Entzündung der 2. Kerze am Adventkranz
Krippenschau im Diözesanmuseum
Winterwald
 
 

Predigt Heilige Nacht 2016

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Heilige Nacht ist nicht bloß eine Idylle, sie ist viel mehr als das. Karl Rahner hat es einmal so formuliert: „Wenn du Weihnachten feierst, dann sag nur das eine: Jesus Christus, du bist da. Du bist gekommen. Du bist in alles gekommen. Selbst in meine Seele. Mensch, sag nur das eine, dann ist auch für dich Weihnachten, sag nur: Christus, du bist da. Und deine Liebe ist seitdem unbesieglich. – Christus ist da. Es ist Weihnachten. Zündet die Kerzen an. Sie haben mehr Recht als alle Finsternis. Es ist Weihnacht, die bleibt in Ewigkeit.“

Es ist ein großes Geheimnis: Es geschah in einem verborgenen Winkel der Erde, nur von einigen wenigen Menschen beachtet, und trotzdem ist ausgehend von dieser Geburt. Vieles und Großes entstanden, wenn auch oft unter Verfolgungen und mit vielen Auf und Ab.

Derzeit scheint der Glaube bei uns und in der Mehrzahl der Länder Europas, auch in mehreren anderen an sich seit langem christlichen Ländern rückgängig. Das zeigt sich auch bezüglich der Art, wie Weihnachten gefeiert wird. Weihnachten ist zwar in aller Munde, die meisten haben einen Christbaum, beschenken sich gegenseitig, feiern es, aber es fehlt der Bezug zu Gott, der Mensch wird, um uns zu erlösen; es gibt kein „Christus, der Retter ist da!“ Das ist eigentlich gar nicht Weihnachten.

Trotzdem ist er da, sein Licht leuchtet, auch bei uns. Es gibt schon auch Glaubende, und gar nicht so wenige. Gerade in der Weihnacht sind die Kirchen voll. Sehnsucht ist bei vielen vorhanden. Ob es zu einer echten Weihnacht kommt, hängt aber nicht davon ab, ob viele oder wenige an ihn glauben.

Zum Geheimnis Gottes gehört, dass er Mensch wird, so dass Jesus sagen kann: „Wer mich sieht, sieht den Vater“. Gott begibt sich auf die Suche nach den Menschen. Siluan vom Berg Athos hat es so ausgedrückt: „Der Herr selbst sucht den Menschen, ehe der Mensch ihn sucht“. Und wenn wir über die Kirche nachdenken, wird uns bewusst: Er sucht bis ans Ende der Zeiten jeden Einzelnen, kommt zu allen, die ihn aufnehmen.

Durch Taufe, Firmung, Bußsakrament, Eucharistie kann er – den Glauben an ihn und die entsprechende Lebensweise vorausgesetzt – beim Einzelnen zur Welt kommen, geboren werden. Benedikt XVI. hat einmal zu Seminaristen gesagt, dass durch die Eucharistie die Menschwerdung des Gottessohnes gewissermaßen vollendet wird.

Er ist da. Durch die Kirche wird die Menschwerdung Gottes gewissermaßen fortgesetzt und aktualisiert. Er kommt zur Welt, auch jetzt und heute.

Es ist aber noch etwas zu bedenken: Zum Geheimnis Gottes und seiner Schöpfung sowie der Menschwerdung des Sohnes und der von ihm vollzogenen Erlösung gehört auch, dass der Mensch frei ist und frei bleibt.

Weihnachten schenkt Jesus, der von sich gesagt hat: „Ich bin die Tür“; er ist die Tür zum Reich Gottes. Die Hirten in Betlehem hören vom Engel die Botschaft: „Ich verkünde Euch eine große Freude, heute ist euch der Retter geboren“. Aber der Mensch ist und bleibt frei. Und so geschieht es, wie bereits durch den Propheten angekündigt, dass viele ihn zwar sehen, aber nicht erkennen, ihn hören, aber nicht verstehen. Und morgen bei der Messe vom Tag werden wir einmal mehr das zum Nachdenken bewegende Wort vernehmen: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“

Es ist wahr, dass sich bei uns viele von ihm abwenden, manchmal fast ohne es selbst zu merken, oft auch nicht explizit; sie wissen aber gar nicht mehr, wer er ist, was er gesagt und was er getan hat bzw. was das alles bedeutet. Wahr ist aber auch, dass viele um des Glaubens Willen den Tod erleiden. Wahr ist, dass hier und dort viele auf ihn hören, ihn aufnehmen und im Herzen tragen, Zeugen seiner großen Liebe sind, Träger seines Lichtes.

Das Ereignis der Geburt Jesu ist wie ein Stern, der in der Nacht den finsteren Himmel immer erleuchtet, er bleibt auch dann am Himmel, wenn manche oder viele ihn ignorieren, und auch dann, wenn unsere Zeit bedrängt wird von Hunger und Gewalt, Schicksalsschlägen oder Terror. Er ist da. Gottes Sohn unter uns. Sein Licht bedeutet Hoffnung und ist unauslöschbar.

Im Tagesgebet hieß es: „Herr, unser Gott, in dieser hochheiligen Nacht ist uns das wahre Licht aufgestrahlt.“ Dann wird die Bitte angefügt: „Lass uns dieses Geheimnis im Glauben erfassen und bewahren, bis wir im Himmel den unverhüllten Glanz deiner Herrlichkeit schauen.“

Das ist eine große und wichtige Bitte für uns selbst, für unsere Familien, Verwandten und Bekannten, für die Menschen unserer Zeit.

Aber die Bitte auszusprechen, ist noch zu wenig. Der hl. Paulus ermahnt uns: „Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten. Sie erzieht uns dazu, von der Gottlosigkeit und den uns fesselnden irdischen Begierden loszusagen, und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben, während wir auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten, auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus.“ So lautet das Gebot der Stunde: Sich betend dem Geheimnis der Geburt Jesu zuwenden, und zugleich fest entschlossen sein, christlich zu leben. So strahlt sein Licht auf, tragen wir dazu bei, dass es bei uns und auch bei anderen Weihnachten wird.

So wünsche ich Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest mit dem Frieden Jesu Christi im Herzen, mit der Freude über seine Geburt und der entschiedenen Haltung jener, die ihm ernsthaft begegnet sind. Mögen uns Maria und Josef beistehen, damit wir christlich leben und so unser Leben erfüllt und fruchtbar sei.