Bischof Schwarz weiht den Altar der Pfarrkirche Mank
Heiliger Nikolaus
Adventkranz
 
 

Predigt Christtag 2017

Liebe Brüder und Schwestern!

Weihnachten ist ein Fest, das mit Hoffnung erfüllt: sowohl in Bezug auf den eigenen Weg und die eigene Lebensaufgabe als auch in Bezug auf die Kirche, selbst dann, wenn manchmal gegenläufige Entwicklungen den einzelnen Christen und der Kirche insgesamt sehr zusetzen. Die Grundlage dieser Hoffnung ist die Menschwerdung des Gottessohnes und das Werk der Erlösung, das er bewirkt hat. 

Die Worte des Propheten, die wir in der 1. Lesung jedes Jahr am Weihnachtstag vernehmen, reichen in ihrer Bedeutung bis in unsere Gegenwart, ja, bis ans Ende der Zeiten: „Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt, der zu Zion sagt: Dein Gott ist König.“ Dann heißt es weiter unten: „Der Herr tröstet sein Volk, er erlöst Jerusalem.“ Die Botschaft bezieht sich aber nicht nur auf Jerusalem. Es folgen die Worte: „Der Herr macht seinen heiligen Arm frei vor den Augen aller Völker. Alle Enden der Erde sehen das Heil unseres Gottes.“ 

Aber laufen die Dinge nicht doch ganz anders?, werden Sie vielleicht einwenden. Viele haben es aufgegeben, den Glauben zu praktizieren; Manche verlassen die Kirche und eine noch viel größere Zahl gehört zwar noch immer formell zur Kirche, kümmert sich aber nicht oder kaum um Gottes Gebote. Inzwischen ist es so weit, dass auch die staatliche Gesetzgebung immer häufiger von den christlichen Wertevorstellungen wegrückt. Die jüngsten Beispiele sind die so genannte „Ehe für alle“. Im Nachbarland wurde ein mögliches 3. Geschlecht eingeführt und man muss nur warten, bis das auch bei uns ohne Diskussion entschieden wird. In anderen Belangen besteht schon seit längerem ein unübersehbarer Kontrast zur christlichen Werteordnung, zum Beispiel, in der Gesetzgebung bezüglich Lebensschutz; das Gleiche gilt für die künstliche Befruchtung, bei der oft  die Einheit der Ehe nicht beachtet wird und das Töten von Embryonen fast zur Routine gehört. Wahrscheinlich wird auch die Leihmutterschaft kommen.

Das Weihnachtsevangelium  enthält das sehr ernste Wort: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Und Jesus selbst hat sogar gesagt: „Wird der Menschensohn, wenn er kommt, noch Glauben vorfinden?“ (Lk 18,8)

Trotzdem hat der Glaubende immer Grund zu Hoffnung, denn es heißt auch: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.“ Das ist das Frohmachende der Weihnachtsbotschaft, die uns sagt, dass wir trotz unserer Schwäche, trotz unserer Sündhaftigkeit zuversichtlich sein dürfen, denn dieser Jesus, dessen Geburt wir feiern, ist gekommen, um Himmel und Erde zu versöhnen. Und wir dürfen Hoffnung schöpfen trotz unserer Ohnmacht, die wir bisweilen erfahren, und trotz der Leiden, die wir manchmal zu tragen haben: Er ist zur Welt gekommen, damit wir nicht allein sind. Und  im Vertrauen auf seine Hilfe können wir den Weg gehen, den wir gehen sollen. Es ist der Weg, der uns zu innerer Freiheit und zu Gott führt.

Weihnachten schenkt uns  Hoffnung auch im Wissen um die schmerzhafte Tatsache, dass viele Gott einfach beiseiteschieben, Jesus ignorieren und die entsprechenden Werte missachten, ja, dass sogar ursprünglich christliche  Staaten in der Gesetzgebung nicht einmal mehr die natürliche Schöpfungsordnung beachten. Warum gibt es trotzdem Hoffnung?

Im Weihnachtsevangelium stehen auch die geheimnisvollen Worte: „Alles ist durch das Wort geworden.“  Und „Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geschaffen“. Das zeigt einen wichtigen Zusammenhang auf. Mit der Geburt Christ erreicht die Offenbarung Gottes, die schon mit der Entstehung der Welt begonnen hat, ihren Abschluss und  Höhepunkt. Zudem bringt seine Geburt den Menschen Hilfe, damit der Mensch, trotz persönlicher Schwachheit, dieser Offenbarung Gottes entsprechend leben kann.

Dabei ist zu bedenken: Wenn  die Menschen trotzdem Christus ignorieren, bleibt dennoch  wahr, was wahr ist. Und die Erfahrung zeigt es: Wenn nur einer oder eine die Stimme erhebt und die Wahrheit zum Ausdruck bringt, werden alle unruhig, oder fast alle, weil sie, in irgendeinem Winkel des Herzens auch selbst wissen, dass das Gesagte wahr ist, obwohl sie vielleicht heftig protestieren. Ein typisches Beispiel dafür ist die Abtreibung. Auch wenn manche oder viele es geradezu als „Recht“ verkünden, eine Abtreibung vornehmen zu können, bleibt die Tötung eines Kindes, ganz gleich ob gesund oder krank oder mit Beeinträchtigung, immer ein großes, schweres Unrecht, wie auch Papst Franziskus nicht müde wird zu betonen. Und die Ehe wird immer ein auf Dauer angelegter Bund zwischen einem Mann und einer Frau sein  mit der Offenheit für Kinder, die für ihre Identität und ihre Persönlichkeitsentwicklung Vater und Mutter brauchen, und zwar die eigenen. Wie das II. Vatikanische Konzil festgestellt hat: Es liegt nicht in der Willkür des Menschen festzulegen, was eine Ehe ist und welche Eigenschaften ihr zukommen, weil die Ehe dem Schöpferplan Gottes entspricht (GS Nr. 48).

Und gerade deshalb wird die Verkündigung immer Chancen haben, auch dann wenn die Verhältnisse sehr zerrüttet und dekadent sind. Denn die Botschaft Christi entspricht den Sehnsüchten, die der Mensch vom Schöpfer her im Herzen trägt, und der menschgewordene Gottessohn steht uns bei und hilft uns. Das Brot, das vom Himmel kommt, ist der gleiche Jesus, der in Bethlehem zur Welt kam. Er schenkt Nahrung und Kraft; um dem Willen des Schöpfers Gott zu entsprechen. Und „aus seinen Striemen wird uns Heil“. Er erlangt uns Vergebung und führt uns zum Leben.

Deshalb wird auch die Kirche immer ihre Aufgabe haben. In ihr kommt bis ans Ende der Zeiten Christus zur Welt und wirkt, trotz aller Schwächen derer, die seine Apostel und Glieder seines Leibes sind.

Wunderschön hat diese Zusammenhänge der hl. Augustinus ausgedrückt: „Sein stilles Kommen drängt uns wie ein lautstarker Anfeuerungsruf, auf dass wir lernen, reich zu werden in ihm, der sich arm gemacht hat für uns; auf dass wir die Freiheit finden in ihm, der für uns Knechtsgestalt angenommen hat; auf dass wir den Himmel besitzen in ihm, der für uns der Erde entsprossen ist.“

Weihnachten ist eine Einladung, Christus zu suchen, damit wir in ihm Kraft finden und Halt, bei ihm Brot empfangen für unsere Seele und Heilung für unsere Wunden. Weihnachten ist eine Einladung, unsere Freiheit als Christen ganz bewusst wahrzunehmen und im Verlangen nach einer noch größeren Freiheit unser Leben entsprechend zu gestalten, Weihnachten ist eine Ermutigung, für Christus und die Wahrheit Zeugnis abzulegen sowie die gute Nachricht weiterzugeben, dass Er von jeder Krankheit heilt, ja sogar den Tod überwindet.

Wenden wir uns an Maria, die Mutter des Herrn, damit sie uns ermutigt, ihren Sohn, Jesus Christus, erneut und wie sie aufzunehmen in unseren Herzen und alles zu tun, damit Er, das Heil der Welt, auch den anderen gebracht wird.