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Predigt Christkönigsfest - Abschluss Jahr der Barmherzigkeit

Liebe Brüder und Schwestern!

Das Königtum Christi ist ein Königtum ganz besonderer Art. Es leitet sich von König David ab. Wir hörten in der 1. Lesung: „David wurde von allen Stämmen Israels zum König gesalbt. Sie erinnerten sich an das Wort des Herrn: Du sollst der Hirt meines Volkes Israel sein, du sollst sein Fürst werden.“ Später erhielt David aus dem Mund des Propheten Nathan die Verheißung: „Dein Haus und dein Königtum sollen durch mich auf ewig bestehen bleiben; dein Thron soll auf ewig Bestand haben.“

Die Grundlegung dieses Königtums geschieht jenseits jeder menschlichen Vorstellung: Er wird gekreuzigt und empfängt den Titel „König“ im Sinne von Verhöhnung, auch wenn er tatsächlich zu Pilatus gesagt hat: „Ja, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“

Es ist ein Reich der Wahrheit. Sein Königtum kann aber nur erfassen, wer Augen und Ohren dafür hat. Dazu kommt, dass dieses Reich etwas in der Tat ganz Besonderes ist: Es entfaltet sich inmitten der Wirren aller Zeiten; es geht niemals unter, auch wenn man manchmal den Eindruck haben kann, als würde es verschwinden. Er selbst, Christus, ist – wie Paulus lehrt – „der Ursprung, der Erstgeborene der Toten“. Ihm sind viele Märtyrer und Bekenner gefolgt, zuerst im Imperium Romanum, im römischen Reich, und dann in allen Erteilen. Der Vorgang der Grundlegung dieses seines Reiches dauert an bis auf den heutigen Tag.

Es ist nicht nur „ein Reich der Wahrheit“, sondern auch ein Reich „des Lebens“ (Präfation). Eigentlich wurde es durch Gott schon von Anfang an begründet, genauer gesagt, schon vor jedem Anfang. Paulus deutet dies mit den Worten an: „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden… alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.“ Es ist ein die Existenz berührendes Reich, im Leben jedes Menschen und in der ganzen Schöpfung durch den Schöpfer selbst verankert. Christus, der menschgewordene Gottessohn, ist der Schlüssel zum Verständnis, wie auch das II. Vatikanische Konzil festgehalten hat.

Es ist aber wesentlich ein Reich der Heiligkeit und der Gnade; ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens“ (Präfation). Das Große ist, dass jeder Mensch, auch der miserabelste, schwächste, sündhafteste an diesem Reich Anteil erlangen kann. Denn „durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden. Er hat Frieden gestiftet am Kreuz durch sein Blut“ (2. Lesung).

Wir sollen am heutigen Hochfest vor allem dankbar sein. Es war der große Wunsch von Papst Franziskus, dass wir in diesem außerordentlichen Heiligen Jahr über all das nachdenken, die Pforten der Barmherzigkeit entdecken, sie gläubig und vertrauensvoll durchschreiten und Vergebung unserer Sünden erlangen, sodass wir mit Gott, mit der Welt und mit uns selbst versöhnt sind, den Frieden im Herzen tragen.

Das außerordentliche Heilige Jahr ist zu Ende gegangen und die Pforten der Barmherzigkeit werden geschlossen; das Anliegen aber bleibt. Es braucht oft lange, bis wir erfassen, was uns von Gott geschenkt, angeboten wird. Und wenn wir auf die Geschichte des Christentums schauen, dann erkennen wir, dass es oft so war: Es brauchte manchmal lange Zeiten der Verfolgung, bis das Samenkorn aufging. Gerade in unserer Zeit kommt wahrscheinlich so manchem die Frage, was mit Europa, mit der Welt, die wir erleben, auch mit unserem Land sein wird. Finden wir durch Eigeninitiative den Weg, der zur Erneuerung führt? Oder braucht es Verfolgungen, die jene treffen, die ihm nachfolgen? Oder Katastrophen, die zur Besinnung bringen? – Persönlich bin ich nicht für das Zeichnen apokalyptischer Schreckensbilder. Außerdem hat es meines Erachtens keinen Sinn, sich Gedanken zu machen über Dinge, von den wir nicht wissen, ob sie eintreffen werden. Wohl aber ist es ohne Zweifel dringend zu bitten: „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“ Wichtig ist zu hören, dass Jesus uns zuruft: „Fürchtet euch nicht“, uns aber – wie am vergangenen Sonntag – auch sagt: „Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr euer Leben gewinnen.“

Ganz dringend ist weiters das Bewusstsein eines großen Auftrags, nämlich allen zu sagen, dass das Reich Gottes nahe ist und dass der Herr der guten Hirt ist, der Heiland und Erlöser, der von jeder Krankheit heilen, ja sogar Tote erwecken kann.

Wenden wir uns an Maria, die Mutter der Barmherzigkeit. Sie wird so genannt, weil sie die Mutter Jesu ist. Sie schenkt und Halt und Trost. Vor allem führt sie zu Jesus, erweist sich als „Gottesgebärerin“ auch heute. Bitten wir sie um Hilfe, so werden wir Jesus begegnen.