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Ich bin dankbar für alles was möglich war - Interview mit Kirchebunt

„Ich bin dankbar für alles, was möglich war“

Am 17. September feiert Diözesanbischof DDr. Klaus Küng seinen 76. Geburtstag. Im Vorjahr, zu seinem 75. Geburtstag, hat Bischof Küng Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten, der „nunc pro tunc“ (jetzt für später) angenommen wurde. In Kirche bunt steht Bischof Küng zu vielen Fragen Rede und Antwort.

Herr Bischof, Sie feiern am 17. September Ihren 76. Geburtstag. Im Vorjahr haben Sie Papst Franziskus Ihren Rücktritt angeboten. Wissen Sie schon, wie es in der Diözese St. Pölten weitergehen wird?

Bischof Küng: Es ist ja festgelegt worden, dass meine Amtszeit um ein Jahr verlängert wird, und dass nach meinem 76. Geburtstag die Suche nach einem Nachfolger einsetzt. Die Formel „nunc pro tunc“ bedeutet, dass man im Amt bleibt bis zur Übernahme der Arbeit durch den Nachfolger. Es ist mir ein ganz großes Anliegen, dass es eine kontinuierliche Weiterarbeit gibt und dass sich alles gut weiter entwickelt. Wir sind in einer Zeit großer Umbrüche und die Herausforderungen sind groß. Das erfordert sicherlich Leitungsarbeit und ich bin zuversichtlich, dass das gut gehen wird.

Und welche Pläne haben Sie für sich persönlich?

Bischof Küng: Ich persönlich habe vor, mich priesterlich-bischöflichen Tätigkeiten im spirituellen Sinn zu widmen. Ich werde zurückgehen in meine Gemeinschaft nach Wien. Solange ich kann und solange ich gesund bin, werde ich gerne zur Verfügung stehen für pas­torale Aufgaben, Exerzitien, Predigten, Vorträge oder Wallfahrten. Und ich werde, wenn man mich in St. Pölten braucht, auch fallweise durchaus einspringen.

Wie stellt sich die Diözese St. Pölten jetzt gegenüber Ihrer Anfangszeit im Jahr 2004 dar?

Bischof Küng: Meine Aufgabe war es, Konflikte aufzuarbeiten, Klärungen durchzuführen und die Einheit in der Diözese wiederherzustellen. Besonders wichtig war mir, und das gehörte direkt zur Aufgabenstellung, die Sanierung der Situation im Priesterseminar und der Aufbau eines neuen Vertrauensverhältnisses zwischen Seminarleitung und Klerus. In den letzten Jahren ist es zwar nicht zu so vielen Priesterberufungen gekommen, wie ich es mir gewünscht hätte, aber es konnten doch etliche geweiht werden und alle wurden in der Diözese gut aufgenommen. Das war ein wichtiger Prozess. Sehr wichtig, fast das Wichtigste war, dass das Gesprächsklima in der Diözese eindeutig besser geworden ist. Und nicht wenige Polarisierungen konnten abgebaut oder zumindest vermindert werden. Inzwischen kann man, glaube ich, schon sagen: Wir befinden uns auf einem guten Weg. Insgesamt bin ich Gott und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr dankbar für alles, was möglich war.

Wie stellt sich angesichts des Priestermangels die Situation in unseren Pfarren heute dar?

Bischof Küng: Gott selbst nötigt uns letztlich, auf das Eigentliche zu kommen. Wir stehen generell vor großen Veränderungen und natürlich ist die Entwicklung der Pfarrseelsorge eines der Hauptthemen, die mich vom Anfang an beschäftigt haben. Ich sehe da tatsächlich einen notwendigen Erneuerungsvorgang, der nicht nur die Frage der Strukturierung der Pfarren betrifft, sondern vor allem die Sorge, dass Jesus die Mitte darstellt und dass die Menschen erkennen: wie wichtig die Begegnung mit Ihm ist, im Wort und im Brot, vor allem in der Eucharistie, wo wir unsere Arbeit, unsere Sorgen, unseren Kummer und Probleme, gemeinsam mit Brot und Wein, in der Hoffnung auf Verwandlung, auf den Altar legen; wo wir auf Christus hören und Ihn aufnehmen, Heilung erfahren  und dann Christus in unseren Tag hineintragen. Wer den Wert der Eucharistie erfasst hat, wird immer den Wunsch empfinden, wenigstens am Sonntag eine heilige Messe zu besuchen. Wenn man will, kann man in der derzeitigen Situation wohl durchschnittlich im Umfeld von einer halben Stunde in der Diözese eine heilige Messe mitfeiern. Heute fährt man für anderes oft viel länger, um daran teilzunehmen. Natürlich sind und bleiben in diesem Kontext auch alle anderen Aktivitäten, für die ich außerordentlich dankbar bin, und die Pfarre immer immens wichtig. Das Thema ist komplex. Insgesamt geht es um die Schaffung von Grundlagen, auf denen von neuem der Glaube wachsen kann und entsprechend vermittelt wird. Die wichtigs­te Frage ist die Gottesfrage.

Wie kann die Kirche heute die Jugend ansprechen?

Bischof Küng: Ich glaube, es braucht Andockstationen für die Jugend. Die wichtigste Andockstation sind eine oder mehrere Personen, die authentisch sind. Menschen, die nicht nur reden, sondern die, so gut sie können, trotz aller Fehler und Schwächen, den Glauben leben und die Verständnis für den jungen Menschen haben. Ich glaube, es braucht hier die Bildung von Gemeinschaften – und da ist einiges im Gange – in denen jugendliche Führungspersönlichkeiten andere ansprechen. Heute läuft fast alles über den persönlichen Kontakt und da kann die Erfahrung gemacht werden: Das ist schön, da fühle ich mich angenommen, da fühle ich mich zu Hause. Wenn junge Menschen diese Erfahrungen machen, dann tun sie mit. Denken wir an die Begeisterung der Weltjugendtage.

Gilt das auch für Erwachsene?

Bischof Küng: Da ist etwas Ähnliches festzustellen. Ich sehe das ganz besonders im Zusammenhang mit Familie. Ich habe in den letzten Jahren viele junge Familien kennengelernt, die sich echt Gedanken machen: „Wie können wir das schaffen, dass unsere Familie eine christliche Familie wird?“ Die Zahl solcher Familien nimmt zu. Ich glaube, dass Kirche immer eine Sammelbewegung ist – von ihrem Wesen her. Weil Gott es ist, der ruft. Ich habe persönlich oft erlebt, dass Personen unterschiedlichster Kreise, Gescheite und weniger Gescheite, Wohlhabende und Arme, mit unterschiedlichsten Lebensgeschichten auf einmal zusammenkommen, weil da etwas ist, das sie verbindet.

Was bedeutet für Sie als Familienbischof das nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus „Amoris laetitia“?

Bischof Küng: Ich glaube, dass „Amoris laetitia“ – und der ganze Vorgang drum herum – schon auch angestoßen ist vom Heiligen Geist, wie Papst Franziskus es von Anfang an gesehen hat. Meines Erachtens stellt „Amoris laetitia“ eine Chance dar, die wir wahrnehmen müssen. Die Hauptstoßrichtung ist, und das wurde in der Bischofskonferenz auch direkt als unmittelbares Ziel ins Auge gefasst, eine Ausweitung und Vertiefung der Ehevorbereitung und vor allem auch der Bemühungen um Ehe- und Familienbegleitung nach der Trauung. Das setzt, neben all dem Guten, das jetzt schon passiert, die Ausbildung von Ehepaaren und auch Priestern voraus, damit sie diese Arbeit leisten können. Gerade die Ehevorbereitung ist eine Gelegenheit, um jungen Erwachsenen nochmals den Glauben vorzulegen und alles zu tun, damit sie entdecken: mit Christus ist die Chance groß, dass ihre Ehe gelingt.

Was dürfen Ihrer Meinung nach Medizin und Technik heute leisten? Wo sehen Sie konkrete Grenzen?

Bischof Küng: Wenn heute beim Ultraschall bei einem Kind im Mutterleib eine verdickte Nackenfalte gesehen wird und wenn nur ein kleiner Verdacht vorliegt, es könnte eine Behinderung vorliegen, führt das in 80 Prozent der Fälle zu einer Abtreibung.  Das ist schrecklich. Auf der anderen Seite haben wir am Lebensende oft sinnlose Übertherapierungen statt guter Hospiz- und Palliativversorgung. Heute ist es doch so, dass alle perfekt sein wollen. Eltern wollen perfekte Kinder. Und ältere Menschen fühlen sich oft nutzlos, weil sie nichts mehr leis­ten können. Die Frage ist aber: Wer ist perfekt und wer nicht? Wer zieht da eine Linie? Das führt uns doch zu einem Horrorszenarium. Letztlich geht es um das Gebot: Du sollst nicht töten! Liebe zeigt sich nie im Töten. In Wirklichkeit ist jeder Mensch einmalig und das Leben ist ein Geschenk, das uns gegeben ist.

Sie gehören der Laienorganisation Opus Dei an – mitunter wird die Gemeinschaft kritisiert, z. B.
wegen seiner hierarchischen Strukturen. Was sagen Sie den Kritikern?

Bischof Küng: Zunächst: Opus Dei ist eigentlich keine Laienorganisation, es ist eine Personalprälatur, der Priester und Laien angehören, die mitten in der Welt lebend Christus nachfolgen. Was ich den Kritikern sage? Dass das Opus Dei eine solide Spiritualität für Menschen vermittelt, die in der Welt sind. Nicht wenige aktuelle Probleme der Kirche sind im Opus Dei gut gelöst, z. B. die Zusammenarbeit zwischen Priestern und Laien. Vieles war für mich nie ein Problem, was für andere schon eines ist. Opus Dei ist in manchem ein Vorreiter für das, was das Zweite Vatikanische Konzil lehrt. Ich denke manchmal an Kardinal König, der mir einmal gesagt hat: „Bei euch ist das Verständnis von Laie eigentlich so, wie es das Konzil dargelegt hat.“ Ich bin persönlich davon überzeugt, dass ebenso das Opus Dei ein Hoffnungsträger für die Zukunft ist.

Haben Sie persönlich einen Wunsch zum Ge­burtstag?

Bischof Küng: Mein größter Wunsch ist, dass es zu einer echten spirituellen Erneuerung kommt, in der Diözese St. Pölten und den anderen Diözesen Österreichs und ganz Mitteleuropa. Das hat mir eigentlich immer unter den Nägeln gebrannt. Sop

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