Nacht der 1000 Lichter
Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Interview Kronenzeitung

Das Jahr 2016 steht in der katholischen Kirche ganz im Zeichen der Barmherzigkeit. Inwiefern möchte man diesem Motto in der Diözese gerecht werden?

In zahlreichen Formen: Gerade haben wir unsere große Sommerkampagne mit Plakaten und Citylights in der ganzen Diözese dem Thema gewidmet. Das Herz ist die Entscheidungsmitte des Menschen. Ohne Herz fehlt das Wichtigste, im eigenen Leben, in Kirche und Gesellschaft. Es gibt fünf Kirchen mit sogenannten Heiligen Pforten zB der Dom oder in Maria Taferl, die mit besonderen Gnaden verbunden sind. Auch der Weltjugendtag mit hunderttausenden Jugendlichen und jungen Leute auch auch unserer Diözese, steht unter diesem Motto. Wir haben eine eigene Katechesenreihe darüber, was es konkret im Alltag bedeutet, barmherzig zu sein, es gibt auch immer wieder Abende der Barmherzigkeit in den Pfarren. Im Herbst werden die Priester und Diakone eine Wallfahrt auf den Sonntagberg unternehmen.

Die Politik setzt in Österreich bezüglich der Flüchtlingskrise auf Obergrenzen und Grenzkontrollen. Wie stehen Sie zu dieser Thematik?

Es ist ein weltweites Thema. Einerseits ist zwischen Flucht und Zuwanderung zu unterscheiden, andererseits haben die Österreicher immer große Hilfsbereitschaft gezeigt, denn Nächstenliebe ist nicht teilbar. Mit anderen Worten, Menschen in Not müssen wir helfen. Wahr ist auch, dass das Thema Sicherheit wichtig ist. Ich denke oft an das Wort von Papst Franziskus „Wenn wir uns Sicherheit wünschen, dann sollten wir Sicherheit geben“. Wir müssen also beides tun, Hilfe leisten, aber als Staat auch Maßnahmen der öffentlichen Sicherheit setzen.

Welche Auswirkungen hat die große Anzahl an muslimischen Flüchtlingen auf die heimische Gesellschaft?

Zunächst sind Flüchtlinge einmal Flüchtlinge. Eine generelle Frage ist, ob Menschen auf ein gesellschaftliches oder religiöses Vakuum treffen, oder auf einen kultivierten und fruchtbaren Raum. Wenn wir Christen innerlich lebendig sind, brauchen wir uns vor der geistigen Auseinandersetzung mit Andersgläubigen nicht zu fürchten. Eine andere Frage ist, ob Europa noch genügend starke christliche Wurzeln hat. Da kann es schon Probleme geben. Und was ich auf jeden Fall für eine wichtige und notwendige Voraussetzung für ein friedliches Miteinander halte: das ist die Beachtung der Religionsfreiheit und der anderen Menschenrechte. Menschen, die sich bei uns niederlassen, sollten zu dieser Grundhaltung, unabhängig davon, welche Weltanschauung sie selbst vertreten, verpflichtet sein.

„Religion und öffentlicher Raum“. Spürt man diese Entwicklungen auch in Niederösterreich? Stichwort: Kreuzabnahme in Schulen, Empörung über Vorbereitung zur Erstkommunion im Unterricht.

In Niederösterreich, bzw. in der Diözese, haben wir über die Zeiten im Wesentlichen ein Klima des guten Miteinanders und des Respekts. Religion, Christsein und Tradition werden von der Politik nicht als Fremdkörper behandelt, sondern als Teilhabe am gemeinsamen Leben. Zu ihrer Frage: Fallweise gab oder gibt es schon Probleme wegen Fragen zu Kreuz oder Unterricht, ich halte es für wichtig, dass in gegenseitigem Respekt die Religionsfreiheit bewahrt und verteidigt wird.

In Zusammenarbeit mit Land und Stadt herrschen im Großen und Ganzen eine positive Grundeinstellung und die Bereitschaft zu Zusammenarbeit, was ohne Zweifel zum Gemeinwohl beiträgt. Das zeigt sich ganz besonders im Bereich der sozialen Einrichtungen, der Kranken-, Alten- und Behindertenbetreuung. Ohne die finanzielle Unterstützung zb im Zusammenhang mit Denkmalpflege könnten zahlreiche Kulturgüter unseres Landes nicht gehalten werden.

Laut Statistik wird in Niederösterreich wieder öfters geheiratet, gleichzeitig steigt aber auch die Scheidungsrate. Wie ist ihr Standpunkt zum Thema Ehe in der heutigen Zeit?

Schauen wir uns die Jugendumfragen an: Das was junge Leute wünschen, sind tragfähige Beziehungen, die Geborgenheit und Halt vermitteln. Die Ehe von Mann und Frau und die Familie sind und bleiben die Brücke in die Zukunft jeder Gesellschaft. 85% aller Paare mit Kindern im Haushalt sind übrigens Ehepaare und fast drei Viertel aller Kinder sind Kinder von verheirateten Paaren. Ich glaube, wir sollten uns mit mehr Mut dazu bekennen, und beitragen, dass Ehe und Familie gelingen. Denn ohne sie verliert eine Gesellschaft ihren Zusammenhalt.

Wer wird länger im Amt bleiben, Sie oder Erwin Pröll?

Erwin Pröll kann es selber bestimmen, bei mir hängt es von der Entscheidung eines anderen ab. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile.

(Das Interview ist in gekürzter Form in der Sonntagsausgabe der Kronenzeitung am 7. August 2016 erschienen.)