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Predigt Chrisammesse 2017

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst,
liebe Firmlinge,
liebe Brüder und Schwestern!

Vor einiger Zeit hatte ich ein Gespräch mit einem jüngeren Mitbruder, der an sich ein guter Pfarrer mit zwei größeren Pfarrgemeinden ist, aber in letzter Zeit mit Entmutigung zu kämpfen hat. Auf meine Frage, wie es ihm geht, gab er mir zur Antwort: „Das, was ich den Leuten geben möchte, wollen sie nicht haben, und für das, was sie von mir möchten, bin ich eigentlich nicht Priester geworden. Können Sie das verstehen?“ Ich gab ihm zur Antwort: „Ich kann das sehr gut verstehen.“ Ich versuchte dann ein wenig entgegen zu halten. Ich sagte zu ihm: „Aber gibt es nicht doch auch immer wieder Überraschungen, in dem Sinn, dass jemand plötzlich auftaucht, der seit langem nach dem gesucht hat, was für Dich wesentlich ist?“ Er gab zu, dass das schon auch wahr ist. Wir sprachen dann weiters darüber, dass es sicher auch in seinen beiden Pfarren manche, wahrscheinlich gar nicht wenige gibt, die eigentlich Suchende sind, obwohl es ihnen vielleicht gar nicht bewusst ist. Möglicherweise suchen sie das, was sie eigentlich suchen, dort wo sie es nicht finden, was geradezu tragisch sein kann und nicht selten in große Not führt.

Wir stehen vor großen Herausforderungen. Das priesterliche Leben selbst ist in dieser Zeit und unter den derzeitigen Bedingungen eine Herausforderung.

Vor einigen Tagen stieß ich bei einem Besuch der Kartause Aggsbach auf eine Regel des hl. Bruno, die lautet: „Unser Bemühen und unsere Berufung besteht vornehmlich darin, uns dem Schweigen und der Einsamkeit der Zelle zu widmen. Denn die Zelle ist das Heilige Land und der Ort, wo der Herr und sein Diener sich häufig miteinander unterhalten, wie jemand mit seinem Freund. Oft zieht dort das Wort Gottes die treue Seele an sich …“ und in einer anderen Kartäuserregel heißt es: „Wenn wir daher wirklich Gott anhangen, verschließen wir uns nicht in uns selbst. Im Gegenteil: Unser Geist wird offen und unser Herz wird weit, sodass wir das ganze Weltall und das Heilsmysterium Christi zu umfassen vermögen. Getrennt von allen, sind wir eins mit allen, damit wir stellvertretend für alle vor dem lebendigen Gott stehen.“

Wir sind zwar keine Kartäuser, aber ich dachte, das hätte ich meinem Mitbruder auch noch sagen sollen und alle sollten wir es bedenken.

Die Aufgabe des Priesters ist wichtiger denn je, und es ist eine schöne Aufgabe.

In der Chrisammesse werden vier Fragen an die Priester gerichtet.

Die erste betrifft die Feier der Mysterien Christi in gläubiger Ehrfurcht, die zweite bezieht sich auf den Dienst am Wort Gottes und die Verantwortung, die damit verknüpft ist, die dritte hat die Liebe zu den Armen und Kranken, zu den Heimatlosen und Notleidenden im Blick und die vierte bezieht sich auf den Priester selbst.

Alle vier sind große Herausforderungen, zugleich sind sie faszinierend.

Es ist die besondere, unersetzbare Aufgabe des Priesters, die Mysterien Christi zu feiern. Das wird immer so bleiben, auch wenn es bei uns nicht mehr so viele Priester gibt. Es geht darum, das Geheimnis Jesu Christi, das Geheimnis seines Leidens und Sterbens sowie seiner Auferstehung, das Geheimnis seiner Gegenwart durch die Kirche und in ihr zu hüten, zu pflegen und zu lieben, mit dem großen Verlangen, dazu beizutragen, dass dieses große Geheimnis auch von anderen entdeckt wird.

Das große Problem besteht darin, dass in unseren Pfarren die Kinder oft arm sind, weil sie von zuhause an Religiösem wirklich nichts mitbringen, in der Familie in religiöser Hinsicht keinerlei Rückhalt haben. Und die Erwachsenen sind oft tatsächlich religiös ahnungslos. Sie wissen nicht, welche Schätze wir/sie durch den Glauben an Gott, an Christus in der Kirche haben. Und wir selbst sind ohnmächtig, oft auch überfordert. Die Mysterien Christi feiern, sie vermitteln ist ein großes Thema. Mit Recht bitten wir den Heiligen Geist: „Entzünde in uns das Feuer deiner Liebe“.

Der zweite Punkt betrifft die Verkündigung: Sie ist in unserer Zeit ohne Zweifel eine große Herausforderung. Nicht wenige Menschen scheinen für das Religiöse keine Antenne mehr zu haben und doch sind gewisse Sehnsüchte bei fast allen vorhanden. Wir müssen alle Gelegenheiten nützen, vor allem das Schöne und Große anzusprechen, das durch Gottes Wort vermittelt und durch den Glauben an Christus und durch seine Sakramente ermöglicht wird. Papst Franziskus ist dafür ein großes Vorbild, auch wie er es versucht und keinen Anlass auslässt. Nach und nach werden wir Menschen gewinnen, die mit dem Glauben voll und ganz identifiziert sind und dadurch ihr eigenes Charisma zu leben beginnen - am Arbeitsplatz, in der Familie - und so auch zu sehr effizienten Mitarbeitern des Priesters werden.

Auch der dritte Punkt ist wichtig: Für die kranken und alten Menschen, für die Heimatlosen (dieses Wort ist mehrdeutig) und die in Not Befindlichen da sein. Dazu gehört, Wege finden, wie wir erreichbar sind und für Gespräche verfügbar trotz vielfältiger Verpflichtungen. Das ist für Papst Franziskus eine eindeutige Priorität. Es ist sein großes Anliegen, den Menschen in Not beizustehen, ihnen Heimat zu geben und Hoffnung zu vermitteln. Oft spricht er über Beichte. Sogar als Erzbischof war er für Beichtgespräche gerne verfügbar.

Der vierte Punkt ist so wichtig wie die drei erstgenannten: Sich mit Christus, dem Hohenpriester, täglich enger zu verbinden. Wir müssen sehr wachsam sein, dass wir im Laufe der Jahre als Priester nicht nur nicht verflachen, sondern im Gegenteil uns vertiefen und innerlich wachsen. Es ist kein Luxus, sondern unbedingt notwendig, für das Gebet und für das spirituelle Leben genügend Zeit aufzuwenden. Es ist das Problem vieler Menschen, dass sie dafür keine Zeit haben. Der Priester muss gerade darin Vorbild sein, dass er sich für das Gebet ausreichend Zeit nimmt und den persönlichen Empfang der Sakramente nicht aufschiebt. Es ist auch notwendig, sich für jährliche Besinnungstage Zeit zu nehmen und, möglichst auch, für eine regelmäßige Einkehr, vielleicht sogar monatlich.

Aber wie ist das alles möglich? Es ist nur dann möglich, wenn wir entsprechende Prioritäten setzen und diese verteidigen und wenn wir auch im anderen Christen Liebe wecken. Sie finden sich. Es ist schön, dass bei der Chrisammesse die Firmlinge da sind. Sie sind die Zukunft. Bei Jung und Alt muss Liebe erwachen, Liebe zur Eucharistie, zum Wort Gottes, Liebe zur Jugend, Liebe zu den Familien, so dass von ihnen Verantwortung für die anderen übernommen wird. So entstehen Gebetskreise, Familiengespräche, so nehmen sie sich der Erstkommunionkinder an, so wird das Licht in den Häusern entzündet.

Ich habe mir überlegt, was uns wohl Papst Franziskus sagen würde, wenn er heute da wäre. Sicher würde er uns ermutigen und uns sagen, dass bei uns in der Diözese St. Pölten im Vergleich zu vielen anderen Ländern die Voraussetzungengut sind, dass wir Vertrauen haben sollen in die Hilfe des Herrn, und dass es gelingen wird, eine neue Blüte in der Kirche zu erreichen. Wahrscheinlich würde er schließlich noch hinzufügen, wir sollten nicht darauf vergessen, dass die Fürsprache Mariens allmächtig ist.