Erntekrone
Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Das Leben ist ein Geschenk - für jeden von uns (NÖN-Kommentar des Bischofs vom 28.6.2016)

Leben erleben. So heißt die Ausstellung im Landhaus, die vor einigen Tagen von Landeshauptmann-Stv. Johanna Mikl-Leitner und der Aktion Leben eröffnet wurde. Auch zahlreiche fröhliche Schüler und Schülerinnen waren dabei. Die Ausstellung zeigt das geheimnisvolle und faszinierende Leben des Kindes vor der Geburt. Auch die Beziehung von Mutter und Kind beginnt schon lange vor der Geburt.  Diesem Bereich hat zuletzt das österreichische Institut für Familienforschung eine eigene Studie gewidmet.

Die Entwicklung des Menschen aus einem winzigen Bläschen zu einem lebensfähigen Kind mit allen Gliedmaßen ist ein unglaublicher Anlass zum Staunen. Aber schon mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle bildet sich das Erbgut eines Menschen, der einmalig und einzigartig ist. „Ich danke dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast. Ich weiß, staunenswert sind deine Werke“, so der Psalm 139.
Wir alle wollen leben,  heute und mit allen Fasern. Das Leben erleben. Jeder von uns. Das ist unserer Existenz tief eingeprägt, weil sie von Gott stammt, der das Leben in Fülle ist. Der Mensch ist als sein Abbild erschaffen, und das ewige Leben mit Ihm, mit Gott, ist sein Ziel. Von daher kommt die Würde des Menschen, die unantastbar ist. Gleichzeitig müssen wir uns aber auch dem nüchtern zuwenden, was der ehemalige britische Großrabbiner und Tempelton-Preisträger Jonathan Sacks vor kurzem gesagt hat. Er wies darauf hin, dass wegen der Kinderlosigkeit die europäische Zivilisation bedroht sei und die Gesellschaft ihre Moral und die Verantwortung für Kinder ablehne, dadurch verliere sie auch zunehmend ihre Identität.
Dass wir schon lange ein Geburtendefizit haben, ist ein Faktum. Die geschätzte Zahl der Abtreibungen pro Jahr dürfte schon fast die Hälfte der Geburten ausmachen. Ebenso ist es ein Faktum, dass über das Thema Abtreibung ein großer Vorhang des Schweigens gelegt wurde. Zum Nachteil der Frauen, zum Nachteil der Kinder, zum Nachteil der Gesellschaft. Dabei geht es hier um eine Frage des Friedens in der Gesellschaft, der durch die Tötung unschuldiger Kindern zerstört wird, wie Mutter Teresa so oft gesagt hat. Es ist ein Armutszeichen der Politik, dass wir de facto als einziges Land in Europa weder über Statistik noch Motivforschung zur Abtreibung verfügen, weil dies konsequent verhindert wird. Vielleicht ändert sich das jetzt. Diese Woche ist  eine Bürgerpetition mit fast 60.000 Unterschriften im Parlament in Behandlung, mit der Aufforderung,  endlich umzusetzen, was schon Bruno Kreisky bei der Einführung der Fristenregelung versprochen hat..
Das Leben ist ein Geschenk. Für jeden von uns. Ich würde mich freuen, wenn wir um unserer Zukunft willen, wieder neu zu überzeugenden Botschaftern des Lebens und der Liebe werden.