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NÖN - Kommentar Juli 2017 - "Ehe für alle" wäre keine Ehe mehr

Die Wahrheit wird Euch frei machen

„Mache deine Kirche zu einem Ort der Wahrheit und der Freiheit“, so betet die Kirche in der heiligen Messe. Wahrheit und Freiheit, das sind generell zwei wesentliche Dinge, für die ganze Gesellschaft, denn sie geben ihr ein solides Fundament. Da geht es auch um die Bereitschaft, fehleranfällige Ungeduld bei Vorhaben zu zügeln, fähig zu sein zu Selbstkorrekturen und zum Lernen, und vor allem gehört dazu, den Dingen wirklich auf den Grund zu gehen.

Die Grundwerte von Wahrheit und Freiheit helfen der Gesellschaft sich selbst immer besser zu erkennen. Sie sind auch das Gegensatzpaar zu Propaganda und ideologischem Zwang.
Die Demokratie an sich ist eigentlich ein idealtypische Ort, an dem die Suche nach der Wahrheit von allen Seiten, mit den besten Argumenten, mit faktenorientiertem Wissen und frei von Zwang vor sich gehen kann. Gerade dort, wo es um das Menschsein selbst, um ethisch sensible Fragestellungen geht, kann dieses gemeinsame Ringen nach guten Antworten ein Vorbild für alle sein. Ethisch heikle Fragestellungen eignen sich auch nicht zur Mehrheitsbeschaffung oder legitimieren sich nicht durch Mehrheitsbeschlüsse. Es braucht da viel mehr: Es geht um die Entwicklung der ganzen Gesellschaft: Was hat wie und welche Wirkungen, gute und schlechte. Was ist der Zweck, taugen die Mittel, zerstöre ich oder baue ich auf, geht es um Partikularinteressen oder um das große Ganze?
Das alles kann ein sehr fruchtbarer Prozess sein, der hilft, schwierige Herausforderungen in ihrer Gesamtheit zu sehen und danach zu handeln.

Auch die Sprache selbst ist immer Teil der Wahrheitsfindung, sie kann aber auch manipulativ wirken. So gibt es z.B. eigentlich keine „Öffnung“ der Ehe, sondern es gibt nur ihre Umdefinierung und damit Wesensänderung. Aber das ist dann eben keine Ehe mehr, auch wenn man es zig-fach so betonen würde, sondern ein reines Rechtskonstrukt. Generell ist es nicht sinnvoll, außerrechtliche Partikularinteressen mit Hilfe staatlicher Gesetze zum verbindlichen Maßstab für alle zu machen. Das ist meines Wissen weder eine Frucht der Aufklärung, noch hilft es bei der Suche nach Wahrheit und Freiheit. Hier liegt - zum Wohl aller - eine große Verantwortung der politischen Entscheidungsträger.