt Priesterweihe P. Clemens Hainzl OSB

Liebe Brüder und Schwestern!

Die liturgischen Texte des Pfingstmontag beziehen sich auf die Bedeutung und Wirksamkeit des Heiligen Geistes, sie sind aber doch auch für das Verständnis einer Priesterweihe und ihrer Anforderungen nützlich und hilfreich.

Im Tagesgebet war vom Neuen Bund die Rede, in dem Gott aus allen Völkern sein Volk beruft und im Heiligen Geist zusammenführt.

Wir leben in einer Zeit, in der, salopp gesagt, die Karten neu gemischt werden: Es ist eine Zeit des Umbruchs von einer Volkskirche zu einer anderen Art der Kirche, von einer eher statischen Art der Seelsorge zu einer dynamischeren. Dem Priester kommt dabei eine unersetzbare Aufgabe zu. Eine Priesterweihe ist von größter Bedeutung: Für den, der sie empfängt, ist sie prägend für das ganze Leben, sie ist aber auch wichtig für alle, die ihn brauchen.

In der 1. Lesung hörten wir aus der Apostelgeschichte von einem wichtigen historischen Moment in der Urkirche: Auf Grund einer Verfolgung waren die Gläubigen zerstreut worden. Sie zogen umher und verkündeten das Wort. Und so kam es, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte. Als die Apostel davon hörten, schickten sie Petrus und Johannes zu den Neubekehrten. Es war ein apostolischer Auftrag. Sie haben den Neugetauften die Hände aufgelegt und diese empfingen den Heiligen Geist; mit anderen Worten, sie haben ihnen das Sakrament der Firmung gespendet. Auch der Priester darf manchmal das Sakrament der Firmung spenden, z. B. bei einer Erwachsenentaufe. Seine Hauptaufgabe ist aber eine andere: Die Feier der Eucharistie und die Spendung der Sakramente. Er soll ein guter Hirte sein. Als Antwortlied wurde der Psalm vom Guten Hirten verwendet. Er ist für jede Priesterweihe das Leitbild. Dem Weihekandidaten werden vom Bischof und danach von allen anwesenden Priestern die Hände aufgelegt, es wird das feierliche Weihegebet gesungen, damit er ein Guter Hirt wird, ein Priester nach dem Herzen Jesu.

Die 2. Lesung enthält die wunderschönen Worte, die der hl. Paulus an die Epheser gerichtet hat; Es sind Worte, die an sich für jeden Christen wichtig und grundlegend sind. Jeder Christ ist zur Heiligkeit berufen; jeder Christ braucht den Geist der Weisheit und der Offenbarung, damit er Jesus erkennt; damit ihm die Augen des Herzens erleuchtet werden, um die Hoffnung begreifen zu können, zu der wir Christen berufen sind, und um den Reichtum zu entdecken, mit dem wir durch die Gnade Christi beschenkt werden.

Beim Priester ist dies aber nicht nur wichtig für ihn selbst. Die Wirksamkeit seiner sakramentalen Handlungen kommt zwar von Gott, bzw. von Christus, in dessen Namen er tätig ist, aber es hängt dennoch sehr viel davon ab, ob er selbst glaubt, was er verkündet, selbst lebt, wozu er die anderen anhält. Das erleichtert den Gläubigen sehr, hinter seinem Bemühen als Priester Christus zu entdecken. Wenn das dagegen fehlt ist es sehr traurig, wird es für die Gläubigen sogar zur Prüfung. Mir ist es einige Male passiert, dass Gläubige zu mir kamen und in Bezug auf einen Priester sagten: Nach unserem Eindruck glaubt er nicht.

Die Kirche braucht dringend Priester. Es ist aber nicht nur eine Frage der Quantität. Die Kirche braucht vor allem heiligmäßige Priester!

Und das Evangelium unterstreicht das bereits Gesagte und ist für den Priester ebenfalls ganz besonders wichtig: Es braucht Priester, die Zugang zum Geheimnis haben und die vom großen Wunsch erfüllt sind, dass in ihrer Predigt und in ihrem priesterlichen Wirken die Botschaft Jesu, ja, Jesus selbst der Mensch gewordene Gottessohn ganz im Vordergrund steht.

Auf der Grundlage dieser Texte und der Impulse, die diese übermitteln, möchte ich für Dich, lieber P. Clemens, einige Wünsche formulieren:

Ich wünsche Dir, dass Du ein glücklicher Priester wirst und zugleich ein guter Mönch bleibst. Ich bin davon überzeugt, dass das Stift für Dich ein guter Rückhalt ist – alle brauchen wir einen Rückhalt – und dass die Regel des hl. Benedikt Dir helfen wird, immer aus dem Quell zu trinken, der Dir für einen großherzigen Einsatz in der Seelsorge Kraft und Mut gibt.

Ich wünsche Dir, dass Du vom hl. Benedikt lernst, das Gleichgewicht zu halten: „ora et labora“, das Gleichgewicht zwischen Gebet und Arbeit, zwischen Pflege der Beschaulichkeit und der Bereitschaft zur Hingabe an die priesterliche Tätigkeit. Umso vielfältiger die Aufgaben werden, umso wichtiger ist dies.

Ich wünsche Dir, ein großes Herz nach dem Maß des Guten Hirten, das Dich zu einer großen Liebe befähigt, sodass Du freimütig und treu zur Kirche – alles andere ist nicht fruchtbar – die Botschaft des Evangeliums verkündest und zugleich mit viel Verständnis den Menschen begegnest. In diesem Sinne wünsche ich Dir, dass Du ein guter Beichtvater wirst, zu dem man gerne geht und ohne Rückhalt das Herz öffnet, weil volles Vertrauen vorhanden ist.

Ich wünsche Dir, dass Du nicht vergisst: Der Herr selbst steht mir bei und begleitet mich, und wenn etwas schiefgeht, ist nur eines wichtig, ehrlich zu sein, denn bei Ihm gibt es Vergebung und Heilung, die der Priester, ebenso der Bischof genauso brauchen wie alle. Helfe anderen und lasse Dir selber helfen.

Ich wünsche Dir, dass Du zum Segen Deiner Eltern und Deiner Verwandtschaft wirst. Deinen Eltern verdankst Du den Großteil Deiner Berufung. Sei dankbar. Liebe sie und lass Dich auch weiterhin von ihnen lieben. Du gehörst zum Stift, du gehörst Gott, aber sie sind Deine Eltern.

Und schließlich wünsche ich Dir, dass Du nicht auf Maria vergisst, sie sichert den Weg ab.