Erntekrone
Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Predigt Requiem Prälat Josef Eichichnger

Lieber Weihbischof Anton,
lieber Herr Generalvikar,
liebe Mitglieder des Domkapitels,
liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst.
Werter Herr Landeshauptmann,
lieber Herr Bürgermeister,
Vertreter des Pressehauses und der Medien,
liebe Angehörige,
liebe Brüder und Schwestern!

Prälat Josef Eichinger hat sein Ziel erreicht. Die Worte aus dem Danklied des Hiskija aus dem Buch des Propheten Jesaja passen gut zu ihm: „Wie ein Weber hast Du mein Leben zu Ende gewoben, du schneidest mich ab wie ein fertig gewobenes Tuch.“ Prälat Josef wurde ein langes Leben geschenkt; bis ins hohe Alter war er immer gut beisammen, noch bis vor einem Jahr ist er regelmäßig mit seinem Fahrrad gefahren, war bis zuletzt geistig frisch und ist nach einem kurzen, schweren Leiden heimgegangen. Die letzten Wochen waren für ihn sehr hart. Da sind auch die Worte Hiskijas anwendbar: „Vom Anbruch des Tages bis in die Nacht gibst du mich völlig preis“. Aber er ist niemandem zur Last gefallen, wie es sein großer Wunsch war.

In den letzten vierzig, fünfzig Jahren war er ohne Zweifel eine der hervorragenden Priesterpersönlichkeiten unseres Landes.

Geboren wurde er am 13.11. 1927 in der serbischen Stadt Filipovo, wo er die Volksschule besuchte, danach kam er an das humanistische Gymnasium der Jesuiten in Travnik (Bosnien), wo er aber nur 2 Jahre bleiben konnte. 1941 bis 1944 war er bis zur 5. Klasse im ungarischen Kalosca, ebenfalls eine Jesuitenschule. Als von der Volksrepublik Jugoslawien den Deutschsprachigen die Staatsbürgerschaft aberkannt wurde, landete er in Arbeits- und Konzentrationslagern, wo er als 17-, 18jähriger Furchtbares erlebt hat. Das hat ihn für das ganze Leben geprägt, nicht im Sinne einer Verbitterung. Er fühlte sich innig verbunden mit den anderen heimatvertriebenen Donauschwaben; von daher auch seine persönliche Freundschaft mit Erzbischof Zollitsch, der aus der gleichen Stadt stammt. Sein wichtiges Anliegen war Versöhnung. Auch auf seine Initiative hin wurde in Filipovo eine Gedächtnisstätte errichtet. Jahr für Jahr besuchte er die Treffen mit seinen Landsleuten in München und anderen Orten. Gerne hat für sie Gottesdienst gefeiert. Es freut mich, dass eine große Gruppe von ihnen bei uns ist.

Nach der Flucht aus dem Konzentrationslager war er noch ein Jahr am Gymnasium von Kalosca. Die 7. und 8. Klasse besuchte er dann bereits im Stiftsgymnasium Seitenstetten, wo er 1949 das Abschluss- und Reifezeugnis erlangte. Durch die Erlebnisse am Ende des Krieges war er gereift. Unmittelbar nach der Matura studierte er Philosophie und Theologie an der Hochschule St. Pölten, 1950 erhielt er die österreichische Staatsbürgerschaft und am 29. Juni 1954 empfing er die Priesterweihe im Dom von St. Pölten.

Es folgten Kaplansjahre in Haag, Gföhl und Tulln, wo er Dekanatsjugendseelsorger war. Er war ein guter Jugendseelsorger, wurde zunächst Diözesanseelsorger der Katholischen Arbeiterjugend und später der studierenden Jugend. 1962 bis 1965 betreute er zusätzlich interimistisch die Militärseelsorge der Garnison St. Pölten. Ab August 1965 kam er an der Höheren Technischen Bundeslehranstalt für Hoch- und Tiefbau in Krems als Religionslehrer zum Einsatz zunächst nur kirchlich bestellt, dann als Vertragslehrer. 1957 erwarb er das Lehramt für Höhere Schulen und 1975 das Magisterium für Theologie an der Katholischen Theologischen Fakultät der Universität Wien. Er war ein eifriger, strebsamer Priester.

Aber schon 1968 bestellte ihn Bischof Zak zum geistlichen Assistenten der katholischen Hörfunk- und Fernsehkommission des Zentrums für Massenkommunikation der Diözese St. Pölten. Ab dieser Zeit beginnt er sich auf Wunsch des Bischofs immer mehr den Medien zuzuwenden.

1978 wurde er Herausgeber der Niederösterreichischen Nachrichten und im gleichen Jahr Obmann des Pressvereins der Diözese St. Pölten. Einige Monate später wurde er Vorsitzender des Beirates des Niederösterreichischen Pressehauses. Ab 1983 war er Vertreter der katholischen Kirche in der Kommission für Bildungsprogramme des Medienverbands im Bundesministerium für Unterricht und Kunst.

1983 kehrte er neben diesem Medienengagement nochmals in die Schule zurück. Er wurde Fachinspektor für den katholischen Religionsunterricht an den Gewerblichen und Landwirtschaftlichen Berufsschulen, auch an den Mittleren und Höheren Berufsbildenden und Allgemein Bildenden Höheren Schulen nördlich der Donau. Damals hat er sogar auch neuerlich 4 Stunden an einer Höheren Schule unterrichtet. 1988 wurde er als Abschluss seines Schuldienstes „Oberstudienrat“.

Ein Grund für die Beendigung seines Schuldienstes war wohl auch, dass er 1985 Direktor und Herausgeber von „Kirche bunt“ geworden war, einem seiner Herzensanliegen.

Er war immer bereit zum Einsatz und wurde zu einem echten Medienprofi. Er hatte ein feines Sensorium für die Gegebenheiten der sich wandelnden Gesellschaft, war über die Vorgänge in Kirche und Welt bis ins hohe Alter bestens informiert und bemühte sich, einen Weg zu finden, um ohne schädliche Polemik die Stimme der Kirche zur Geltung zu bringen.

Seine geistige Heimat hatte er in den letzten Jahrzehnten bei den Schwestern der Congregatio Jesu, die er viele Jahre lang liebevoll betreut hat. Wohl auch damit hängt zusammen, dass er einerseits Extremismen mied, andererseits dem Evangelium und dem Lehramt der Kirche gegenüber treu war. „Kirche bunt“ wurde wohl gerade auch deshalb, wegen der besonderen Qualität in Inhalt und Aufmachung, zu einem Vorzeigeprodukt der Diözese St. Pölten.

Erstaunlich ist, wie es ihm gelungen ist, ein so komplexes Unternehmen wie das Pressehaus unter sich verwandelnden Verhältnissen viele Jahre lang erfolgreich zu leiten. Seine Tätigkeit wurde honoriert: vom Land Niederösterreich erhielt er 1997 das Goldene Komturkreuz für besondere Verdienste, 2005 von der Landeshauptstadt St.  Pölten den Ehrenring und 2009 von der Sparkasse die Ehrennadel in Gold, kirchlich wurde er 1976 zum Monsignore und 1987 von Johannes Paul II. zum Prälaten ernannt, 1994 wurde er Mitglied des Domkapitels, seit 2009 war er Domscholaster

Sehr schwer ist ihm gefallen, nach 36 Jahren leitender Tätigkeit 2014 die Aufgabe als Aufsichtsrats- und Beiratsvorsitzender des NÖ Pressehauses und als Obmann des Pressvereines abzugeben. Er hat immer betont, dass er sich die verschiedenen Aufgaben nicht selbst gesucht hat, was wahr ist. Ihm war die Verkündigung wichtig, insbesondere für die Jugend und die breite Gesellschaft. Es war sein Stolz, auch in schwierigen Zeiten immer wieder den Weg gefunden zu haben, um das Unternehmen zusammenzuhalten. Er wollte, dass der Kirche die Möglichkeit erhalten bleibt, durch ein Unternehmen wie das NÖ Pressehaus und die NÖN auf die heutige Gesellschaft einzuwirken.

Ein wichtiger Aspekt in seinem Leben fehlt noch: Die Beziehung zu seiner Familie. Er hat die Beziehung zu seiner Familie immer gepflegt: zu seinem Bruder, der ebenfalls Priester ist und zunächst hier und dann an der Universität Wien als Dogmatiker gelehrt hat, aber auch zu den anderen 3 Brüdern und deren Familien. Das war für ihn selbst und wohl auch für seine Verwandten ein starker Rückhalt. Das gehört wohl auch zum Geheimnis seines unermüdlichen Einsatzes gepaart mit einer beeindruckenden Stabilität.

Nun aber dürfen wir darauf bauen, was Jesus zu seinen Jüngern gesagt hat, nämlich, dass es im Hause seines Vaters viele Wohnungen gibt. Mit Recht sind wir Prälat Josef Eichinger von Herzen dankbar für sein priesterliches Leben, für seine Geradlinigkeit und Treue, für seine Hingabe. Wir wollen dafür beten, dass Gott ihm all das Gute, das er auf Erden bewirkt hat, belohnt und dass Prälat Josef im Himmel den Frieden hat.