Entzündung der 2. Kerze am Adventkranz
Krippenschau im Diözesanmuseum
Winterwald
 
 

Wallfahrt NÖ Bauernbund Mariazell

Liebe Brüder und Schwestern!

Es freut mich, dass der Bauernbund NÖ daran festhält, nach dem Vorbild Leopold Figls Jahr für Jahr nach Mariazell zu pilgern, um Gott zu danken und zu bitten. Wir leben in einer Zeit, in der wir zu beidem Anlass haben. Wir haben Anlass, Gott zu danken, denn wir erfreuen uns eines nie zuvor erreichten Wohlstands und unser Land hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in vieler Hinsicht wunderbar entwickelt. Wir haben auch Anlass, Maria wirklich um Fürsprache zu bitten: Terror und Krieg haben wir vor der Haustüre; um die Flüchtlingsfrage ist es in letzter Zeit zwar ruhiger geworden, aber die Not bleibt, viele haben kein Zuhause, nichts zu essen, werden verfolgt. Es ist klar, dass wir nicht alle aufnehmen können; dass es notwendig ist, genau hinzuschauen. Und doch können wir nicht so tun, als würde es uns nichts angehen. Da ist der Klimawandel mit den Wetterkapriolen. Papst Franziskus sagt in einer manchmal etwas dramatisierenden Art, dass wir in drei Jahren untergehen, wenn wir nicht entschlossen handeln. Wirtschaftlich befinden wir uns momentan zwar eher im Aufwind, manche sind aber davon überzeugt, dass die große Krise sehr bald kommt. Und dann gibt es schon noch andere Fragen: Die Situation der Gesellschaft, der ständig fortschreitende Werteverlust, auch in der Gesetzgebung. Die Situation des Glaubens. Die Situation der Familie. Wir haben also viele Gründe, Gott zu danken; wir haben auch viele und große Anliegen, mit denen wir kommen.

In den liturgischen Texten des heutigen Sonntags stoßen wir auf eine Aussage, die bedrohlich klingt: „Denk an dein Ende“, so heißt es, „lass ab von der Feindschaft, denk an Untergang und Tod und bleib den Geboten treu.“ Das ist in der Tat ein wichtiger Hinweis, der mit den Grundfragen zusammenhängt, woher wir kommen und wohin wir unterwegs sind, welches die Bedeutung unseres Lebens ist. Am Beispiel der Nächstenliebe – wir sollen zum Friedenschließen und zur Vergebung bereit sein – wird die tiefere Dimension unserer Verhaltensweisen aufgezeigt. Es wird uns die Dringlichkeit der Umkehr bewusst gemacht. Wer nicht umkehrt, wenn Umkehr nötig ist, läuft Gefahr, nicht ans eigentliche, letzte Ziel des Lebens zu gelangen. Im Tagesgebet wird diese tiefere Dimension positiv formuliert. Es lautete: „Gott, du Schöpfer und Lenker aller Dinge, sieh gnädig auf uns. Gib, dass wir dir mit ganzem Herzen dienen und die Macht deiner Liebe an uns erfahren.“ Etwas verständlicher könnte man es so ausdrücken: „Wir anerkennen, dass du unser Schöpfer und der Lenker aller Dinge bist. Hilf uns, unser Leben so zu gestalten, wie es deinem Schöpferwillen entspricht, damit wir Gutes tun und nicht Schaden leiden, damit die Melodie, die du uns bei unserer Erschaffung ins Herz gelegt hast, zum Erklingen gelangt, damit wir froh werden und froh bleiben. Gib uns, dass wir den Weg finden, der zur wahren Liebe führt.“ Papst Benedikt XVI. hat manchmal von der „Humanökologie“ gesprochen und das hat Papst Franziskus in Laudato si‘ aufgegriffen. Ähnlich wie wir bezüglich Umwelt und Natur aufpassen müssen, sie nicht zu zerstören und keinen Raubbau zu treiben – auch aus Rücksicht zu unseren Nachfahren -, müssen wir auch auf der Hut sein, dass unser Menschsein und das der anderen nicht kaputt geht.

Da stoßen wir auf ein ganz großes Anliegen unserer Zeit, auch in unserem Land, das ein so schönes Land ist, mit vielen Möglichkeiten und großartigen Chancen. Da gibt es eine Sorge: Beim Verfolgen der verschiedenen Ziele, die, für sich genommen, durchaus wichtig, ja gut sein können, verlieren viele das Wesentliche aus dem Blick, nicht selten das, was im Leben das Wichtigste ist. Sie vergessen auf Gott, der uns erschaffen und uns erlöst hat. Sie finden nicht, was sie so sehr suchten. Die Melodie des Schöpfers erklingt nicht mehr richtig. Sie ist irgendwie falsch, es fehlt etwas, oder sie erklingt gar nicht mehr. Und so geschieht es, dass die Menschen nach einiger Zeit vielleicht zwar vieles erreicht haben, auch vieles besitzen, aber trotzdem Unzufriedenheit im eigenen Leben einzieht, meist auch in der eigenen Umgebung. Es kommt – so wie es in der Lesung des heutigen Sonntags beschrieben wird - zu Egoismus, Streit, Groll, manchmal zu richtigen Tragödien. Am stärksten leidet die Familie. Das Kernanliegen unserer Zeit betrifft meines Erachtens, auch in unserem Land, die Beziehung der Menschen zu Gott und der Verlust des Werteverständnisses.

Mariazell weckt Hoffnung

Mariazell ist ein Wallfahrtsort, der anzieht, weil er Hoffnung vermittelt. Das hängt mit der Gnadenstatue zusammen, mit einer Maria, die – wenn man genauer hinschaut, sieht man es - ein wenig lächelt, ein gesundes Kind mit einem Apfel im Arm hält und mit dem anderen Arm ihm etwas reicht und liebevoll auf dieses Kind zeigt.

Die Eucharistiefeier im zentralen Mittelschiff der Basilika weitet den Blick auf den wunderbaren Hochaltar von Fischer von Erlach. Da wird die Hoffnung, die dieser Gnadenort vermittelt, noch klarer verdeutlicht: Direkt über dem Altar schwebt – das ist der visuelle Eindruck - die von der Schlange umzingelte Erdkugel. Sie dient als Tabernakel, als wollte man sagen: Jesus, der Sohn Gottes, ist zur Welt gekommen, er ist in der Welt, unter uns. Relativ nahe bei der Erdkugel stehen Johannes und Maria, am Fuße des Kreuzes, das etwas abgehoben ist. Bei näherem Hinschauen erkennt man, dass der Sohn am Kreuz vom Vater gewissermaßen in den Himmel gehievt wird. Und über Vater und Sohn schwebt der von einem Strahlenkranz umgebene Hl. Geist. Der Hochaltar ist eine liebevolle Einladung zu kommen und ruhig zu werden. Mit Christus können wir aufsteigen. Er steht uns bei. Wir können unser Ziel erreichen. Wir haben allen Grund zuversichtlich zu sein. Wichtig ist – auch heute -, die Verbundenheit mit Gott nicht zu verlieren bzw. sie immer wieder von neuem zu suchen. Maria zeigt auf Jesus. In einem an Maria gerichteten Gebet von Papst Benedikt heißt es: „Zeige uns Jesus. Führe uns zu ihm. Lehre uns ihn kennen und ihn lieben, damit auch wir selbst wahrhaft Liebende und Quelle lebendigen Wassers werden können inmitten einer dürstenden Welt.“ Die Entwicklungen, die wir heute erleben, sind nicht unumkehrbar. Es muss nicht so sein, dass alles immer schlechter wird und die Werte verschwinden, weil wir uns von bestimmten Lobbys vor sich hertreiben lassen. Es gab schon mehrmals in der Geschichte (auch unseres Landes) Zeiten, in denen die Glaubenshaltung bei vielen verflachte und dementsprechend die Werteeinstellung sich veränderte, die Lage bezüglich Werte – ein typisches Beispiel dafür sind Ehe und Familie – katastrophal war. Aber mit der Erneuerung des Glaubens wurden auch die menschlichen Werte des Menschseins von neuem bewusst.

Mariazell ist ein Ort, der Initiative weckt

In der Basilika Mariazell wird von alters her auch die Muttergottes auf der hohen Marmorsäule verehrt. Bei der letzten Kirchenrenovierung wurde sie aus liturgischen Gründen, nach langen und heißen Diskussionen, im rückwärtigen Teil des vorderen Kirchenraumes aufgestellt. Früher stand sie unter der Kuppel in der Mitte. Mit der Errichtung des neuen Volksaltares hätte sie die Sicht auf den Altar und den Zelebranten verdeckt. Die gekrönte Muttergottes auf der Marmorsäule ist eine Freude und Optimismus ausstrahlende Maria, sie besitzt eine große Würde, sie trägt auf dem linken Arm das segnende Jesuskind und in der Rechten hält sie das Zepter.

Manchmal sagt man in Bezug auf eine Familie: Da regiert die Frau und das ist meist gut und wertvoll. Es ist gut, Maria das Zepter in die Hand zu geben. Von ihr erhalten wir die Weisung: „Tut, was er euch sagt“. Mariazell war immer auch ein Kraftspender, um sich für unser Land und die Bewohner unseres Landes einzusetzen, um engagiert mitzuwirken, damit die christlichen Werte nicht nur nicht verloren gehen, sondern neu entdeckt werden. Wer schützt die Familien? Wer schützt die Kinder? Es ist notwendig, dass wir Christen aufstehen und für die Familien eintreten, besonders jene fördern, die Kinder bejahen; es ist notwendig, das Leben zu verteidigen, insbesondere an seinem Beginn und in seiner letzten Phase. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass unser Land ein christliches Land bleibt. Mariazell bedeutet immer auch Auftrag.

So wünsche ich allen im NÖ Bauernbund von Herzen Gottes Segen. Möge die Fürsprache Mariens Ihnen allen beistehen, damit Sie auch in der heutigen Zeit von christlichem Optimismus erfüllt sind und es Ihnen und Ihren Familien wohlergeht.