Erntekrone
Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Predigt Chrisammesse 2016

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst,
liebe Brüder und Schwestern!

Beim Nachdenken über dieses unser alljährliches Zusammentreffen anlässlich der Weihe der heiligen Öle bin ich bei den Worten hängengeblieben, die Papst Franziskus in der Verkündigungsbulle „Misericordiae vultus“ geschrieben hat: „Wie sehr wünsche ich mir, dass die kommenden Jahre durchtränkt sein mögen von der Barmherzigkeit und dass wir auf alle Menschen zugehen und Ihnen die Güte und Zärtlichkeit Gottes bringen!“ (MV 5). Gegen Ende der Bulle betont er die Bedeutung des Bußsakramentes: „Mit Überzeugung stellen wir das Sakrament der Versöhnung erneut ins Zentrum, denn darin können wir mit Händen die Größe der Barmherzigkeit greifen“ (MV 17). Dann folgen Worte für uns Bischöfe und Priester: „Vergessen wir nie, dass Beichtvater zu sein bedeutet, an der Sendung Jesu teilzuhaben und ein greifbares Zeichen der bleibenden göttlichen Liebe zu sein, die verzeiht und rettet. Wir haben die Gabe des Heiligen Geistes empfangen, um Sünden zu vergeben. Dafür sind wir verantwortlich“ (ebenda). Ich halte diese Aussage für sehr wichtig, auch für uns.

Wir haben in der Diözese Gott sei Dank mehrere Beichtkirchen, in denen weiterhin eine beträchtliche Anzahl von Gläubigen mehr oder weniger regelmäßig das Bußsakrament empfängt. Wallfahrtsorte und Monatswallfahrten, bieten Gelegenheit zur Beichte, aber insgesamt ist der Empfang des Bußsakramentes, ähnlich wie im ganzen deutschen Sprachraum, stark zurückgegangen; Es gibt Gemeinden, in denen es fast ganz verschwunden ist. Das ist wahrscheinlich mit ein Grund für die Verflachung des religiösen Lebens bei vielen Christen: Sie haben aufgehört, dieses Sakrament regelmäßig zu empfangen bzw. haben sie nie wirklich einen echten Zugang zu ihm gefunden. Auch die Aushöhlung des Eucharistie-Verständnisses hängt zumindest teilweise ebenfalls damit zusammen, dass die notwendige Umkehr ausbleibt und die Kommunion ohne die erforderlichen Voraussetzungen empfangen wird.

Die Entwicklungen sind aber nicht nur negativ. Es gibt auch positive: Es ist schön zu beobachten, wie Gläubige jeden Alters, auch Jugendliche auf einmal wieder den Wunsch empfinden, das Bußsakrament zu empfangen, weil in ihnen ein echtes Gebetsleben erwacht und eine Hinwendung zu Gott erfolgt ist. Ehepaare beginnen die Schönheit des Ehesakramentes neu oder überhaupt erst zu entdecken. In diesem Sinne stellt auch Papst Franziskus in der Bulle fest: „Viele Menschen suchen erneut das Sakrament der Versöhnung, darunter viele Jugendliche, und finden in dieser besonderen Erfahrung oft den Weg, um zum Herrn zurückzukehren, um einen Moment des intensiven Gebetes zu erleben und so den Sinn für das eigene Leben wiederzuentdecken“ (MV 17).

Was können wir tun? „Ich setze mich in den Beichtstuhl, aber keiner kommt“, ist ein häufiger Kommentar. Wahr ist, dass es nicht einfach ist und oft viel Geduld braucht.

Der Papst spricht – wenn er über dieses Thema redet, und er tut es sehr oft – immer zunächst die Bischöfe und Priester selbst an. Er betont, das erste sei, bei sich selbst anzufangen. Wahr ist, dass uns ohne regelmäßige Beichte die Luft ausgeht. Wir verlieren an Schwung, werden resignativ, verlieren die Kraft und oft auch die Freude. Es ist gut, wenn wir uns fragen: Wie steht es um meine Beichte? Ist sie regelmäßig? Hat sie den nötigen Tiefgang? Ist sie ehrlich? Führt sie zu einem erneuerten Bemühen aus Liebe zu Gott, aus Liebe zur Kirche, auch aus Liebe zu den Gläubigen? Empfangen wir das Bußsakrament immer wenn nötig, um rasch aufzustehen, wenn wir gefallen sind? Es ist eine unverzichtbare Quelle des Friedens, wie der Papst sagt. Es ist auch die Quelle neuen Mutes wie wir alle wissen.

Und abgesehen von unserer eigenen Beichte sollte es für uns geradezu eine Leidenschaft sein, den uns anvertrauten Gläubigen und allen, die uns mit der Bitte um ein Gespräch oder eine Beichte aufsuchen, beizustehen. Es gehört wesentlich zu unserer Aufgabe und zum Schönsten des priesterlichen Dienstes zu erleben, wie der Herr selbst eingreift, wie er neue Hoffnung weckt, Erleichterung schafft, jene heilt, deren Herz zerbrochen ist, wie er Gefesselte befreit, Blinde zum Sehen bringt und Taube zum Hören, sodass sie Christus erkennen und die Stimme Gottes hören.

Es genügt nicht, jedes Jahr nach der Chrisammesse die heiligen Öle mit nach Hause zu nehmen; es genügt nicht, die Taufe zu spenden und die Getauften für die Firmung oder Erstkommunion vorzubereiten. Es muss uns ein großes Anliegen sein, dass das durch die Sakramente entzündete Licht immer wieder von neuem entfacht wird, Nahrung empfängt. Die Bußandachten haben ihre Bedeutung, sind ein Mittel zur Förderung der Bußgesinnung, ersetzen aber nicht die sakramentale Beichte. Die liebevolle Spendung des Bußsakramentes, möglichst verbunden mit geistlicher Begleitung, ist eine wichtige Aufgabe und Hilfe zur Befähigung der Getauften und Gefirmten, insbesondere auch der Eheleute, ihrer Berufung zu entsprechen. Ohne regelmäßige Vergebung, die etwas Persönliches ist, ohne Bestärkung im Guten, ohne die Ermutigung, die Jesus Christus selbst schenkt, besteht die Gefahr der Oberflächlichkeit, des Nachlassens und der Lauheit.

Geben wir Gelegenheit zur Beichte, reden wir aufbauend und positiv und doch auch mit der nötigen Klarheit über die Themen Umkehr und Versöhnung? Bereiten wir den Weg der zu einer guten Beichte hinführt? Gelegentlich auf die Beichte hinzuweisen, ist in der Regel zu wenig. Es bedarf der Anleitung zu Gebet und Besinnung. Es ist notwendig, den Glauben lebensnah darzulegen und die Gebote Gottes angemessen zu erklären. Sehr wichtig sind Anbetung und Stille. Auf einmal beginnen sie zu kommen. Jedenfalls dürfen wir uns nicht damit abfinden, wenn es nur wenige sind.

„Ich habe keine Zeit“. Es wäre tragisch, wenn wir dafür keine Zeit hätten. Es ist notwendig, Zeit dafür Zeit zu finden, auch wenn es nicht leicht ist. Wichtig ist auch, dass man weiß, wann und wo man uns erreichen kann.

Papst Franziskus betont, dass in der Beichte, in der Art, wie man sie entgegennimmt, spürbar werden soll, dass die Kirche eine Mutter ist. „Jeder Beichtvater soll die Gläubigen aufnehmen, wie der Vater im Gleichnis den verlorenen Sohn: Es ist ein Vater, der dem Sohn entgegenkommt, obwohl dieser ja seine Güter verschwendet hat. Die Beichtväter sollen den reumütigen Sohn, der nach Hause zurückkehrt, umarmen und ihre Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass sie ihn wiedergefunden haben“ (MV 17) und er fügt hinzu, dass sie auch nicht müde werden sollen, zum anderen Sohn zu gehen, der draußen geblieben ist und dem es nicht gelingt, sich zu freuen. Ihm müssen sie erklären, „dass sein hartes Urteil ungerecht ist und dass es vor der grenzenlosen Barmherzigkeit des Vaters nicht bestehen kann.“ Papst Franziskus betont auch häufig, dass die Beichtväter keine aufdringlichen Fragen stellen sollen, vielmehr sollen sie – wie der Vater im Gleichnis – die vorbereitete Rede des verlorenen Sohnes unterbrechen, denn „sie verstehen es, im Herzen eines jeden Beichtenden den Ruf um Hilfe und das Verlangen nach Vergebung zu lesen.“

Es muss unser aller Ziel sein, gute Beichtväter zu sein. Bitten wir um den Beistand des Heiligen Geistes. Liebe zu Gott und Liebe zu den Menschen werden uns fähig machen. Mögen uns die heiligen Beichtväter wie der hl. Pfarrer von Ars, Padre Pio und Leopold Mandic mit ihrer Fürsprache beistehen.