Entzündung der 2. Kerze am Adventkranz
Krippenschau im Diözesanmuseum
Winterwald
 
 

Predigt Jahresschlussandacht 2015

Liebe Brüder und Schwestern!

Ein bewegtes Jahr liegt hinter uns. Mehrmals haben uns Schreckensnachrichten aus anderen Ländern erreicht: von Terror und Krieg, auch von schrecklichen Christenverfolgungen. Und was uns alle beschäftigt hat: das ist der gewaltige Flüchtlingsstrom, der ein Ausmaß erreicht hat, das wir uns vor einem Jahr nicht hätten vorstellen können. 

Kirchlich gab es eine ganze Reihe von außerordentlichen Ereignissen: Papst Franziskus hat im März ein außerordentliches Heiliges Jahr, ein Jahr der Barmherzigkeit, angekündigt, das am 8. Dezember bereits eröffnet worden ist. In der Öffentlichkeit sehr präsent waren die Vorbereitungen und die Durchführung der Bischofssynode über die Sendung der Familie heute. Zudem fand im Herbst das Weltfamilientreffen mit 1 ½ Millionen Teilnehmern in Philadelphia statt.  Besondere Aufmerksamkeit in der Weltöffentlichkeit hat die Enzyklika Laudato si erweckt, die gewissermaßen als kirchliche Vorbereitung des Weltklimagipfels in Paris gedient hat.

Gesellschaftspolitisch gab es, abgesehen vom Wunsch der Regierung und der EU, in adäquater Weise auf das Flüchtlingsproblem zu reagieren und die derzeitigen wirtschaftlichen Herausforderungen anzugehen, auch in dem zu Ende gehenden Jahr ein Ringen um die Klärung einiger den Lebensschutz und die Familie betreffende Fragen: Die wichtigsten Themen waren das Fortpflanzungsmedizingesetz, die neu aufgeflammte Debatte über assistierten Suizid und die Bewilligung der Adoption für homosexuelle Paare. 

Insgesamt haben wir – so scheint mir – viele Gründe, Gott zu danken, weil wir trotz aller Kriegswolken am Horizont ein weiteres Jahr in Frieden leben durften, uns trotz mancher wirtschaftlicher Probleme eines beachtlichen Wohlstandes erfreuen und im Zusammenhang mit den Flüchtlingen gerade auch kirchlicherseits gut reagiert haben. Anfangs war die diesbezügliche Reaktion aus verschiedenen Gründen eher zögerlich, aber dann haben sich Pfarren, Klöster, Gläubige in unterschiedlichen Konstellationen immer stärker dem Anliegen geöffnet und viel geleistet. Besonders hervorheben möchte ich den Einsatz der Caritas und einiger diözesaner Stellen und Einrichtungen. Es hat mich wirklich gefreut, beobachten wie sich die Flüchtlingshilfe entwickelt hat. Viele tun mit. Da kann nur sagen: Vergelt’s Gott!

Jeder Jahreswechsel ist auch eine Anfrage. In einem der Gebete, die in der Liturgie zum Jahresbeginn gerne verwendet werden, heißt es: „Gott, Du bist ohne Anfang und ohne Ende: Alles, was ist, kommt von Dir. Wir weihen Dir das Neue Jahr.“ Was erwartet uns? Oder konkreter: Was erwartet Gott von uns?

Die Flüchtlingsproblematik wird uns sicher weiter fordern und auch unabhängig von den Entscheidungen der Politik werden wir jenen, die in Not sind, weiterhelfen, ohne eine obere Grenze festzulegen. Wir werden jene, die kommen, in ihren Glaubensüberzeugungen respektieren, prinzipiell immer offen sein für alle, wenn sie wirklich in Not sind, aber wir werden ihnen doch auch deutlich machen, dass wir von ihnen den gleichen Respekt auch für unsere Kultur, unseren Glauben erwarten, wenn wir sie bei uns aufnehmen.

Das von Papst Franziskus ausgerufene Jahr der Barmherzigkeit scheint mir wie eine Fügung: Einerseits sind wir aufgefordert, großzügig zu sein, gerade gegenüber Menschen in Not. Andererseits sind wir auch noch in einem anderen Sinn persönlich angesprochen. Die Aufforderung von Papst Franziskus ein solches Jahr der Barmherzigkeit auszurufen, hat meines Erachtens einen geradezu prophetischen Charakter. Gott spricht uns an, klopft an unsere Türen, ladet uns ein, weckt auch unser Verantwortungsbewusstsein. In den vorweihnachtlichen Tagen sagte Papst Franziskus „ Gott will, dass alle gerettet werden. Deshalb ist es so wichtig, dass alle umkehren.“

Alle sollten wir dieses außerordentliche Hl. Jahr als Chance und Anliegen betrachten, persönlich an den Abenden der Barmherzigkeit teilnehmen und andere dazu mitnehmen, die Jubiläumskirchen aufsuchen, uns besinnen und andere einladen, dasselbe zu tun. Papst Franziskus betont die Bedeutung des Bußsakramentes für das persönliche Bemühen um ein echtes Christsein. Gerade dann, wenn wir unser Herz öffnen und unsere Schwierigkeiten und Fehler aufrichtig aussprechen, erfahren wir Gottes Barmherzigkeit, erwacht neuer Mut, werden wir in unserem Bemühen bestärkt. Wer das Bußsakrament vernachlässigt, fällt fast unvermeidlich in die Gefahr von Lauheit. Wir sollten alle dafür beten, damit der Wunsch von Papst Franziskus in Erfüllung geht und gerade auch durch dieses Jahr der Barmherzigkeit ein neuer innerer Aufbruch bei vielen geschieht.

Es ist zu erwarten, dass Papst Franziskus im Laufe des kommenden Jahres – es kann auch ein wenig länger dauern – die Ergebnisse der Synode konkretisiert und uns Anregungen und Impulse zum Thema Familie vermittelt. Schon jetzt können wir beginnen. Dass die Familie für den Einzelnen, aber auch für Kirche und Gesellschaft, für jede Pfarre, jede apostolische Arbeit von größter Bedeutung ist, gehört sicher zu den wesentlichsten Ergebnissen der synodalen Beratungen. Daher liegen wir zweifelsohne richtig, wenn wir in der Pfarre, in den Gemeinschaften Initiativen zugunsten der Familie auf den Weg bringen, vorhandene weiterführen und verstärken, genauso wie es dringend nötig ist, sich all jenen zuzuwenden, deren Familien zerbrochen oder in irgendeiner Weise in Not sind. Das christliche Leben muss neu aufleuchten. Es geht nicht nur um den Empfang der hl.  Kommunion bei wiederverheiratete Geschiedenen. Es geht um mehr.

Schließlich möchte ich darauf hinweisen, dass im kommenden Juli in Krakau das Weltjugendtreffen stattfindet. Beten wir dafür und überlegen wir, wen wir auf unserer Umgebung darauf aufmerksam machen können. Es sollte eine ansehnliche Gruppe von Jugendlichen aus unser Diözese dabei sein.

Das Neujahr beginnen wir mit dem Hochfest der Gottesmutter Maria. Möge uns ihre Fürsprache in allem begleiten.