Diakonenweihe 2018 in der Stiftskirche Melk
Pfarrmedienwettbewerb 2018
Dank-Kampagne für Bischof Klaus Küng
 
 

Interview NÖN

Mit welchen persönlichen Wünschen und Hoffnungen (in Bezug auf Ihre Bischofsfunktion, aber auch privat) gehen Sie in das neue Jahr?

Ich hoffe, dass es hier gut weitergeht. Persönlich möchte ich versuchen, meine Aufgaben als Bischof von St. Pölten bis zum Schluss meiner Amtszeit verantwortungsbewusst wahrzunehmen und dafür zu sorgen, dass nötige Entscheidungen nicht aufgeschoben werden. Im Übrigen habe ich aber schon auch große Wünsche: z.B. dass im kommenden Jahr der Diözese St. Pölten viele geistliche Berufungen geschenkt werden, dass eine bestimmte Jugendinitiative sich gut entfaltet und fruchtbar wird. Ein großes Anliegen ist mir auch die Ausweitung der Ehevorbereitung im Sinne von Amoris laetitia für ganz Österreich. Es gibt aber auch noch andere Anliegen und Wünsche.

Bis wann rechnen Sie/hoffen Sie, dass die Frage der Nachfolge geklärt sein wird?

Das Verfahren ist,  denke ich, im Gange, wie lange es genau dauert, bis mein Nachfolger feststeht, liegt nicht in meiner Hand. Es ist anzunehmen, dass  der Wechsel im Verlaufe des Jahres geschehen wird.  

Was sind Ihrer Meinung nach Eigenschaften und Anforderungen, die ein Bischof allgemein in seine Aufgabe mitbringen sollte?

Es sollte ein Mann des Glaubens mit Rückgrat sein, liebevoll im Umgang und mit Verständnis für die Schwierigkeiten der Menschen. Sehr notwendig ist die Gabe zur Leitung, was auch Gesundheit und gute Nerven voraussetzt, denn es erwarten ihn –gerade in den nächsten Jahren- große Aufgaben.

Sie sind ja in einer sehr schwierigen Situation nach St. Pölten gekommen. In welchem Zustand wollen Sie, wenn es eines Tages soweit ist, die Diözese an einen Nachfolger übergeben?

Es war mein Bestreben, die Ordnung wiederherzustellen, Spannungen abzubauen und Gräben zu schließen, auch Wunden zu heilen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass sich da einiges verbessert hat, aber es bleiben noch immer manche Wunden, und Spannungen können sehr rasch wieder aufkommen. Ich hoffe, dass mein Nachfolger diesen Weg fortsetzt.
Ich habe auch zahlreiche seelsorgliche und spirituelle Initiativen gesetzt, wie z. B. „die 33 Schritte“,  Impulse im Jahr des Glaubens und im Jahr der Barmherzigkeit. Alphakurse wurden eingeführt. Da ist manch Wertvolles im Wachsen. Da gibt es ein riesiges Arbeitsfeld. 
In den ersten Jahren haben wir auch zur Prioritätenfindung einen ziemlich intensiven „Erneuerungsprozess“ durchgeführt; Es wurde einiges erreicht, aber da fehlen noch viele Schritte.  Mir wäre es lieber, wir wären schon weiter. Immerhin sind viele Vorarbeiten geleistet. Aber es wartet auf den Nachfolger sehr viel Arbeit, auch schwierige, denn wir befinden uns in einem rasanten Umbruch von Gesellschaft und Kirche.

Wie lassen sich Ihrer Meinung nach die Herausforderungen in der Diözese St. Pölten – auch im Unterschied zu anderen Diözesen – charakterisieren?

Jede Diözese hat aufgrund ihrer historischen Entwicklung und Struktur Eigenheiten. Wir leben in einem wunderschönen Land, und viele Menschen sehnen sich nach Sinn, nach Glauben, nach Antworten. Zugleich kann aber nicht übersehen werden, dass gerade im kirchlichen Bereich in den nächsten Jahren große Veränderungen unvermeidbar sein werden. Die Diözese St. Pölten ist eine typisch josephinistische Diözese mit vielen kleinen Pfarren, die in einer Zeit entstanden sind, als man zu Fuß gegangen ist und ganz andere Lebensbedingungen herrschten. Vor allem aber ist durch den starken Rückgang der Glaubenspraxis bei einem Großteil der Bevölkerung eine grundlegende Neuordnung der Seelsorge überfällig, in der der christlichen Familie und der Jugendarbeit, die eine Befähigung zum Christsein als Ziel haben sollte, eine zentrale Stellung zukommt. Es werden zudem vielfältige missionarische Vorgänge notwendig sein, in denen unsere Stifte gute Stützen sein könnten.

Welche Pläne haben Sie für die Zeit nach Ablauf Ihrer Bischofstätigkeit – wollen Sie eher in St. Pölten bleiben oder wieder in die „alte“ Heimat zurückgehen? 

Wie bereits bekannt werde ich nach Wien übersiedeln und mich wieder mehr spirituellen Aufgaben widmen: z.B. Exerzitienkurse, Einkehrtage, manche Vorträge halten; ich möchte auch wieder vermehrt für geistliche Begleitung und als Beichtvater zur Verfügung stehen. Vielleicht kommt mir der Gedanke, das eine oder andere zu schreiben. In Vorarlberg weiß ich mich -abgesehen von meiner Familie- weiterhin mit vielen Gläubigen herzlich verbunden. Vermutlich werde ich dort doch auch manchmal tätig sein. In Wien kann ich neuerlich am Familienleben meiner Gemeinschaft teilnehmen und brauche keinen eigenen Haushalt. Mit St. Pölten werde ich immer eng verbunden bleiben und gerne zur Verfügung stehen, wenn man mich braucht, selbstverständlich auch für Firmungen, Wallfahrten und ähnliches. 

Gibt’s ein Hobby, dem Sie sich vermehrt widmen wollen, und bis dato aus Zeitmangel nicht in der Intensität widmen können, wie Sie gerne würden?

Wenn es meine Gesundheit auch weiter zulässt, werde ich mich sicher ein wenig mehr den Bergen und dem Wandern widmen, das ich seit meiner Kindheit immer gern gemacht habe. Vor allem hoffe ich auf mehr Zeit für Lektüre und Gebet, auch mehr Muße.