Nacht der 1000 Lichter
Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Abschluss „Jahr der Orden“ in Maria Taferl

Liebe Äbte!
Ehrwürdige Schwestern und Ordensbrüder!

Zu Recht empfinden wir am heutigen Tag eine tiefe Dankbarkeit. Der Glaube sagt uns: Gott ist Mensch geworden, er hat sich uns gezeigt, er hat unter uns gewohnt und als Folge seiner Ganzhingabe am Kreuz und seiner Auferstehung ist er durch die Kirche auch jetzt ganz nahe bei uns.

Wir hörten in der ersten Lesung die Worte des Propheten Maleachi: „Seht, ich sende meinen Boten, er soll den Weg für mich bahnen. Dann kommt plötzlich zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht.“ Diese Worte des Propheten stehen über der Zeit, sie beziehen sich auf damals, als Maria und Josef mit dem Kind in den Tempel kamen; sie beziehen sich auch auf jetzt, da wir hier versammelt sind.

Wir sollen dankbar sein für seine Gegenwart, auch wenn sein Licht in der Finsternis leuchtet, all die Jahrhunderte hindurch, auch in unserem Land, bis auf den heutigen Tag.

Es ist gut, wenn wir uns dabei bewusst machen, was das II. Vatikanische Konzil gelehrt hat: Nämlich, dass Christus in der Kirche und durch sie gegenwärtig wird durch sein Wort und durch sein Brot. Er wird aber auch gegenwärtig in den Herzen der Gläubigen, durch ihr Leben und Wirken. Im Leben der Ordensleute ist dieses Licht – bei allen Schwächen, die hier und dort vorkommen mögen – ganz besonders deutlich erkennbar. Sie geben durch ihre Lebenshingabe an Gott ein ganz besonderes Zeugnis für Christus und sein Wirken. Wenn wir zurückschauen, dann entdecken wir: Es besteht eine ununterbrochene Kette von konsequent Glaubenden viele Jahrhunderte hindurch bis weit zurück. Schon in der Römerzeit hatten wir hier Heilige, z. B. den hl. Florian und die anderen Märtyrer von Lorch, abgesehen von Hippolyt, den wir in unserer Diözese verehren. Severin ist eine besonders leuchtende Gestalt; aus dem Kreis der Ordensleute stoßen wir auf den hl. Valtentin, den hl. Altmann, auch viele heilige Brüder und Schwestern.

Auch heute fehlt es uns nicht am Zeugnis von Menschen, die ihre Hingabe an Christus mit großer Treue leben. Es ist mir ein Bedürfnis, in dieser Stunde für alle Ordensleute in der Diözese, für ihr Wirken, für ihr Dasein, für ihr Zeugnis Gott zu danken.

Wir haben allen Grund, dafür dankbar zu sein, dass wir eine große Familie Gottes sind, so wie sie im Hebräerbrief (2. Lesung) beschrieben wird: „Er, der heiligt, und sie, die geheiligt werden, stammen alle von einem ab“. Es heißt dann weiter: „Darum scheute er sich nicht, sie Brüder (und Schwestern) zu nennen und zu sagen: Ich will deinen Namen meinen Brüdern (und Schwestern) verkünden, inmitten der Gemeinde dich preisen;“. Danach ist von der Menschwerdung des Gottessohnes die Rede, der „…Fleisch und Blut angenommen hat, um durch seinen Tod den zu entmachten, der die Gewalt über den Tod hat“ (ebenda).

Jede Schwester, jeder Bruder, alle, die ihr Leben Gott geweiht haben, geben Zeugnis für Jesus und, wenn wir hier versammelt sind, können wir uns in Anbetracht der Gegenwart des Herrn im Wort Gottes, in der Eucharistie, im gemeinsamen Gebet und in unseren Herzen in die Rolle Simeons oder Hannahs hineindenken und uns seligpreisen, weil wir den sehen durften, der das Heil gebracht hat.

Aber besteht nicht das Problem, dass in unserer Zeit zumindest der Eindruck aufkommen könnte, als ob das Licht unter uns schwächer würde, viele den Zugang zu ihm nicht finden, weil ihnen der Blick verstellt ist oder sie ihn aus dem einen oder anderen Grund nicht sehen, ihn nicht hören, nicht erkennen können? Jesus selbst hat gesagt: „Wird der Menschensohn Glauben finden, wenn er wiederkommt?“ Wenn wir auf die Geschichte unseres Landes schauen oder auf die Geschichte der verschiedenen Ordensgemeinschaften im Land, erkennen wir: In der Tat, es war immer ein Auf und Ab. Manchmal ist es besser gegangen, andere Male war es schwierig, einige Male sogar sehr schwierig. Dennoch „spiritus vivificat“, „der Geist macht wieder lebendig.

Wir sollen auch nicht überhören, was im Buch des Propheten Maleachi (1. Lesung) neben dem bereits Gesagten zusätzlich angekündet wird: „Denn er ist wie das Feuer im Schmelzofen und wie die Lauge im Wassertrog. Er setzt sich, um das Silber zu schmelzen und zu reinigen: Er reinigt die Söhne Levis, er läutert sie wie Gold und Silber.“ Das bezieht sich nicht nur auf das Weltgericht am Ende der Zeiten.

Die Hingabe jeder Schwester, jedes Bruders ist wie Gold. Vielleicht will uns der Herr in Zeiten wie diesen reinigen, damit das Gold kostbarer, hochkarätig, wertvoll und anziehend wird und die Menschen das Licht Jesu besser wahrnehmen. Daher ist das Wichtigste, dass wir –jeder an seinem Platz- unsere Ganzhingabe konsequent und treu leben. Zur Treue gehört auch, dass wir missionarisch sind, dem Aufruf von Papst Franziskus folgen, den er an alle richtet: Jede Gemeinde, jede Gemeinschaft soll sich wie in einer ständigen Mission befinden. Und mit dem Beistand des Heiligen Geistes müssen wir alle Müdigkeit abstreifen, auch alle Resignation, die Menschen ansprechen, das Evangelium mutig und unverkürzt verkünden, gleichzeitig mit einer großen Liebe und viel Verständnis unsere Aufgabe wahrnehmen..

Am Ende dieses Jahres der Orden und der Institute geweihten Lebens, am Ende dieses Gottesdienstes sollten alle –das wäre mein großer Wunsch für Sie alle- mit großer Zuversicht weitergehen auf dem Weg, mit den Worten Simeons und Hannahs im Herzen. Simeon sprach: „Meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet“ und Hannah „pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.“

Das Licht Jesu verlöscht nicht, und immer wird es Männer und Frauen geben, in denen dieses Licht an Kraft gewinnt und andere anzieht. Möge uns Maria Vorbild sein, damit auch wir Jesus empfangen und im Herzen tragen! Möge sie uns mit ihrer Fürsprache beistehen, damit Er, Christus, der Erlöser, zur Welt kommt.