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Predigt Festmesse zu Ehren hl. Josefmaría Escrivá

Liebe Brüder und Schwestern!

Der hl. Josefmaría Escrivá war jemand, der immer in freundlicher, liebevoller Art zu einem konsequenten Christsein und zur Wirksamkeit als Christ ermutigt und sich diese positive Ausstrahlung bis ans Lebensende bewahrt hat, obwohl ihm im Verlaufe seines Lebens sehr viel Schweres widerfahren ist, so sehr, dass man sich fast unwillkürlich fragt, wie er das alles ertragen konnte. Wahr ist freilich auch, dass ihm eine unglaublich große Fruchtbarkeit zuteil geworden ist. Welches waren die Quellen, aus denen er seine Kraft geschöpft hat?

In den Schriftstellen, die an seinem Gedächtnistag verwendet werden, finden wir einige wesentliche Hinweise.

Am Anfang der 30er-Jahre hatte der hl. Josefmaría eine besonders schwere Phase: Am 2. Oktober 1928 hatte er erkannt, was Gott von ihm erwartete: Er sah damals bei einem Einkehrtag, den er für sich allein verbrachte, Menschen, die mitten in der Welt lebend Jesus nachfolgen, um seine Botschaft zu verbreiten. Sofort hatte er damit begonnen, junge Leute um sich zu scharen. Unter ihnen waren sehr bald – wie durch Gottes Fügung ihm zugeführt – mehrere Hochtalentierte und Fähige, aber sehr bald verflüchtigten sich alle diese Hoffnungen; einer nach dem anderen verschwand wieder wie er gekommen war. Und so befiehl den jungen Priester im Sommer 1931 ein besonderes Gefühl des Alleinseins. Er dachte außerdem, dass es wohl seine eigene Schuld war, wenn diese jungen Berufungen, auf die er so große Hoffnung gesetzt hatte, nicht beharrten. Er befand sich von neuem ganz am Anfang. Eines Tages – in mitten seiner innigen Gebete – empfing er eine neue Einsicht. Er vernahm die Worte des Psalms 2: „Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt.“ Er begann zu verstehen, dass die Schwierigkeiten, die er erfuhr, ihn nicht von Jesus entfernten, sondern im Gegenteil, ihn mit ihm, der sein Leben zur Rettung der Welt hingegeben hat, tiefer vereinten, und es begannen aus seinem Herzen die Worte zu quellen: „Abba, Vater, Abba, Vater, Abba, Vater“ im Sinne des hl. Paulus der an die Römer (2. Lesung) geschrieben hat: „So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und hiermit Erben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden.“ Das Bewusstsein der Gotteskindschaft wurde zu einem Grundzug im Leben von Josefmaría und in der Spiritualität des Opus Dei. Er lernte und lehrte, in allem Gott, den Vater, zu erkennen, in allem die Erfüllung seines heiligen Willens zu suchen, und auch dann, wenn etwas schwierig ist, zu bedenken: „omnia in bonum“, „jenen, die Gott lieben, gereicht alles zum Guten.“

Eng verbunden mit diesem Bewusstsein der Gotteskindschaft, die in der Taufe begründet wird, war für den hl. Josefmaría von Anfang an prägend eine große Liebe zur hl. Messe, die er schon viele Jahre früher, vor allem in der Zeit seiner Vorbereitung auf das Priestertum, zu lieben begonnen hatte. Das war für ihn der Weg, den er allen empfohlen hat: Er bemühte sich alles, was ihn bewegte, alle seine Sorgen und Anliegen, auch jene der Anderen Tag für Tag auf den Altar, auf die Patene zu legen, damit sie gemeinsam mit den Gaben der Kirche, Brot und Wein, Gott dargebracht und in Christis verwandelt werden. Bei der hl. Messe empfing er die meisten Eingebungen, in ihr fand er die Quelle seiner Kraft, Christus. Alle – Priester und Laien – hat er diesen Weg gelehrt, den Weg der die Verbundenheit mit Jesus, dem menschgewordenen Sohn Gottes, der uns erlöst hat, Tag für Tag von neuem begründet und bestärkt, der fähig macht, den Herausforderungen des Alltages zu begegnen und alles zu benützen, um sich und die anderen Gott zu nähern und alle Aufgaben – die angenehmen und auch die weniger angenehmen – wahrzunehmen mit den Blick auf Gott.

Im gleichen Jahr (1931) vernahm er am Fest der Verklärung bei der Feier der hl. Messe während der Wandlung, als er die konsekrierte Hostie zur Anbetung emporhob, in besonderer Weise das Wort Jesu: „Wenn der Menschensohn von der Erde erhöht ist, zieht er alle an sich.“ Es wurde ihm verdeutlicht, dass wir als Christen lernen müssen, Christus, „an die Spitze aller menschlichen Tätigkeiten zu setzen“. Er sah, dass Christus siegt und alle an sich zieht, wenn von Christen, Männern und Frauen die Arbeit tatsächlich geheiligt, das heißt, eng verbunden mit Jesus, als Bestandteil dessen, was Gott von uns erwartet, verrichtet wird. Das II. Vatikanische Konzil sprach von der „Consecratio Mundi“, von „der Heiligung der Welt“, die vor allem Aufgabe der Laien ist, als einem apostolischen Weg, der sich überall auftut, wo Christen tätig sind. Die gut verrichtete Arbeit ist dabei wie das Licht auf dem Leuchter, eine Wirksamkeit, die überall möglich ist, auch in einem völlig säkularen Umfeld. Aus diesem Grund wird in der Gedächtnismesse des hl. Josefmaría als erste Lesung die Stelle aus dem Buch Genesis verwendet, in der es heißt, das Gott der Herr, den Menschen nahm und ihn in den Garten Eden stellte, „damit er ihn bebaue und hüte“.

Und schließlich das Evangelium mit dem Auftrag Jesu: „Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus.“ Den hl. Josefmaría hat dieses Bibelwort das ganze Leben lang begleitet, der hl. Papst Johannes Paul II. hat es nach dem großen Jubiläum im Jahr 2000 in einem ganz ähnlichen Sinn verwendet. Es ist ein ständiger Auftrag, der von Papst Franziskus von der ersten Stunde seines Pontifikates an sehr eindringlich und in vielen Formen wiederholt wird: Es ist der Auftrag zu einem neuen missionarischen Aufbruch, der alle angeht: Bischöfe, Priester und Laien, Verheiratete und Unverheiratete.

Die Kraftquellen des hl. Josefmaría sind für jedermann und jede Frau, gerade in unserer Zeit sehr hilfreich. Es ist ein Weg, der jedem Menschen möglich ist. Zur Haltung der Gotteskindschaft gehört ja auch, dass in der eigenen Schwachheit und Kleinheit die Hilfe des Herrn gesucht wird. Der hl. Josefmaría selbst hatte eine große Liebe zum Sakrament der hl. Beichte, das er wöchentlich empfing. Für ihn war Ehrlichkeit Gott und sich selbst gegenüber – abgesehen von der Gottes- und Nächstenliebe die wichtigste Tugend. Er war davon überzeugt: Wenn wir ehrlich sind, gibt es für alles eine Lösung. Gott vergibt und hilft uns.

Zum Leben des Gründers des Opus Dei gehörte außerdem eine große Liebe zu Maria, die ihn im Bewusstsein der Gotteskindschaft bestärkte. Er liebte die Wallfahrten: Lourdes, Fatima, – er kannte Sour Lucia, die er mehrmals besucht hat –, Einsiedeln, Guadalupe. „Erweise dich als Mutter“, war seine beharrliche Bitte. Wenden auch wir uns an sie, dann wird uns die gleiche Erfahrung zuteil, dass sie seine Mutter, die Mutter Jesu, und auch unsere Mutter ist.