Erntekrone
Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Predigt Ostersonntag 2016

Aufgrund einer Erkrankung konnte Bischof Klaus Küng diese Predigt nicht halten. Sie liegt nur schriftlich vor.

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Ostersequenz schließt mit den Worten: „Ja, der Herr ist auferstanden, ist wahrhaft erstanden. Du Sieger, König, Herr, hab Erbarmen.“ Es ist eine frohe, besinnliche und doch zugleich geerdete Botschaft.

Mir hat einmal jemand gesagt: Mir geht es an Ostern wie bei manchen Beerdigungen, bei denen zu früh das Halleluja angestimmt wird. Man trauert um einen Verstorbenen, den man gerne gehabt und dessen Verlust eine schmerzhafte Lücke hinterlassen hat. Da ist es in der Regel, auch dann, wenn man gläubig ist, nicht so einfach, in Jubel auszubrechen.

Uns beschäftigen die Todeszeichen einer Gott abgekehrten Welt: Wir erleben die Hilflosigkeit der Weltpolitik vor dem Terrorismus und der Flüchtlingsproblematik und deren Ursachen wie Krieg, Armut, Klimawandel sowie die tieferen Hintergründe: oft ist es einfach Geldgier, die eine Rolle spielt, Skrupellosigkeit. Sie verkaufen Waren gegen Machtanspruch. Auch in der Kirche macht uns manches zu schaffen: die Jugend, die an vielen Orten keinen Zugang zum Glauben findet, der Mangel an Priester, die Situation nicht weniger Familien. Da fällt es nicht leicht, Halleluja zu singen.

Was bedeutet eigentlich Ostern? Papst Benedikt hat einmal sehr schön formuliert: „die Auferstehung ist weder ein Mythos noch ein Traum, weder eine Vision noch eine Utopie, sie ist kein Märchen, sondern ein einmaliges und unwiederholbares Ereignis: Jesus von Nazareth, der Sohn Marias, der begraben worden ist, hat siegreich Grab verlassen.“ Es geht also um die Auferstehung Jesu. Maria von Magdala sah, dass der Stein vom Grab weggewälzt; Petrus und Johannes fanden bestätigt, dass das Grab leer war. Jesus ist den Frauen und Jüngern begegnet. Es handelt sich aber nicht nur um ein historisches Ereignis.

Nochmals Papst Benedikt: „Seit dem Morgengrauen des Ostertages erfasst ein neuer Frühling der Hoffnung die Welt, mit jenem Tag hat unsere Auferstehung schon begonnen, denn Ostern ist nicht bloß ein Moment der Geschichte, sondern der Beginn eines neuen Zustands: Jesus ist nicht etwa auferstanden, damit die Erinnerung an ihn im Herzen seiner Jünger lebendig bleibt, sondern damit er selbst in uns lebt und wir in ihm schon die Freude des ewigen Lebens erfahren können.“

Der Osterglaube sagt uns, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Jesus selber hat gesagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ Aber auch das ist noch nicht der ganze Osterglaube. Wir hörten in der zweiten Lesung die Worte des hl. Paulus: „Ihr seid mit Christus auferweckt, darum strebt nach dem, was im Himmel ist“ danach folgt das geheimnisvolle Wort: „Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.“

Am Ostermorgen ist alles neu geworden. Die zentrale Strophe der Ostersequenz lautet: „Tod und Leben, die kämpften unbegreiflichen Zweikampf; der Lebensfürst, der starb, herrscht nun lebend.“ Die Auferstehung Jesu schenkt uns eine begründende Freude, weil er die Ursache des Todes besiegt hat, nämlich die Sünde. Verbunden mit ihm, dem Auferstandenen, können wir ebenfalls die Sünde überwinden: Sie wird uns vergeben als Frucht der Erlösung und wir empfangen seine Hilfe.

Ja, aber die Todesschatten, von denen anfangs die Rede war, sind doch weiterhin vorhanden? Das ist wahr, aber der Glaube an Christus gibt uns den Weg an und sagt uns, dass er – Christus – am Ende immer siegen wird, selbst dann, wenn die Prüfungen sehr hart sind und viele ihr Leben lassen, so wie Jesus selbst das Leben gelassen hat, und wenn auch manche Problemstellungen sehr groß sind und komplex sind. Aber gerade das Wissen, dass Gott mit uns ist, dass das Geheimnis der Erlösung insbesondere durch die Eucharistie mit seinem Leiden und Sterben sowie seiner Auferstehung gegenwärtig ist, sagt uns, dass es Grund zur Hoffnung gibt. Paulus kommt sogar zur Schlussfolgerung: „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark“ (vgl. 2 Kor 12, 9-10). Wenn unsere Fehler und Schwächen sowie die Schwierigkeiten, denen wir begegnen, dafür auslösend sind, dass wir Christus suchen, auf ihn bauen, dann überwiegen immer klarer Er, seine Kraft, seine Liebe. So wird unser Leben in ihm begründet. Zudem muss uns schon auch bewusst sein: Er hat den guten Kampf siegreich bestanden, das erspart uns aber nicht, dass wir kämpfen. Unser Mittun, unser Einsatz sind gefragt.

Nochmals Benedikt der XVI: „Wenn Christus auch durch sein Pascha die Wurzel des Übels ausgerottet hat, so braucht er doch Männer und Frauen, die ihm zu jeder Zeit und an jedem Ort helfen, seinen Sieg mit seinen eigenen Waffen zu behaupten: Mit den Waffen der Gerechtigkeit und der Wahrheit, mit den Waffen der Barmherzigkeit, der Vergebung und der Liebe.“ Papst Benedikt erwähnt die Worte des Psalmes 139, die sich in Christus als Folge der Auferstehung bewahrheiten und ganz real geworden sind: „Auch die Finsternis ist für dich nicht finster, die Nacht leuchtet wie der Tag.“

Wir sollen also froh sein, optimistisch und bereit, uns mit Christus zu vereinen. Mit ihm werden wir siegen.