Entzündung der 2. Kerze am Adventkranz
Krippenschau im Diözesanmuseum
Winterwald
 
 

Predigt Eröffnung 100 Jahre Fatima

Lieber Brüder und Schwestern!

75 Jahre Priesterweihe von P. Petrus Pavlicek und sein 34. Todestag sind ein guter Anlass, um das Jubiläumsjahr – 100 Jahre Fatima und 70 Jahre Rosenkranz-Sühnekreuzzug für den Frieden in der Welt – zu eröffnen; es gibt aber auch viele Gründe, um den RSK erneut zu intensivieren und möglichst auszuweiten. Wir leben auch heute in einer Zeit der Entscheidung! Der Friede in der Welt ist weiterhin ein brennendes Anliegen. Wir haben aber auch besorgniserregende Entwicklungen mit einem rapid fortschreitenden Ausblenden Gottes in unserer Welt und einem Werteverfall, insbesondere in Bezug auf den Wert und die Würde des Lebens und die Familie. In der Kirche selbst haben wir einen jährlichen Verlust von fast einem Prozent an Kirchenmitgliedern in ganz Österreich. Der jährliche Rückgang an Gottesdienstbesuchern ist noch höher (ca. 8 – 9 % pro Jahr).

Maria ist in Fatima nicht erschienen, damit es eine Sensation gibt sondern als Magd des Herrn und unsere Mutter, um uns im Anblick der Not, auch der kommenden, auf den Weg zu Gott zu rufen. Maria kennt uns und unsere Schwierigkeiten.

Es ist daher sicher richtig, wenn wir in dieser Stunde zum Rosenkranz greifen und beten, damit wir Hoffnung im Herzen tragen und nicht entmutigt die Hände sinken lassen, sondern aufstehen zu einem neuen Aufbruch, wie ihn Papst Franziskus wünscht. Es braucht dringend eine neuerliche Sammelbewegung von Jung und Alt, ähnlich wie sie P. Petrus Pavlicek zur Wiedererlangung der Freiheit Österreichs eingeleitet hat. Heute braucht es eine Sammelbewegung, vor allem, um das Christsein in unserem Land neu zu entfachen. Wir dürfen es nicht zulassen, dass eines Tages, nur mehr die Steine von Gebäuden stumme Zeugen des Christentums in Österreich sind, wie es Papst Benedikt ausgedrückt hat. Eine Gesellschaft ohne Glauben, wäre ein Leib ohne Herz.

In der Lesung aus dem Buch Jesus Sirach hieß es: „Kommt zu mir, die ihr mich begehrt, sättigt euch an meinen Früchten!“ Die Sammelbewegung muss vor allem zu Gott hin führen bzw. zu Christus, dem Mensch gewordenen Gott.

Den Marienerscheinungen in Fatima sind die Erscheinungen eines Engels vorausgegangen. Er hat die Kinder aufgefordert, den Glauben an den dreieinen Gott zu erwecken, ihn in tiefster Ehrfurcht anzubeten und ihm den kostbaren Leib, das Blut, die Seele und die Gottheit unseres Herrn Jesus Christus, gegenwärtig in allen Tabernakeln der Welt aufzuopfern, zur Sühne für alle Schmähungen, Sakrilegien und Nachlässigkeiten, durch die er selbst beleidigt wird. Heute ist das so nötig wie damals, vielleicht ist es sogar noch nötiger. Zugleich ist es wichtig und heilend, sich bewusst zu machen, dass der Herr mit uns ist. So erkennen wir, dass wir Grund zu Hoffnung haben, trotz aller Probleme. Die Kirche ist die Kirche des lebendigen Gottes, nicht bloß eine uralte Institution mit langer Geschichte, Gott trägt sie, Christus ist in ihr gegenwärtig.

Die Liturgie der vorweihnachtlichen Zeit richtet den Blick immer auch auf die Gestalt des hl. Josef. Als sich zeigt, dass Maria ein Kind erwartet geht er in sich. Dann versteht er, dass es Gottes Auftrag ist, Maria zu sich zu nehmen. Das ist heute von neuem ein Gebot der Stunde; Maria zu sich zu nehmen. Das war schon mehrmals in der Geschichte der Kirche so. Schon in der Apostelgeschichte heißt es: „Sie verharrten einmütig im Gebet, gemeinsam mit Maria“. Ich bin davon überzeugt: Unser Land muss überzogen werden mit einem lebendigen und glaubensstarken Netzwerk von Gebetsgruppen, aus Familien und Ehepaaren, aus Frauen und Männern, aus Jungen und nicht mehr so Jungen; hier entscheidet sich unsere Zukunft! Aber Beten allein ist noch zu wenig.

Fatima ist in besonderer Weise ein Aufruf zu Buße und Umkehr. Die prophetischen Worte aus Jesus Sirach (Lesung), die sich auf das Volk Israel beziehen, dürfen wir in gewissem Sinn auch auf unser Land anwenden: „Ich fasste Wurzel bei einem ruhmreichen Volk, im Eigentum des Herrn, in seinem Erbbesitz.“ Unser Land trägt christliche Wurzeln, die bis in die Römerzeit zurückreichen. Das Christentum bei uns ist wie ein alter Baum, der viele Stürme erlebt, auch Dürrezeiten und andere Katastrophen überstanden hat. Immer wieder ist der Baum erstarkt. Die derzeitige Krise geht schon sehr tief, sie betrifft oft auch die Wurzeln (bei Einzelnen, in Familien, manchmal in ganzen Gemeinden), auch wenn sicher weiterhin viele tiefreichende, auch starke und gesunde Wurzeln vorhanden sind. Aber ohne Zweifel ist eine Umkehrbewegung nötig.

Papst Franziskus betont häufig z. B. gegenüber Eltern, dass keine großen Predigten nötig seien, wichtig sei, dass sie wirklich christlich leben, einander gerne haben und ihre Kinder lieben. Dann werden in der Regel auch sie (die Kinder) den rechten Weg finden. Ähnliches gilt für die Diakone, Priester, Bischöfe und alle, die in irgendeiner Form an der Verkündigung beteiligt sind. Wichtig ist, der eigenen Berufung treu Christus im Herzen zu tragen. Dort, wo die christliche Berufung konsequent gelebt wird, ist der notwendige Gesundungsprozess von Kirche und Gesellschaft bereits im Gange. Das Licht leuchtet auf. Das sind Keime des Christseins, die wachsen und dieser Prozess wird fortschreiten, wie es verheißen ist: „Mein Andenken reicht bis zu den fernsten Generationen.“

Die Erscheinungen von Fatima wecken in den Seherkindern eine große Verantwortung für das Heil der Menschen. Die Höllenvision, die den kleinen Francisco, und seine Schwester Jacinta und Luzia zutiefst erschauern lässt, sie ruft in ihnen einen Rieseneifer hervor, für die Bekehrung der Menschen zu beten und zu opfern und andere dazu aufzurufen. Wir dürfen nicht ruhig zusehen, wie die Schar der Gläubigen abnimmt; wenn wir wahrnehmen, wie in der eigenen Familie, unter Verwandten und Bekannten beim einen oder anderen der Glaube nach und nach erkaltet.

Es ist gut, wenn wir über P. Petrus Pavlicek nachdenken: Er war aus der Kirche ausgetreten, dem Glauben völlig entfremdet, hat ein Künstler-Leben geführt, war kurze Zeit verheiratet, hat sich aber nach einer Krankheit bekehrt und ist Priester geworden, ein heiligmäßiger Priester. Bedenken wir: Sicher gibt es viele Ausgetretene, die potenzielle Heilige sind; viele Abseitsstehende, die aufwachen würden, wenn man sie anspräche; viele, die schläfrig sind, und sehr aktiv sein könnten. Es wäre nur notwendig, dass jemand den Mut hat, als froher und liebender Zeuge auf sie zuzugehen.

Bitten wir Maria um ihre Fürsprache, damit wir das Jubiläumsjahr bewusst und gut nützen und damit mit vereinten Kräften eine neue Gebets- und Evangelisierungsbewegung zustande kommt.