Entzündung der 2. Kerze am Adventkranz
Krippenschau im Diözesanmuseum
Winterwald
 
 

Predigt Gedenkgottesdienst Prl. Franz Schrittwieser

Liebe Trauergemeinde!

In seinem Testament beschreibt der Verstorbene Prälat Franz Schrittwieser seine Berufung. Ich zitiere wörtlich: „In seiner unbegreiflichen Liebe hat mich Gott zum Priester berufen. Diener in Liebe wollte ich sein und dadurch Christus in die Welt tragen.“ Und er fügt hinzu: „Viele Erfolge waren mir geschenkt und auch in leidvollen Ereignissen hat mir Gott immer ein frohes Herz bewahrt. Ich danke ihm für seine Nähe, die ich schon in dieser Welt erfahren durfte und für die vielen Menschen, denen ich begegnen durfte und durch die mir so viel Wohlwollen und Liebe geschenkt wurden.“

In diesen wenigen Sätzen scheint mir das Wesentlichste seines Lebens gut zusammengefasst. Vor dieser Beschreibung seiner Berufung findet sich im Testament ein schöner Hinweis auf seine Familie. Er schreibt: „Ich durfte in einer guten christlichen Familie aufwachsen, danke meinen Eltern und Geschwistern. Meine Schwestern, die ich in dieser Welt zurücklasse, empfehle ich dem ‚Guten Hirten‘. Vater, Mutter und Ernst (Schwager) sind mir ja bereits in die Ewigkeit vorausgegangen.“ Dann folgt ein Hinweis für die Neffen und Nichten: „Meine lieben Neffen und Nichten, sorgt für eure Eltern, soweit sie noch am Leben sind und seid auch euren Kindern gute Eltern. Vergesst euren Onkel und Großonkel nicht.“ Franz Schrittwieser war immer herzlich verbunden mit seiner Familie, insbesondere mit seinen beiden Schwestern, auch das gehört wesentlich zu seinem priesterlichen Leben.

Die erste wichtige Station seines priesterlichen Wirkens war der Aufbau der Pfarre St. Paul in Krems. Nach 3 Kaplansjahren in Ulmerfeld wurde er nach Krems-St. Veit versetzt, mit der Aufgabe, eine neue Pfarre aufzubauen. Nach 7 Jahren intensiver Arbeit wurde er dann 1974 tatsächlich Pfarrer von St. Paul. Das war seine erste große Liebe, die sein priesterliches Leben geprägt und die er bis an sein Lebensende hochgehalten hat. In diese Seelsorge hat der damals noch junge Priester sein ganzes priesterliches Herz hineingelegt; er bekam auch viel zurück. Als dann Bischof Zak, der großes Vertrauen in ihn hatte, 1988 mit der Bitte an ihn herantrat, die Leitung des Priesterseminars in St. Pölten zu übernehmen, fiel es ihm sehr schwer, die Pfarre zu verlassen.

Andererseits waren ihm das Wohl der Diözese und konkret die Priesterausbildung sehr wichtig und er hat sich mit großer Hingabe diesem neuen Arbeitsfeld gewidmet. Sehr bald kamen auch noch andere Aufgaben dazu: Es wurde ihm, mit dem Wunsch einer Neuausrichtung, die Ausbildung der Ständigen Diakone anvertraut. Ab 1989 war er der Geistliche Assistent der Caritas: Die gewaltigen Veränderungen der Caritas in den letzten 3 Jahrzehnten hat er zur Gänze miterlebt und war für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas, auch solchen, die der Kirche eher fernstanden, Ratgeber und Begleiter. Er zeichnete auch verantwortlich für die pastorale Einführung von Priestern aus dem Ausland. All diese vielfältigen und sehr unterschiedlichen Agenden waren ihm – das kann man ohne Übertreibung sagen – regelrecht Herzensanliegen. Das entsprach seinem Priesterverständnis, und er tat es auch gerne.

Bischof Krenn, der 1991 die Leitung der Diözese übernahm, hat an sich – so scheint mir – Franz Schrittwieser durchaus geschätzt. Er nahm ihn 1992 in das Domkapitel auf, er reichte seine Ernennung zum Prälaten ein. Franz Schrittwieser war – auch während der Amtszeit von Bischof Krenn – bis 2002 (also 10 Jahre lang) Regens des Priesterseminars. Als dann der missglückte Versuch einer Neuaufstellung des Seminars erfolgte, entstand eine tiefe Wunde im Leben des Verstorbenen, die wohl nie ganz verheilt ist. Aber Prälat Franz hat sich wieder aufgerichtet. Ein Trost und eine Freude waren für ihn, dass er 2003 von der Österreichischen Bischofskonferenz zum Direktor des Propädeutikums bestellt wurde. Auch dieser Aufgabe hat er sich mit großem Eifer zugewandt. Das Gleiche gilt auch für das Canisiuswerk, dessen stellvertretende Leitung ihm unter der Ägide von Kardinal Schönborn übertragen wurde.

Ich selbst bin dem Verstorbenen sehr dankbar, dass er nach Beendigung seiner Amtszeit im Propädeutikum bereit war, für die vielfältigen Belange der kategorialen Seelsorge die Ernennung zum Bischofsvikar anzunehmen. Auch diese Aufgabe hat er mit großem Engagement und Umsicht wahrgenommen. Besonders wichtig war ihm die Krankenhausseelsorge, ebenso die Seelsorge im Bereich der Seniorenheime. Und als Prälat Josef Eichinger auf Grund seines hohen Alters die Verantwortung im Pressehaus in jüngere Hände übergeben musste, war es wieder Prälat Franz Schrittwieser, der mir von Josef Eichinger selbst als Nachfolger vorgeschlagen wurde, weil alle ihn kannten und weil er auch im Medienbereich gut angesehen war. Franz Schrittwieser hat zu dieser weiteren Aufgabe als Obmann des Pressevereins und als Vertreter des Herausgebers bei den NÖ-Nachrichten nicht nur Ja gesagt, er war tatsächlich Woche für Woche in den anberaumten Sitzungen und hat mit größtem Interesse das mediale Geschehen verfolgt.

Wir haben daher viele Gründe Franz Schrittwieser sehr dankbar zu sein, seitens der Diözese, aber auch persönlich sage ich ihm herzlich Dank: Ganz besonders, weil er viele Priester und Diakone, ältere und jüngere, auch ausländische ermutigt und begleitet, manchmal auch getröstet hat. Ich danke ihm, weil er ein in Christus fest verwurzelter Priester war. Er hat 1965, am Ende des II. Vatikanischen Konzils, die Priesterweihe empfangen, war durch das Konzil und die nachkonziliare Zeit geprägt, war begeisterter und sehr aktiver Teilnehmer an der Diözesansynode unter Bischof Zak und in enger Zusammenarbeit mit Weihbischof Stöger. Auch am österreichweiten synodalen Vorgang war er hochinteressiert und engagiert. Er hat sich aber immer, mit einer großen Liebe zur Diözese und zur Kirche, vor Extremen bewahrt, auch dann, als sich manches nicht so entwickelt hat, wie man es sich am Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre vorgestellt hat. Und der Grund scheint mir: Er war ein betender Priester. In seinem Tagebuch finden sich häufige Einträge im Sinne von „Maranatha. Komm, Herr Jesus“ und er hat seine priesterlichen Bemühungen häufig mit Stoßgebeten eingerahmt. Er war ein loyaler Priester, und so erklärt sich wohl seine Gelassenheit und Fröhlichkeit, auch in den letzten Jahren, obwohl er schon schwer krank war.

So wollen wir ihn der Barmherzigkeit Gottes anempfehlen, unseren Blick auf die Christusikone richten, die auf dem Gebetsbildchen zu seinem Gedenken abgebildet ist, weil er sie ganz besonders geliebt hat, und wir bitten Maria sie möge ihn zu Jesus führen und uns allen beistehen.