Erntekrone
Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Predigt Gedächtnismesse Dr. Sepp Winklmayr

Lieber Weihbischof Anton,
lieber Herr Generalvikar,
liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pastoralen Dienste,
liebe Trauergemeinde,
liebe Familie und Angehörige!

Ein plötzlicher Tod, der viel zu früh kommt, total überraschend, ist für alle, die den Verstorbenen gekannt, geschätzt, mit ihm zusammengearbeitet haben, wie die Frage Jesu an Martha: „Glaubst du das?“ Sie antwortete ihm: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“ Er hatte vorher gesagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ Unser Glaube ist gefragt.

Sepp Winklmayr hat von Kindheit an der Kirche gedient: Er hat das Stiftsgymnasium in Seitenstetten besucht und Theologie in Innsbruck studiert. Anschließend war er Religionslehrer an der HAK in St. Pölten und von 1980 bis 1987 Pastoralassistent und Religionslehrer in Loosdorf sowie Jugendleiter im Dekanat Melk. Von 1981 bis 1987 war er zudem Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Katholischen Jugend und der Katholischen Jungschar; von 1987 bis 1989 Begleiter der Jugendleiter/innen. Ab 1989 wirkte er als Bildungsreferent, Kommunikations- und Bereichsleiter in der Caritas. Die Seelsorge war ihm ein echtes Anliegen.

Nach der Kanonischen Visitation, die ich in dieser Diözese durchzuführen hatte, und nach meiner Ernennung zum Diözesanbischof hat er mir einen Brief geschrieben, den ich lange bei mir griffbereit hatte, weil ich mit ihm sprechen wollte. Ich bin dann auf ihn zugekommen, da als Folge des sogenannten „Erneuerungsprozesses“ eine Neuordnung der Pastoralen Dienste vorgesehen war. Er wurde mir als Direktor vorgeschlagen und ich bin darauf eingegangen, obwohl ich vermutete, dass wir nicht in allen Fragen gleicher Meinung waren, aber ich wusste, dass ihm Seelsorge ein echtes Anliegen war, dass er die Situation der Pfarren gut kannte und kommunizieren konnte.

Ein Kennzeichen für ihn war Zuversicht. Die in dieser Messe verwendeten Schriftstellen wurden sehr gut ausgewählt: In der Lesung aus dem 1. Johannesbrief geht es zunächst um das Bewusstsein, dass wir Kinder Gottes sind. Sepp Winklmayr war fest im Glauben an Christus begründet und tief in ihm verwurzelt. Das ist es, was ihm Zuversicht gab trotz aller Schwierigkeiten, auch innerhalb der Kirche, und trotz aller Zeichen einer rasch fortschreitenden geistigen Verflachung, die sich ähnlich wie in weiten Teilen Europas auch in unserem Land ausbreitet.

Diese persönliche Verwurzelung im Glauben machte es ihm möglich, mit Zähigkeit und beharrlich seine Leitungsaufgabe wahrzunehmen und niemanden aufzugeben, auch keine seelsorglichen Bereiche. Das Anliegen der Barmherzigkeit, das im zweiten Teil der Lesung angesprochen wird, war ihm sehr wichtig und damit eng verbunden das Anliegen der Einheit. Diese Anliegen waren ihm wichtig für die Diözese und darüber hinaus. Ich freue mich, dass mehrere Äbte anwesend sind, auch der Pastoralamtsleiter der Diözese Linz, der derzeit der Vorsitzende der Pastoralamtsleiterkonferenz ist. Das sind Zeichen der Wertschätzung und der Freundschaft, auch ein Ausdruck der Verbundenheit in der Sorge um die Kirche heute und bei uns.

Ein weiteres Kennzeichen für den Verstorbenen ist in der Aussage zusammengefasst: „Meine Kinder, wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Taten und Wahrheit.“ Mir war – auch bei allen Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten immer bewusst, dass er es ehrlich meint und nicht nur Worte macht. Und so gab es zwischen uns – wie mir scheint – eine echte Wertschätzung und mehr als das. Es ist eine Verbundenheit entstanden mit ihm und seiner Familie.

Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt heute ganz besonders seiner Gattin und seinen Kindern. Er hat seine Familie geliebt und die Familie hat ihn geliebt und so können wir den Schmerz verstehen, den es für alle bedeuten muss.

So haben wir allen Grund dankbar zu sein, Gott und dem Verstorbenen gegenüber. Es ist richtig, wenn wir in dieser Stunde allem anderen voran beten. Das ist die beste Wohltat, die wir ihm erweisen können, und unsere wichtigste Reaktion auf seinen Tod. Zugleich ist es sicher auch richtig, auf sein Vermächtnis zu schauen und auf den Auftrag, der damit verbunden ist. Sein Leben sagt uns doch: Es braucht eine große Liebe zu unserer Diözese und zu allen Menschen, die hier leben; sicher erinnert uns dieses sein Leben zugleich an die Aufgabe, die uns in dieser unserer Zeit aufgetragen ist: Menschen zu Christus führen, damit Christus von ihnen erkannt und ihnen von ihm das Heil gebracht wird.

Bitten wir Maria um ihre Fürsprache für den Verstorbenen, für seine Familie, für die Diözese. Sie möge uns alle beschützen und uns allen beistehen.