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Predigt Festmesse zu Ehren hl. Josefmaría Escrivá

Liebe Brüder und Schwestern!

Ein Merkmal für die Verkündigung und das Leben des hl. Josefmaría Escrivá war seine enge Verbundenheit mit der Heiligen Schrift. Viele Stellen aus den Evangelien, aus den Briefen des hl. Paulus und dem gesamten Neuen  Testament, auch viele Stellen aus dem Alten Testament könnten als Lieblingsstellen des hl. Josefmaría angeführt werden, weil er sie häufig zitiert und erläutert hat. Für die hl. Messe, die zu seiner Verehrung gefeiert wird, wurden drei Schriftstellen ausgewählt, weil sie für das Verständnis seines Geistes Schlüsselstellen sind.

Die 1. Lesung ist aus dem Buch Genesis genommen. Sie handelt vom Grundauftrag des Menschen. Da heißt es: „Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und hüte.“

Im Evangelium ist die an Simon und die Apostel gerichtete Aufforderung enthalten: „Fahrt hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus!“

Schon in der Zeit als Seminarist in Saragossa (Anfang der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts) – als er noch nicht wusste, was Gott mit ihm vorhatte – brannte ihm Gott einen großen Wunsch in die Seele: „Almas, Almas“ – „Seelen, Seelen!“ Gemeint ist die Dringlichkeit, Menschen zu Gott zu führen. Es war damals die Zeit großer Umwälzungen in Europa und der ganzen Welt, ausgelöst durch die Revolution in Russland und die großen Nöte in der Arbeitswelt. Diese Umwälzungen gingen Hand in Hand mit einem Massenabfall vom christlichen Glauben in vielen Ländern.

Ein anderer Faktor, der ihn beeinflusste, war die Erfahrung als junger Priester, als er unmittelbar nach der Priesterweihe in einem kleinen Dorf aushilfsweise zum Einsatz gelangte. Er bekam etwas von der Not der Priester auf so manchem einsamen Posten zu verspüren.

Beides – die Not der Gesellschaft und der Menschen sowie die Not der Priester – wurden für ihn zu großen Anliegen, die ihn zutiefst bewegten. Am 2. Oktober 1928 empfing er dann – er hatte sich zu einem persönlichen Einkehrtag zurückgezogen - die Inspiration für das Opus Dei: „er sah“ – so drückte er sich gewöhnlich aus, wenn er davon sprach - Menschen, die mitten in der Welt leben, Angehörige unterschiedlichster Berufe und sozialer Schichten, die konsequent Christus nachfolgen. Ab diesem Augenblick war es sein unermüdliches Bestreben zu erreichen, dass der Ruf zur Heiligkeit und zu Apostolat unter jungen Menschen verbreitet wird, mit dem Ziel, dass durch sie Christus zu anderen gelangt, auch in Bereichen der Gesellschaft, die entchristlicht sind oder zu denen die Botschaft des Evangeliums nie gelangt ist. Sehr bald begann er in Absprache mit der jeweiligen kirchlichen Hierarchie, junge Männer und Frauen in andere Länder zu senden.

Von Anfang an war für ihn klar, dass dafür auch Priester nötig sind, die ihnen priesterlich beistehen. Er hat auch die Ehe, ebenfalls im Sinne einer konsequenten Nachfolge Christi, als echte „Berufung“ verkündet.

Die Botschaft, die der hl. Josefmaría empfangen und verbreitet hat, ist und bleibt von größter Aktualität, auch hier und für uns. Wenn wir die Situation in unseren Pfarrgemeinden ehrlich in den Blick nehmen, erkennen wir, dass nur mehr ein kleiner Teil der Bevölkerung regelmäßig am pfarrlichen Leben aktiv teilnimmt. In vielen Häusern brennt kein Licht mehr, in vielen Bereichen der Gesellschaft und der Arbeitswelt stellen die Christen nur mehr eine kleine Minderheit dar. Papst Franziskus spricht in Evangelii Gaudium, im Grunde genommen auch in Amoris  Laetitia von der Notwendigkeit eines neuen Aufbruchs. Er setzt bei dem an, was der hl. Papst Johannes Paul II. nach Beendigung des Heiligen Jahres 2000 in „Novo Millenio Ineunte“ als notwendiges Regelwerk der Pastoralpläne im 3. Jahrtausend erkannt hat und das entsprach im Wesentlichen dem, was schon das II. Vatikanische Konzil gelehrt hat. Der hl. Josefmaria hat immer betont, dass das einzige Ziel des Opus Dei darin besteht, der Kirche zu dienen und dass das Opus Dei selbstverständlich nicht der einzige Weg ist, aber das, was ihm damals, im ersten Drittel des 20.  Jahrhunderts als Einsicht gewährt wurde, waren wesentliche Aspekte kirchlicher Wirksamkeit in den Gegebenheiten unserer Zeit, es war auch, in mancher Hinsicht, Pionierarbeit für das II. Vatikanum.

In der 2. Lesung der Messe zur Verehrung des hl. Josefmaría sind die Worte aus dem Römerbrief enthalten: „Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, sodass ihr euch immer noch fürchten müsstet, denn ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen Gottes macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba Vater!“ Der hl. Josefmaría hat im Laufe seines Lebens viele Schwierigkeiten durchgemacht: manchmal erlitt er bittere materielle Not, oft erfuhr er Unverständnis und gelegentlich war er einsam, einige Male wurde er regelrecht verfolgt. Er aber war fest in Gott verankert, suchte Gott in allen Situationen seines Lebens, ganz besonders auch in den Schwierigkeiten und entdeckte gerade so die Realität der Nähe Gottes und der Verbundenheit mit Jesus, der am Kreuz sein Leben hingegeben und den Tod besiegt hat. Es wurde zu einem Wesensbestandteil der Botschaft des hl. Josefmaría, dass jenen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht. Seine Haltung war getragen vom Glauben und schon von der Grundlegung her positiv und von Zuversicht erfüllt. Gerade so wurde er zu einem unermüdlichen Motor, der alle anspornte, auch dann, wenn die Herausforderungen groß waren und die Verhältnisse schwierig.

Es ist eine Botschaft, die wir gerade in der Situation der Seelsorge wie wir sie heute erleben, dringend brauchen. Wer auf Gott baut, hat immer Grund zur Hoffnung. Diese Sicht der Dinge betrifft auch unsere persönliche Begrenztheit und Schwachheit. Der hl. Josefmaría liebte das Bußsakrament als Weg zum inneren Frieden und als Kraftquelle für ein beharrliches Bemühen und eine nachhaltige Arbeit. Ganz ähnlich wie es Papst Franziskus tut, lehrte der hl. Josefmaría die Seelsorger, allen Gläubigen, die das Bußsakrament empfangen wollen, mit einem weiten, großen Herzen zu begegnen, und alle Gläubigen ermutigte er, sich die Umkehr nicht zu schwer zu machen: Er empfahl, ehrlich zu sein und aufrichtig, mit einem großen Vertrauen in die Barmherzigkeit des Herrn, der von jeder Krankheit heilen kann, sogar von Aussatz.

Der hl. Josefmaría ist ein guter Ratgeber, um auch in einer weitgehend oder total säkularisierten Welt als Christ zu leben und um in einer Zeit, wie wir sie heute erleben, als Priester oder als Laien wirksam zu werden.

Er hat Maria sehr verehrt und stand vielleicht gerade deshalb bis zu seinem Tod treu zu seinem Auftrag. Verehren auch wir sie, damit wir ebenfalls treu sind bis zum Tod.