P. Clemens Hainzl OSB und Ministranten mit Adventkranz
Krippenausstellung im Diözesanmuseum
Adventmarkt
 
 

Radioansprache Karfreitag 2016

Liebe Hörerinnen und Hörer!

Vor kurzem war ich in einer Ausstellung zum Jahr 1945. Was hier in einer guten Dokumentation über Tod, Leid, Unrecht, Ohnmacht und Zerstörung aufbereitet wurde, mit persönlichen Schicksalen, ist  nicht beschreibbar und zutiefst erschütternd.

Im Vergleich dazu leben wir heute in einer unglaublich reichen und freien Welt; in einer Welt – das sollten wir nie vergessen - die aus dem Leid und der Not so vieler unserer Mitbürger entstanden ist, und die von ihnen aus dem Nichts und aus dem größten Elend und der Trauer wieder aufgebaut wurde.

„Denke an die Tage der Vergangenheit, lerne aus den Jahren der Geschichte“, heißt es im Lied des Mose in der Bibel.

Die Terrorakte der Gegenwart, die Kriege und die nicht bewältigte Flüchtlingsproblematik machen uns bewusst, dass keine Zeit vor Unglück gefeit ist. Trotzdem gibt es Hoffnung.

Vor 2000 Jahren ist der allmächtige Gott in Jesus als Mensch auf die Welt gekommen. Jesus ist schon mit 33 Jahren gestorben – er wurde verfolgt, gefoltert, hingerichtet, getötet. Es schien alles Aus und Vorbei.

Am Tag seines Sterbens – heute, am Karfreitag – hat Er aber zu einem Verurteilten neben ihm gesagt: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“.

Jesus hat gewusst, dass durch sein Leiden nicht alles vorbei ist, sondern dass alles neu beginnen wird. Er hat durch seinen eigenen Tod für uns eine Tür geöffnet. Er will unsere persönlichen Schicksalsschläge und Wunden heilen, unsere Zerstörung in Heil und unsere Frustration und Ängste in Zuversicht und Hoffnung verwandeln, unseren Hass in Liebe.

Seine weitausgebreiteten Arme im Jahr der Barmherzigkeit sind eine Einladung. Ich lade Sie ein, die verschiedenen Angebote in unseren Pfarrkirchen wahrzunehmen.

Der Karfreitag will uns mit dem Blick auf das Kreuz, auch auf das je eigene, real zeigen, dass letztlich die Annahme von Leiden und Tod auch im eigenen Leben verwandelnde Kraft hat; dass Krise und Tod nicht das letzte Wort haben, dass Neues erblühen kann, dass unser persönliches Leiden vor Gott, der gerecht ist, trotz aller tränenüberströmten Fragezeichen mit der Hilfe Christi in die Erkenntnis mündet: „Es wird alles gut.“ Er kann uns mit Gott versöhnen, auch mit uns selbst und den Anderen. So wird auch inmitten von Angst und Terror ein echtes Osterfest möglich, und das wünsche ich Ihnen.