Jahrbuch 2018 - Jugend in der Kirche
Pilgergruppe im Herbst
Herbstlandschaft Mostviertel
 
 

Predigt Pro Life Tour 2017, Maria Schutz

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Schriftstellen des heutigen Sonntags vermitteln uns eine mehrschichtige und zugleich kräftige Botschaft.

Die 1. Lesung richtet unseren Blick auf den Propheten Elija, der seine Höhle aufsucht und den Gott anspricht.

In der 2. Lesung steht Paulus im Zentrum, seine Traurigkeit. „Unablässig leidet mein Herz“, klagt er. Er ist besorgt, weil ein Großteil seines Volkes Jesus als Messias nicht anerkennt. Seine Sorge ist ähnlich jener des Elija, der einen Versuch unternommen hatte, durch die Tötung der falschen Propheten eine Wende herbeizuführen, nun aber selber bedroht ist.

Und das Evangelium zeigt uns Jesus, der das Volk entlässt und allein sein will: er steigt auf einen Berg, um in Einsamkeit zu beten. Ihn erfüllt die Sehnsucht seiner Sendung.

Den Jüngern hatte er den Auftrag gegeben, ins Boot zu steigen und ans andere Ufer vorauszufahren.

Es geht uns alle an: wir sollen nicht einfach nachplappern, was die meisten sagen; uns nicht so verhalten, wie es leider häufig ist.

Es freut mich, dass derzeit Jugendliche im Anliegen Lebensschutz unterwegs sind. Heute sind sie bei uns. Sie sind ins Boot gestiegen, das zum anderen Ufer unterwegs ist, wo Jesus erwartet wird. Jesus ist ein Freund des Lebens, der jenen, die ihn erkennen, beisteht.

Es ist traurig, dass wir uns in einer Gesellschaft befinden, in der es durchaus üblich geworden ist, Kinder im Mutterschoß zu töten, wenn es irgendein Problem gibt. Die diesjährige Pro Life Tour hat den Schwerpunkt der eugenischen Indikation gewählt. Es ist tragisch, zur Kenntnis nehmen zu müssen, dass schon die bloße Vermutung einer möglichen Behinderung in mehr als 90 % eine Abtreibung zur Folge hat. Es ist klar, dass die betroffenen Frauen oft unter großem Druck stehen und in ihrer schwierigen Entscheidung weitgehend allein gelassen werden.

Jesus hilft. Zur Geschichte der Jünger, die im Gegenwind rudern, gehört das Erscheinen Jesu in der vierten Nachtwache. Er ruft ihnen zu: „Habt Vertrauen, ich bin es. Fürchtet euch nicht“ und er rettet den Petrus, als er aus dem Boot steigt und zu sinken beginnt, weil er Angst hat.

Auch wir müssen helfen. Was können wir tun?

Es ist sicher richtig zu fordern, dass die Politiker endlich auf die schon oft erhobenen Vorschläge eingehen und eine Frist einführen, die vor Durchführung einer Abtreibung unbedingt einzuhalten ist, damit zumindest eine minimale Bedenkzeit verpflichtend ist. Vor allem muss Beratung zugelassen und gefördert werden, die den Frauen in der schwierigen Situation beisteht und eventuell auch Hilfsangebote vermittelt, die ein Ja zum Kind ermöglichen.

Ich denke in diesem Zusammenhang immer wieder an eine Frau, die mich vor gar nicht allzu langer Zeit aus einem Grund aufgesucht hat, der mit Abtreibung nichts zu tun hat. Sie wollte von mir ein Interview über ein ganz anderes Thema. Als wir fertig waren, fragte sie mich beiläufig: „Sie beschäftigen sich doch viel mit Familie?“ „Ja“, antwortete ich. Da sagte sie: „Heute hat mein ältester Sohn Geburtstag. Das ist für mich immer ein besonderer Tag.“ Dann erzählte sie mir, sie sei damals, als sie zum ersten Mal schwanger wurde, noch sehr jung gewesen. Sie sei zum Arzt gegangen, um nachschauen zu lassen, ob alles gut geht. Der Arzt habe bei der Ultraschalluntersuchung ein wenig gezögert und mehrmals geprüft. Dann habe er ihr nach einigem Nachdenken mitgeteilt, er habe seine Zweifel. „Sie sind noch sehr jung und sehr schlank. Ich mache Ihnen einen Vorschlag: Ich gebe Ihnen 2 Pillen, die Sie vor dem Schlafengehen einnehmen. Dann ist morgen alles vorbei. Sie werden eine Blutung haben, die nicht lange dauert.“ Und das war es. Er gab ihr die beiden Pillen und entließ sie. Sie aber dachte sich: Das mache ich nicht. Das Kind war ganz gesund, ein hochbegabter junger Mann mit bester Karriere ist aus ihm geworden. „Jedesmal, wenn ich ihn sehe, bin ich riesig dankbar, glücklich, dass ich damals den Rat des Arztes nicht befolgt habe“. Sie hat dann noch zwei weitere Kinder bekommen, die sehr gescheit und ganz gesund sind.

Noch etwas: Das Erscheinen Jesu in der Nacht auf dem See und das Eintreten einer totalen Stille nach dem Sturm sowie die Rettung des Petrus erlauben noch eine andere Deutung. Jesus rettet auch jene, die kleingläubig und schwach sind, auch solche, die die Prüfung nicht bestanden haben, die schuldig geworden sind. Petrus selbst ist ein Beispiel dafür. Dreimal hat er Jesus verleugnet, obwohl er geschworen hatte, das ganz sicher nicht zu tun.

Viele Frauen leiden sehr darunter, wenn eine Abtreibung passiert ist, weil sie unter Druck standen, weil sie im Wissen um die Schwangerschaft Panik erfasst hat oder weil sie meinten, vielleicht sicher wussten, dass das für den Partner ein Problem ist.

Sagt solchen Frauen, dass Jesus Vergebung vermittelt und zwar so, dass in ihren Herzen wahrer Friede einkehrt. Das ist eine wichtige Botschaft.

Elija erhält einen neuen Auftrag.

Paulus war unermüdlich tätig.

Jesus spricht uns alle an, ins Boot einzusteigen, um ans andere Ufer zu fahren und mitzutun in einer wunderbaren Arbeit.

Maria wird uns beistehen.