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NÖN-Kommentar März 2017

Im Mittelpunkt soll immer der Mensch stehen

In letzter Zeit sind mir einige Pressemeldungen in die Hände gefallen, in denen beklagt wurde, dass sehr zweifelhafte Projekte mit Steuergeldern gefördert werden, oder dass der Staat immer mehr Einschnitte dort vornimmt, wo persönliche Lebensbereiche und familiäre Infrastrukturen des Menschen betroffen sind.

So gibt es öffentliche Förderungen für Jugendinfos, auch durch Ministerien, die mittels „gar nicht so lieber“ Broschüren eine Form der Sexualerziehung vorantreiben, die durch Inhalt und pornographieaffine Darstellung die Würde der Person, von Intimität und Scham, völlig vergisst und letztlich einer Kultur des Missbrauchs Vorschub leistet. Das ist keine Unterstützung der Bemühungen vieler Familien, sondern konträr zur Freude der Liebe und zu christlichen Werten, das schadet jungen Menschen und der ganzen Gesellschaft.

Auf der anderen Seite – so die Kritik - wird „die kleine Sozialstruktur“, wenn man sie so nennen darf, immer mehr verunmöglicht. Babysitter brauchen nunmehr eine vielstündige Ausbildung, damit ihre Kosten von der Steuer abgesetzt werden können, Angebote sog. Leihomas werden nicht mehr gefördert oder die Tradition von Aupair-Kräften wird erschwert, da sie nur mehr wenige Stunden arbeiten dürfen.
 
Wir begegnen also immer wieder Schnittstellen zwischen staatlich und privat, zwischen Eigenverantwortung und Fremdbestimmung, und letztlich der Frage: welches ist die Aufgabe des Staates und öffentlicher Einrichtungen und wieviel davon ist vielleicht schon Bevormundung oder bisweilen manipulativ?

Mir kommt die Weisheit der katholischen Soziallehre in den Sinn: Im Mittelpunkt soll der Mensch stehen, so lautet sinngemäß eines der Grundprinzipien. Die Rolle der einzelnen Person, der Familie oder von kleineren Einheiten darf nicht durch andere weggenommen oder ersetzt werden, sie muss vielmehr gestützt werden. Denn es geht um das Gelingen von Selbstverwirklichung, für den Einzelnen, für die Familie und für die Gesellschaft als Ganzes.
Auf diesen Prüfstein sollten wir immer wieder die konkrete Umsetzung neuer Vorhaben stellen, denn sie wollen vielfach Gutes, bewirken im Ergebnis aber auch Schlechtes.