Entzündung der 2. Kerze am Adventkranz
Krippenschau im Diözesanmuseum
Winterwald
 
 

Predigt Ostersonntag 2017

Liebe Brüder und Schwestern!

Noch kurz vor dem Ende des 2. Weltkrieges wurde der evangelische Theologe Dietrich Boenhoffer im KZ Flossenbürg hingerichtet. Als er von der Todeszelle abgeholt wurde, sagte er: „Das ist das Ende – für mich der Anfang des wahren Lebens.“ 

Das führt uns mitten in die Osterbotschaft, die auch dann standhält, wenn Terror, Krieg, Verfolgung das Leben der Menschen bedrohen. Auch in bewegten, schwierigen Zeiten ist es möglich und angebracht, dass am Osterfest Freude aufkommt und die Antiphon angestimmt wird: „Das ist der Tag, den der Herr gemacht, lasst uns jubeln und seiner uns freuen.“

Das Vorhandensein von Bedrohungen macht uns bewusst, dass Ostern Feiern nicht dazu verführen darf, das Kreuz wegzustellen. Christus hat den Tod besiegt, er ist auferstanden, aber sein heiliges Kreuz bleibt in der Welt und zwar bis ans Ende. Er hat ja auch zu seinen Jüngern gesagt: „Wer mein Jünger sein will, nehme sein Kreuz auf sich, Tag für Tag, und folge mir nach.“ Das Kreuz kennzeichnet den Weg, der zur Fruchtbarkeit, zum Ziel, zum ewigen Leben führt. Es ist der Weg der großen Liebe, die Jesus nicht nur gelehrt, sondern auch gelebt hat, nach dem Motto: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für die Freunde hingibt.“

Auch der Zweikampf, der in der Ostersequenz beschrieben wird, geht bis ans Ende der Zeiten weiter. Mit seiner Ankündigung verbindet sich  am Osterfest die frohe Botschaft einer „Kraft“, die uns für diesen Kampf geschenkt wird.

In der Sequenz heißt es: „Tod und Leben, die kämpften unbegreiflichen Zweikampf; des Lebens Fürst, der starb, herrscht nun lebend.“

Überall und zu allen Zeiten ist dieser Kampf im Gange. In der Welt, in der Gesellschaft, in der Kirche mit ihrem ständigen Auf und Ab, mit unterschiedlichsten Entwicklungen, Blütezeiten und Dürreperioden, missionarische Ausbreitung des Glaubens und Rückgang der Gläubigkeit. Auch in unserem eigenen Leben ist dieser Kampf ständig präsent: Das Streben nach dem Guten und die Versuchung durch das Böse. Und wie lautet die Osterbotschaft? Sie lautet: Christus lebt, er ist der Sieger, er ist gegenwärtig durch die Kirche und er steht uns bei, sodass auch wir siegen können, obwohl wir schwach und begrenzt sind.

Unsere Erlösung begann schon mit dem ersten Augenblick der Menschwerdung des Gottessohnes. Er ist der einzig wirklich vollkommene Mensch, weil er nicht nur Mensch, sondern zugleich Gott ist. Er trägt in seinem Herzen das einzig vollkommene Abbild des Vaters, weil er der Sohn ist, geboren aus der Jungfrau Maria. Er hat gelebt wie wir, wurde versucht wie wir und er hat gelitten viel mehr als wir. Für den Christen war und ist Er immer Herr und Meister, weil er nicht nur mit Worten von der Wahrheit Zeugnis abgelegt hat, sondern diese verkörpert und lebt. Er konnte Himmel und Erde miteinander vereinen, Gott und den Menschen versöhnen, auf Grund seiner Menschheit auch im Namen aller Geschöpfe seine Liebe zum Vater zeigen und damit zugleich für alle Menschen den Weg öffnen, der im Hl. Geist zum Vater führt; Auch für den allerschwächsten und elendsten Menschen ist dieser Weg möglich, sofern er guten Willens ist, weil Er hilft.

Der hl. Augustinus gibt den Hinweis, man solle Ostern nicht nur wie einen Gedenktag feiern, sondern in die österlichen Tage eintreten wie in ein Mysterium. Ein Gedenktag ruft Vergangenes wach – auch das tut Ostern, denn es erinnert an ein geschichtliches Ereignis. Ein Mysterium, an dem wir teilhaben, ist aber noch etwas ganz Anderes. Es ist etwas Gegenwärtiges. Im Mysterium sind wir Zeitgenossen Jesu, Zeitgenossen seiner Passion und seiner Auferstehung.

„Yes, we can“. Wir können einen christlichen Weg einschlagen und auf ihm bleiben, auch inmitten einer total oder fast total säkularisierten Gesellschaft,   weil wir nicht allein sind. Der Mensch gewordene Gott und Erlöser, Jesus, der Auferstandene, Lebendige ist mit uns. Wir können gegen unsere Schwächen und ungeordneten Neigungen ankämpfen, auch dann, wenn diese sehr tief in uns verwurzelt sind, weil Er uns beisteht. Er hat uns das Evangelium und die Sakramente hinterlassen: Die Taufe, durch sie wurden wir mit ihm grundlegend verbunden, die Firmung, sie vermittelt den Hl. Geist, die Eucharistie, so können wir mit ihm eins werden. Auch das Bußsakrament hat er uns geschenkt, damit wir nicht liegenbleiben, wenn wir gestürzt sind, unseren Schritt von neuem beschleunigen, wenn wir nachgelassen haben. Er vermittelt uns Versöhnung mit dem Vater und mit uns selbst. Er vermag unsere Wunden zu heilen und stützt uns mit seiner Nähe und seiner Freundschaft.

Ostern schenkt uns Siegesmoral, und zwar eine gut begründete: Der auferstandene Herr ist unser Halt, der Fels, auf dem wir stehen, die Burg, in die wir flüchten, und die Heilstätte, die uns gesund macht.

Ostern beflügelt. Die Frauen erhalten den Auftrag, den anderen zu sagen, dass der Herr auferstanden ist. Auch wir haben diesen Auftrag, und er ist wichtig.

Seien wir zuversichtlich: Er lebt, ist in und durch die Kirche gegenwärtig trotz unserer Schwächen und der Schwächen anderer. Er stirbt nicht mehr und wird uns immer zur Seite stehen.

Maria sichert den Weg ab. Sie stand unter dem Kreuz und war mit den Jüngern beim Erwarten der Herabkunft des Heiligen Geistes. Wenn wir sie um ihre Fürbitte ersuchen, werden wir nicht fehlgehen.