Erntekrone
Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Rundfunkansprache Weihnachten 2015

Liebe Hörerinnen und Hörer!

Als sich in den vergangenen Monaten die Lage bezüglich der Flüchtlinge immer mehr zuspitzte, war aus christlichen Kreisen der Kommentar zu hören: Wir können uns doch nicht in unsere warmen Stuben zurückziehen und einfach Weihnachten feiern, wenn so viele Menschen vor unserer Haustüre nichts zu essen und kein Bett zum Schlafen haben.

Richtig ist sicher, dass wir angesichts der vielen Bedrängnisse in der Welt nicht so tun dürfen, als würde es uns nichts angehen, was sich vor unserer Haustür abspielt. Aber Weihnachten feiern ist wichtig. Ich würde sogar sagen: Je größer die Not ist, umso wichtiger ist es.

Weihnachten ist ein Geheimnis, das Hoffnung schenkt und jene, die es nicht nur äußerlich feiern, innerlich verändert.

Es hat einen Bezug zur Vergangenheit: Wir gedenken eines historischen Ereignisses, der Geburt Jesu in Bethlehem vor etwas mehr als 2000 Jahren. Wenn aber die Kirche vom Hochfest der Geburt des Herrn spricht, meint sie auch etwas in der Gegenwart.

Der Prophet Jeremias, kündigte schon mehr als 500 Jahre vor der Geburt Jesu an, dass ein Spross Davids als König herrschen wird, dem man den Namen geben wird: „Der Herr ist unsere Gerechtigkeit“. Die Christenheit hat diese Prophezeiung von Anfang an auf Jesus bezogen, der zu Pilatus gesagt hat: „Ja, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme“.

Weihnachten feiern ist mit der Frage verknüpft: Wer ist dieses Kind, das da in der Krippe liegt?

Jesus selbst hat seinen Jüngern versprochen: „Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ Es ist ein großes Geheimnis: Er wurde getötet, aber er ist nach drei Tagen auferstanden. Er ist zum Vater heimgekehrt, aber trotzdem in der Welt gegenwärtig. Er wurde von Anfang an bis auf den heutigen Tag in seinen Jüngern verfolgt, aber der Glaube stirbt nicht aus.

Wer dieses Kind aufnimmt, ändert sich, weil dies sein wichtigstes Gebot war: So lieben zu lernen, wie er geliebt hat.

Papst Franziskus hat ein Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen. Am Weihnachtsfest erkennen wir Gottes Barmherzigkeit, der seinen Sohn in die Welt gesandt hat, um die Welt zu retten, und wir lernen von ihm, barmherzig zu sein. Es ist also gut, Weihnachten zu feiern. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen, dass Sie ein frohes Weihnachtsfest erleben und erkennen, wie gütig der Herr ist. Möge dieses Weihnachtsfest aber zugleich fruchtbar sein und bewirken, dass wir in der Liebe wachsen.