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Predigt Chrisammesse 2018

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst, liebe Brüder und Schwestern!

Die Chrisammesse hat für jede Diözese eine ganz besondere Bedeutung, weil sie die enge Verbundenheit der gesamten seelsorglichen Arbeit mit Christus, dem Hohepriester und Erlöser, sichtbar macht: Einerseits durch die Weihe der Heiligen Öle, die in der ganzen Diözese für die Spendung der Sakramente, für die Weihe der Kirchen und Altäre verwendet werden, andererseits durch die Erneuerung der Bereitschaftserklärung der Priester zum priesterlichen Dienst.

Ich freue mich, dass ich nochmals als Bischof mit Euch diese Chrisammesse feiern kann. Das gibt mir einmal mehr Gelegenheit, Mut zu machen. Gerade das Nachdenken über die Chrisammesse macht uns bewusst, dass es guten Grund zur Hoffnung gibt. Wir dürfen zuversichtlich sein, dass die Diözese auch in den veränderten Verhältnissen unserer Zeit den Weg zu einer fruchtbaren Seelsorge finden wird.

Drei Dinge scheinen mir besonders wichtig (das legt gerade das Nachdenken über die Chrisammesse nahe):

Grundlegend ist die feste Verwurzelung in Jesus Christus, dem Hohenpriester und Erlöser. Die schwieriger werdende Situation in der Seelsorge nötigt uns, persönlich oft und oft den Glauben zu erwecken (an Gott, an die Menschwerdung des Gottessohnes, an die Aussendung des Heiligen Geistes; an die Kirche und ihre Sendung) und es ist in gleicher Weise notwendig, unsere seelsorglichen Bemühungen ganz von Christus her zu entfalten. Alles andere hält nicht.

Das ist einerseits eine große Herausforderung, andererseits eine Hinwendung zum Wesentlichen, zum Kern, was wahrscheinlich, im Vergleich zur derzeitigen Praxis eher eine Vereinfachung bedeutet.

In den priesterlichen Bereitschaftserklärungen werden drei pastorale Punkte hervorgehoben:

  • Die zweite Bereitschaftserklärung lautet: „Die Mysterien Christi in gläubiger Ehrfurcht feiern zum Lobe Gottes und zum Heil seines Volkes“. Bedingt durch die sich verändernden Gegebenheiten mit Pfarrverbänden und sich allmählich herauskristallisierenden größeren Einheiten sind neue Anstrengungen erforderlich, nicht um immer noch mehr hl. Messen zu feiern, sondern um bewusst zu machen, was die Eucharistie im Leben der Kirche und im Leben der Gläubigen bedeutet. Die erforderlichen Umstellungen erfordern viel Geduld, vor allem einen tiefen Glauben, auch seitens des Priesters, und viel Liebe zu Gott und den Menschen.

  • Die dritte Bereitschaftserklärung betrifft den Dienst am Wort Gottes, eine Aufgabe, die in der heutigen Zeit ebenfalls eine sehr große Herausforderung darstellt, zugleich aber eine wunderschöne Aufgabe ist: Den Glauben den Menschen nahebringen, von Gott erflehen, dass Augen, Ohren, Herzen sich öffnen und der Glaube in seiner Fülle von neuem entdeckt wird. Ansprechbar sind viele; ich würde sagen, die meisten.

  • Die 4. Bereitschaftserklärung beinhaltet das Versprechen, Armen und Kranken beizustehen. Die Betonung dieses Aspektes durch Papst Franziskus ist ohne Zweifel von großer Bedeutung. Mich hat sehr bewegt die Aussage eines der Taufbewerber dieses Jahres aus einem anderen Land. Er sagte, er habe hier so viel Zuwendung und Liebe erfahren, dass er gedacht habe: So möchte ich auch werden.

Die fünfte Bereitschaftserklärung betrifft das priesterliche Leben, den Willen, das ganze Leben in den Dienst Gottes und der Anderen zu stellen, ja, „eine Opfergabe zu werden zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen“. Je mehr Arbeit wir haben, desto wichtiger ist das eigene geistliche Leben: Die Pflege des persönlichen Gebetes und der Empfang der Sakramente, insbesondere auch der regelmäßige Empfang des Bußsakramentes und damit verbunden ein beharrlicher, den persönlichen Gegebenheiten entsprechender asketischer Kampf. Es ist die Grundbedingung, um auch unter schwierigen Bedingungen, trotz aller eigenen Schwächen und trotz der Schwächen der anderen als Priester, als Diakon, als Christ froh zu sein und froh zu bleiben. Es ist auch die Voraussetzung, um anderen etwas geben zu können.

Der zweite wichtige Aspekt – er steht bei den priesterlichen Bereitschaftserklärungen an der 1. Stelle – ist die Einheit mit dem Bischof und die Einheit untereinander. Ich wünsche Euch von Herzen, diese gesegnete Einheit, auch in Hinblick auf den zukünftigen Bischof und auch im Wissen um die inzwischen beachtliche Buntheit unseres Klerus. Zusammen sind wir stark. Das Wichtigste ist sicherlich die Verbundenheit mit Gott, mit Christus, aber Christus will, dass wir auch untereinander eins sind.

Vielleicht sagt Ihr: Das ist die Quadratur des Kreises. Schwierige seelsorgliche Verhältnisse und doch Pflege des geistlichen Lebens und zudem Pflege des Miteinanders zwischen Bischof und Priester und untereinander, was zusätzlich dadurch erschwert ist, dass die Vorstellungen und Meinungen oft sehr weit auseinandergehen. Bei Besuchen von Missionsländern in viel schwierigeren Verhältnissen als bei uns habe ich immer wieder die dortige Pflege dieser Einheit zwischen Bischof und den Priestern bewundert, manchmal war ich ein wenig neidisch. Ich denke aber: Wenn es in diesen Missionsländern möglich ist, warum nicht auch bei uns? Sicher wird es möglich.

Und noch ein 3. Aspekt: Wir haben in den letzten Jahren die Gewohnheit entwickelt – es war eine Idee von Weihbischof Anton – zur Chrisammesse Firmlinge einzuladen. Es ist eine gute Initiative, die auf diesen 3. Aspekt hinweist. Es geht darum, entschiedene und entschlossene Christen zu gewinnen, Männer und Frauen, Jung und Alt zu befähigen, Christus im Herzen zu tragen, das Leben aus dem Glauben an Christus zu gestalten. Das macht froh und hat Zukunft. Jeder Einzelne, der und jede Einzelne, die ernsthaft anfängt, christlich zu leben, ist ein Hoffnungsträger, ist ein wichtiger Mitarbeiter, eine wichtige Mitarbeiterin der Zukunft.

Aber es sind unter den Jüngeren nur wenige, die wirklich den Weg zu einem bewussten, praktizierten Christentum finden? Am Anfang sind es vielleicht nur wenige, aber es werden mehr werden. Insbesondere, wo christliche Familien sich sammeln und mittun, leben die Pfarren auf, füllen sich die Kirchen. Und es entsteht erneut eine tiefe Verbundenheit zwischen Gläubigen und Priestern, Gläubigen und Bischof, auch heute.

So wünsche ich Euch allen Gottes Segen. Möge die Fürsprache Mariens uns alle begleiten.